Geliebte Lückenfüller

Mobilitätsserie: Bürgerbusse haben besondere Bedeutung für Randgebiete

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Heino Müller ist seit elf Jahren Bürgerbusfahrer. 

Es ist kurz vor 10 Uhr. Heino Müller bremst den Bürgerbus am Bassumer Modehaus Maas ab und öffnet die Türen. Die ältere Dame aus Neubruchhausen erhebt sich von ihrem Platz und steigt aus. „So, Geldausgeben kann losgehen“, scherzt Müller. Die Frau wehrt lächelnd ab: „So viel soll es gar nicht werden!“ Die Türen schließen wieder, und der Bus rollt weiter.

Bassum - Ein kurzer Schnack, miteinander scherzen oder auch mal bei Problemen und Sorgen zuhören: Das ist es, was Heino Müller an seinem Ehrenamt so liebt. „Ich bin gern unter Menschen. Viele nette Leute fahren bei uns mit, und es ist ein schönes Gefühl, Fahrgäste zu transportieren, die sonst wohl große Problem hätten, aus ihrem Ort in die Stadt zu kommen.“

Seit elf Jahren ist Müller nun Bürgerbusfahrer und denkt gar nicht ans Aufhören. Nach seiner Pensionierung hatte Müller nach einer neuen Aufgabe gesucht, um „nicht in ein Loch zu fallen“. Er habe mehrere Sachen zu Auswahl gehabt, aber beim Bürgerbus ist er hängen geblieben. „Ich wollte der Allgemeinheit etwas zurückgeben. Außerdem gefiel mir das Autofahren und Reden mit Leuten in zwei Sprachen – Hoch und Platt.“

Zwischen Schülern und älteren Fahrgästen

Müller hat Menschen jeden Alters zu Gast, wobei er bei den Älteren eine gewisse Hemmung wahrnimmt. „Die denken sich: ,Wenn ich Bürgerbus fahre, bin ich alt’. Die Schüler, die nachmittags unterwegs sind, nehmen unser Angebot gern an.“

Menschen wie Heino Müller sind für das Team ein echter Schatz. Denn Fahrer zu finden, ist ein Problem geworden. Müller versteht das nicht: „Man verpasst etwas.“ Wenn er Leute im Ruhestand anspreche, ob sie nicht mitmachen wollten, komme oft die Frage, was bezahlt wird. „Wenn sie hören, dass es ein Ehrenamt ist, haben sie kein Interesse mehr.“ Andere schreckt die Vorstellung ab, einen Bus zu lenken. „Ich empfehle jedem, einfach mal eine Stunde mitzufahren und es sich anzusehen“, rät Müller.

Das Gemeinschaftsgefühl im Fokus

Jeder neue Fahrer käme in eine wirklich tolle Gemeinschaft, in der es auch kein Problem sei, mal schnell eine Schicht zu tauschen. „Wir grillen gemeinsam, feiern Weihnachtsfeiern. Das Gemeinschaftsgefühl wird bei uns groß geschrieben.“

Eine Schicht dauert vier Stunden. An jedem Wochentag müssen drei Schichten vergeben werden. Die erste endet um 11.30, die zweite um 14.20 und die letzte um 18.30 Uhr. „Ich mag gern die Morgen-Schicht, weil da viele Stammgäste sind“, verrät Müller, während er in Nordwohlde einfährt. Am Friedhof gibt es einen kurzen Stopp, und ein Mann steigt ein. „Termin beim Friseur“, sagt er Müller. Der schmunzelt: „Tut doch noch gar nicht wieder not.“ Eine Station weiter steigt eine weitere Nordwohlderin zu.

Ein guter Tag

„Heute läuft es sehr gut“, freut sich Müller. „Ich könnte auf 20 Leute während meiner Schicht kommen.“ Manche von ihnen kaufen auch gleich Tickets für die Bahn bei ihm, weil sie den Bürgerbus unterstützen wollen oder keine Lust haben, an den Automaten zu gehen.

Beim Verbrauchermarkt Inkoop steigen zwei ältere Frauen und ein Mann ein. „Heimwärts!“, trällert eine der Damen und reicht Müller eine Tüte mit Leckereien. Dieser lächelt: „Das sind Stammgäste, die auch für das leibliche Wohl der Fahrer sorgen.“ „Wir nutzen den Bus fast jeden Tag, weil wir immer sehr aktiv sind“, erläutert eine der Frauen, während der Bus zum Bahnhof tuckert. „Wir kommen aus Bramstedt, und ohne den Bürgerbus kämen wir kaum raus, denn der Bahnhof ist viel zu weit weg. Außerdem sind die Fahrer alle freundlich“, ergänzen die Frauen.

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