Investor plant zwei Mehrfamilienhäuser am Stift / Klosterkammer spricht sich dagegen aus

„Geplanter Neubau beeinträchtigt Denkmalschutz“

Die Skizze trügt: Die Klosterkammer stellt fest, dass die geplanten Bauten in Länge, Höhe und Breite über das Maß der vorhandenen Bebauung der Stiftsgebäude hinausgehen – und das Denkmalensemble überragen würden.
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Die Skizze trügt: Die Klosterkammer stellt fest, dass die geplanten Bauten in Länge, Höhe und Breite über das Maß der vorhandenen Bebauung der Stiftsgebäude hinausgehen – und das Denkmalensemble überragen würden.

Bassum – Geschmack ist, was gefällt, lautet ein Sprichwort. Bassums Äbtissin Isabell von Kameke würde die Bauvorhaben, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft entstehen sollen, nicht als geschmacklos bezeichnen. Aber sie missfallen ihr erheblich. Der Grund liegt in der Nähe zum Stift. Denn durch die Planung sieht sie die einheitliche Optik des denkmalgeschützten Ensembles gefährdet.

Mit ihrer Ansicht steht von Kameke nicht allein. Auch die Klosterkammer hat sich bereits zu dem Bauvorhaben geäußert und in ihrer Stellungnahme Bedenken angemeldet. Das Fazit der Denkmalschützer: Die geplanten Mehrfamilienhäuser beeinträchtigen das Denkmalensemble in erheblicher Weise – aufgrund der Optik und der Dimension.

Nach wie vor plant ein Bassumer Investor an der Meierkampstraße zwei Mehrfamilienhäuser in erster Reihe zum Stiftspark zu errichten. Vorgesehen dafür sind die Grundstücke 23 und 25. Die Häuser darauf sollen abgerissen werden. Entlang der Straße Meierkamp und zwischen den beiden Gebäuden soll sich bis zur südlichen Grundstücksgrenze ein Parkplatz für insgesamt 19 bis 20 Stellplätze erstrecken.

Stephan Maaß, Fachdienstleiter für Bauordnung und Städtebau beim Landkreis, bestätigt, dass derzeit zwei Anträge beim Landkreis vorliegen. Es gebe eine ältere Bauvoranfrage. Diese sieht den Bau von zwei Mehrfamilienhäuser vor – eines mit acht Wohneinheiten, das andere mit fünf Wohneinheiten. Zum Zweiten liegt ein Antrag auf Baugenehmigung vor – erst einmal nur für ein Mehrfamilienhaus.

Beide Anträge sind noch in Bearbeitung, so Maaß. Beim Letzteren fehle noch die Stellungnahme der Stadt. Wie die ausgefallen ist, möchte Bauamtsleiter Martin Kreienhop noch nicht mitteilen. Zuerst werde der Verwaltungsausschuss informiert.

Bassums Äbtissin Isabell von Kameke ist fest entschlossen, die ihr zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, die Bauten zu verhindern. Sie hat prinzipiell nichts gegen mögliche Einfamilienhäuser einzuwenden – aber die Planung des Investors sei in der Dimension zu mächtig. Dieses Argument führen auch die Denkmalpfleger an.

„Gemäß Paragraf 8 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes dürfen Anlagen in der Umgebung eines Baudenkmals nicht errichtet werden, wenn dadurch das Erscheinungsbild des Baudenkmals beeinträchtigt wird“, heißt es in deren Stellungnahme. Kritisiert werde unter anderem die zweigeschossige Bauweise mit ausgebautem Dachgeschoss -– also letztlich einer Firsthöhe von 12,20 Metern. Auch das zweite Haus soll über ein Dachgeschoss verfügen und eine Firsthöhe von 9,20 Metern aufweisen.

Das beabsichtigte Vorhaben würde sowohl das Erscheinungsbild der Gruppe baulicher Anlagen Stift Bassum als auch das Erscheinungsbild des Einzeldenkmals Abtei wesentlich und in erheblichem Maß beeinträchtigen, schreibt die Klosterkammer. Die Experten sehen das durchdachte architektonische Konzept gefährdet. Sie fordern zudem, dass die Sicht vom Stiftspark auf die Kirche nicht verdeckt werden darf.

Abschließend verweist die Klosterkammer noch auf eine Entscheidung der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises aus den Jahren 2017/2018 bezüglich einer Anfrage eines Bauwerbers zur Aufstellung einer Werbetafel an der Bremer Straße 1, Ecke Am Damm. Das Baugesuch wurde damals abgelehnt. Unter anderem mit der Begründung der Unverträglichkeit des Vorhabens mit dem Denkmal Stiftshügel.

Im nachfolgenden Gerichtsverfahren vor dem Verwaltungsgericht Hannover hätte der Richter das klagende Werbeunternehmen darauf hingewiesen, dass er die Einschätzung der Bauaufsichtsbehörde teile, worauf das Unternehmen die Klage zurückgezogen habe. „Im Vergleich zum nun in Rede stehenden Vorhaben wäre die damals streitige Werbetafel als eine geringere Beeinträchtigung zu bewerten. Die Störwirkung des jetzt zur Genehmigung gestellten Vorhabens ist bedeutend größer“, heißt es.  al

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