Seit 2012 im Kaninchenverein Twistringen

Gerd Helms züchtet Zwergwidder: Die Freude am Tier

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Gerd Helms aus Dimhausen mit einem seiner Blauen Zwergwidder.

Dimhausen - Von Ulf Buschmann. Bonnie will gar nicht mehr aufhören. Die dreijährige Australian-Shepherd-Hündin ist ganz vernarrt in die Zwergwidder-Häsin. Kaum ist die Stalltür auf, leckt Bonnie das kleine Tier ab. Das streckt neugierig seinen Kopf nach draußen und lässt sich die Hunde-Streichel- beziehungsweise Leckeinheiten gefallen. Gerd Helms steht daneben und betrachtet das Schauspiel lächelnd. „Bonnie muss jedes Tier erst einmal intensiv belecken“, sagt er. Dem Lehrer im Vorruhestand machen diese und ähnliche Momente viel Freude.

Neben seiner Familie ist die Zwergwidder-Zucht so etwas wie Helms’ Lebensinhalt geworden. 15 dieser kleinen Tiere mit dem sanften Charakter hat der Dimhauser zurzeit. „Mehr macht für mich augenblicklich keinen Sinn“, erklärt er mit einer leicht ausholenden Armbewegung in Richtung der anderen Boxen hinter ihm. Platz ist bei Helms für 20 Tiere. Zum Frühjahr hin füllen sich die Boxen wieder. Dann besteigen die Rammler die Häsinnen und sorgen für den Nachwuchs, den Helms ebenfalls liebevoll pflegt und aufzieht.

Die Ergebnisse seiner Zucht präsentiert er wie jeder passionierte Kaninchenzüchter bei den Schauen auf Kreis-, Landes- und Bundesebene – wie Anfang Dezember bei der 66. Allgemeinen Niedersächsischen Kaninchenschau in Osnabrück. Dort befanden 51 Preisrichter über 2551 Tiere. Acht davon waren die Züchtungen von Helms, die gegen die anderen konkurrierenden Blauen Zwergwidder antreten mussten.

Der Dimhauser war eines von zehn Mitgliedern des Kaninchenzuchtvereins F321 Twistringen. Ihm hat sich Helms erst im Jahr 2012 angeschlossen. Als er während einer schweren Erkrankung einen Zeitungsbericht über die Widderzucht gelesen hatte, war für ihn klar, dass auch er sich diesen Tieren widmen möchte. Hilfe beim Aufbau der Zucht bekam Helms von Rüdiger Rathjens, Vorsitzender des Widderclubs Bremen. Für dessen Aufbauhilfe ist er ihm heute noch immer dankbar.

Die dreijährige Australian Shepherd-Hündin Bonnie liebt die Kaninchen über alles.

In den ersten drei Jahren habe er ziemlich viel Pech gehabt, erinnert sich der Dimhauser. Seine Häsinnen seien zwar trächtig gewesen, doch sie konnten ihre Jungen nicht werfen. Schweren Herzens musste Helms seine Tiere töten.

In diesem Jahr jedoch hat sich endlich der Erfolg eingestellt. Helms präsentierte zwei seiner Zwergwidder bei der Allgemeinen Jungtierschau am Bremer Kreuz. „Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse bin ich dem Ausrichter vor Freude um den Hals gefallen“, gesteht Helms: „Damit, dass ich das beste Tier der Schau habe, hatte ich nicht gerechnet.“ Selbst die erfahrenen Veranstalter seien darüber erstaunt gewesen, dass ein Aussteller mit nur zwei präsentierten Tieren einen solchen Erfolg erzielt.

Früher häufig als Braten auf dem Tisch

Denn gewöhnlich nimmt ein Züchter an einem Wettbewerb mit mindestens vier Tieren teil. Sie werden zu einer Gruppe zusammengefasst. Sein Schmalspur-Programm begründet Helms sozusagen gesundheitlich: Er habe seine restlichen Tiere erst sehr spät gegen die Kaninchenseuche RHD impfen lassen können, weil kein Impfstoff zur Verfügung gestanden habe. Inzwischen seien die Vorräte groß genug.

So ganz ohne Erfahrung ist Helms übrigens nicht in die Zucht gestartet. „Das kannte ich schon aus meiner Kindheit. Zu Hause hatten wir bis zu 70 Tiere im Stall“, erinnert er sich. Und: „Es waren keine Rassen, da ist alles gekreuzt worden.“ Und manch ein Tier fand sich am Ende als Braten auf dem Tisch wieder. „Als ich Kind war, haben die Leute sehr viel mehr Kaninchen gegessen“, erklärt Helms den Unterschied zu heute.

Kaninchen vom Speiseplan verschwunden

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Kaninchen, wissen auch andere Züchter, dienten nicht mehr der Bereicherung des heimischen Speiseplans. Einer der wesentlichen Gründe sei das im Gegensatz zu den 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahren viel größere Nahrungsmittelangebot. Dies hat zu einem Wandel der Essenskultur beigetragen. Wenn aber heute doch einmal ein Kaninchen auf den Tisch kommt, kaufen es die meisten Menschen nicht mehr beim Erzeuger, sondern beim Fleischer oder in einem der großen Verbrauchermärkte.

Deshalb lässt auch Helms selten eines seiner Tiere töten. Bleiben einige am Jahresende bei der Zucht übrig, verkauft er sie – via Internet-Kleinanzeige. „Aber da läuft es zurzeit ziemlich zäh“, so Helms. Bis die Tiere einen neuen Besitzer finden, können sie sich wenigstens von Bonnie belecken lassen.

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