Gerd Gohlke hütet im Keller wertvolle Erinnerungen an alte Heimat Wehlau

„Was tun, damit von unserer Geschichte etwas bleibt“

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Gerd Gohlke zeigt alte Dokumente.

Bassum/Syke - Von Dieter Niederheide. Als er sieben Jahre alt war, musste Gerd Gohlke Königsberg, seine Heimatstadt in Ostpreußen, verlassen. Sieben Jahrzehnte später ist er im Landkreis Diepholz seit Jahren der Hüter wertvoller Erinnerungen in Form von Dokumenten, Landkarten, Büchern, rund 20000 Fotos in zahlreichen Alben oder Straßenschildern aus Wehlau.

Das Archiv der Kreisgemeinschaft Wehlau und des Bundes der Vertriebenen (BdV), Kreisverband Syke, in den Kellerräumen im Syker Kreishaus ist Gohlkes zweites Zuhause. „Wir müssen was tun, damit von unserer Geschichte im Landkreis etwas erhalten bleibt“, erklärt der Vorsitzende des Kreisverbandes Syke im BdV und Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Wehlau (seit 2014).

Bestrebungen auf der Verbandsebene, die Nachlässe aus den Landsmannschaften zentral unterzubringen, erteilt er eine klare Absage: „Es würde zu viel an Individualität verloren gehen, eine Zentralisierung ist unrealistisch.“ Die Sammlung soll zusammenbleiben.

Gerd Gohlke erlebte als Kind die Flucht mit Großmutter Luise Will und der jüngeren Schwester, seine Mutter hat er erst Jahre später wieder getroffen. „Der Feuerschein der Front rückte immer näher, die ersten Flüchtlingstrecks zogen vorbei“, erinnert er sich. Dann machte sich Oma Luise mit ihm und der Schwester auf den gefährlichen Weg.

Im Januar 1945 begann die dreimonatige Flucht mit einem Frachtschiff durch den Königsberger Seenkanal nach Kolberg („Ab hier wurde es kritisch, der Ort wurde von den Russen eingekesselt“) und ab Pilau durch die Ostsee über Swinemünde/Ueckermünde. Im Zug führte der Weg nach Damme, wo das Trio bei einem Bauern untergebracht wurde. Anschließend wurde Donsdorf bei Barnstorf ihr neues Zuhause.

Heimatmuseum trägt

seine Handschrift

„Unser Vorteil war, dass wir schon hier waren, als die großen Flüchtlingstrecks eintrafen“, betont Gohlke. Seine Erfahrung: „Wir mussten zeigen, was wir konnten, insbesondere in den Schulen, die ich besuchte, zum Beispiel in der Barnstorfer Realschule, wo ich Klassensprecher wurde.“

Der Königsberger hat sich später bei der Bundesbahn (1955 bis 1996) dank seines Ehrgeizes und Könnens hochgearbeitet bis zum Oberamtsrat, war Bahnhofsvorsteher in Neuenkirchen und Bremen-Vegesack und danach an einer Reihe von zukunftsweisenden Projekten der Bahn beteiligt. Zum Beispiel, als es darum ging, die dritte Wagenklasse in den Reisezügen abzuschaffen.

Gohlke zog 1959 nach Bassum, 1962 mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau ins Eigenheim nach Osterbinde. Aus dem Königsberger war längst ein Bassumer geworden. Er gründete den Sportverein Osterbinde mit (27 Jahre Vorsitzender), war 42 Jahre im geschäftsführenden Vorstand des Schützenvereins Osterbinde-Eschenhausen und Fußballschiedsrichter. Er setzte sich als Kommunalpolitiker in Osterbinde (20 Jahre Ortsvorsteher) und im Rat der Stadt Bassum für die Region ein, nicht zuletzt auch als Mitglied im Seniorenbeirat im Landkreis.

Gohlke hat nie seine alte Heimat aus den Augen verloren. Gern erinnert er sich an die ersten Fahrten als Reiseleiter in die Region Wehlau. „Am Anfang fuhren 112 Menschen mit, inzwischen sind wir bei 35 angekommen.“ Seit 20 Jahren hat er den Vorsitz der Landsmannschaft Ostpreußen, Ortsgruppe Bassum, und seit 15 Jahren führt er die Kreisgruppe Syke im Bund der Vertriebenen und Vereinigte Landsmannschaften.

Auch das Wehlauer Heimatmuseum beim Kreismuseum trägt seine Handschrift. „Es thematisiert nicht nur die Geschichte der Wehlauer, sondern die gesamte Vertriebenengeschichte“, unterstreicht Gohlke und bedauert, dass im Laufe der Jahre Landsmannschaften aus dem Bund der Vertriebenen ausgetreten sind und als Ortsgruppen allein weitermachen. Im BdV-Kreisverband Syke gibt es nur noch die Ortsgruppe Syke, die Landsmannschaften der Schlesier, Ostpreußen, Westpreußen und Pommern sowie die Landsmannschaften der Ostpreußen und Schlesier aus Bassum. Die Verzichtspolitik der Bundesregierung auf die Ostgebiete habe zur Spaltung geführt.

Die Handschrift von Gohlke, der wieder in Bassum wohnt, tragen die Vorbereitungen zu 60 Jahre Patenschaft Kreisgemeinschaft Wehlau/Landkreis Diepholz am 4.September und die Vertretersitzung der Kreisgemeinschaft Wehlau am 5.September in Syke. Auch zur Ausstellung „Die Not vor Augen – Europa im Blick“ im Kreismuseum hat Gohlke auch seinen Beitrag geleistet.

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