Digitales Lampenfieber

Angst im Online-Meeting? Mental-Coach Ute Bries aus Bassum hilft

Ute Bries ist Mental-Coach aus Bassum
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Ute Bries ist Mental-Coach aus Bassum

Bassum – Video-Konferenzen sind für viele Menschen fester Bestandteil ihres Berufslebens geworden. Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin sowie Mental-Coach Ute Bries aus Bassum beobachtet seit einiger Zeit dabei ein Phänomen, das sie „digitales Lampenfieber“ nennt. Vor allem Frauen suchen deswegen ihren Rat. In einem Interview erklärt sie, was es damit auf sich hat und wie sie versucht, den Betroffenen zu helfen.

Die Fragen stellte Julia Kreykenbohm.

Frau Bries, was genau ist digitales Lampenfieber?

Im Grunde die Angst vor der Kamera in einem Meeting oder auch in einem Marketing-Video. Die Angst davor, sich zu präsentieren. Bisher sind deswegen etwa 20 Frauen auf mich zugekommen.

Und was sagen die Frauen?

Zum einen haben viele ein Problem damit, sich selber auf dem Bildschirm zu sehen. „Wie sehe ich denn aus?“, „Bin ich hübsch genug?“ oder „Himmel, jetzt sehen die anderen mich auch so groß!“ sind Gedanken, die ihnen durch den Kopf schießen. Oder sie sind verunsichert, weil sie auch mit ihrer eigenen Stimme konfrontiert werden und finden, dass sie schrecklich klingt. So sind sie angespannt. Und wer angespannt ist, kann in der Diskussion nicht offen sein, nur schwer zuhören und Ideen entwickeln.

Ist das ein typisches Frauenproblem?

Ich denke schon, dass mehr Frauen davon betroffen sind, weil sie einfach sehr hart mit sich ins Gericht gehen. Sie trauen sich nicht, groß oder laut zu sein. Aber solch eine digitale Konferenz ist eben auch eine unnatürliche Gesprächssituation und atmosphärisch ganz anders als ein richtiges Treffen.

Können Sie das näher erklären?

Auf einmal habe ich 20 bis 30 Leute direkt vor mir sitzen. In einem Raum würden sie sich verteilen, ein paar sitzen in meiner Nähe, andere weiter weg. Eine digitale Konferenz bedeutet also viel mehr Aufmerksamkeit. Wenn ich dort einen Vortrag halte, kann ich mich nicht bewegen, mich mal zur Flipchart umdrehen, um mal eine Pause einzulegen und meinen Gedanken Klarheit zu geben. Zoom bedeutet: Liefere jetzt sofort etwas!

Wie helfen Sie den Frauen, die sich an Sie wenden?

Zunächst muss ich herausfinden, was genau ihnen zu schaffen macht. Ist es gewöhnliches Lampenfieber? Haben Sie ein Problem damit, sich selber zu hören oder zu sehen? Je nach dem, wo das Problem ist, können wir daran arbeiten. Aufgrund des Lockdowns habe ich meine Arbeit komplett ins Netz verlegt und trete mit den Frauen per Video-Schaltung in Kontakt. Finden sie beispielsweise, dass ihre Stimme zu dünn klingt, höre ich mir an, wie sie sprechen und analysiere, was sie besser machen könnten. Dann machen wir Sprech-, Stimm- und Atemtechniken.

Und was machen Sie bei Lampenfieber?

Dabei geht es viel um Denken und Fühlen. Es geht um Selbstwert und Selbstbewertung. Wenn eine Frau beispielsweise Sorge hat, dass sie nicht schlau genug ist und deswegen nichts sagt, versuche ich herauszufinden, wie sie auf diesen Gedanken kommt. Zudem will ich wissen, wann sie nervös werden. Wenn der Chef am Meeting teilnimmt oder bereits bei Kollegen? Hinzu kommt, dass wir auf Signale reagieren, ohne ihnen große Bedeutung beizumessen. Wenn jemand im Meeting gelangweilt oder grimmig aussieht, bringt das viele aus dem Gleichgewicht, weil sie das auf sich beziehen.

Diese Haltung versuche ich zu ändern. Die Frauen sollen mehr Gelassenheit entwickeln im Umgang mit anderen – und mit sich selber. Wer nicht zu Wort kommt, weil er unsicher ist, sollte sich während des Meetings Notizen zu den Punkten machen, zu denen er noch etwas sagen will. Und sich dann auch Gehör verschaffen: „Halt, ich möchte noch etwas sagen!“ Das ist wie einen Fuß in die Tür setzen. Und es ist wichtig. Denn ständige Zurückhaltung macht unglücklich. Wenn ich etwas zu sagen habe: Raus damit!

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