Neue Pastoren-Chronik

Das Gedächtnis der Stadt

Klaus Mencke (M.) und Dörte Theilke präsentieren eine Chronik über die Pastoren der Stiftskirche; Archivar Michael Junge hat zum Dank für Meinckes jahrzehntelange Arbeit fürs Archiv ein Fotobuch vorbereitet. - Foto: Jaursch

Bassum - Von Frank Jaursch. „Wenn Sie Heimatkunde unterrichten, müssen Sie die Geschichte Bassums kennen.“ Dieser Satz seines einstigen Konrektors Wilhelm Rohlfs hat Klaus Mencke nachhaltig geprägt. Er befolgte den Rat, setzte sich intensiv mit der Stadt Bassum und ihrer Historie auseinander – und wurde über mehr als drei Jahrzehnte das Gesicht des Bassumer Stadtarchivs. Vor zwei Jahren übergab er die Leitung des Archivs an Michael Junge, blieb der Einrichtung aber als Aktivposten erhalten. Nun hat der 87-Jährige angekündigt, sich zurückziehen zu wollen.

Der Weg die steile Treppe hinauf ist zu beschwerlich geworden für Mencke. „Der Kopf ist noch voll da, aber die Beine machen nicht mehr mit“, umschrieb es sein Nachfolger Michael Junge gestern im Rathaus. Der Anlass für den Termin im frisch renovierten Sitzungssaal indes war ein erfreulicher: Das Archiv präsentierte den fünften Band der Veröffentlichungen rund um die Geschichte der Stadt. Im Fokus diesmal: die Pastoren an der Stiftskirche – von 1541 bis 1960.

Und wieder einmal war es Klaus Mencke, der sich um das Projekt verdient gemacht hat. In den vielfältigen Aufzeichnungen des Heimatforschers Frithjof Bestmann (1898 bis 1990) fanden die Archivare unter anderem einen blauen, gehefteten Band mit bemerkenswertem Inhalt: Bestmann hatte darin die Familien- und Lebensgeschichten aller Bassumer Pastoren seit der Reformationszeit gesammelt.

Mencke machte sich daran, die handschriftlichen Aufzeichnungen in eine lesbare Form zu bringen. Und das war gar nicht so einfach. „Hätte ich gewusst, worauf ich mich einlasse, dann hätte ich das Vorhaben vermutlich aufgegeben“, schmunzelte er.

Mit drei Problemen hatte er zu kämpfen: Bestmann hatte eine ausgesprochen kleine Handschrift, und die Notizen waren auf schlechtem Papier geschrieben – ein Umstand, der von manchen Worten „nur kleine Kleckse“ übrigließ. Und schließlich neigte Bestmann dazu, viele Nebensätze aneinanderzureihen. Mencke entwirrte die Sätze und machte die Geschichte auf 98 Seiten lesbar, tatkräftig unterstützt von Archiv-Mitarbeiterin Dörte Theilke, die Junge als „unsere Schriftgelehrte“ bezeichnete.

Die Ausführungen geben auch einen spannenden Einblick in die Konflikte, die Stift und Geistlichkeit über die Jahrhunderte immer wieder miteinander austrugen. Pastoren, die wegen ihres Lebenswandels in der Kritik standen, finden sich in den Aufzeichnungen ebenso wie Beleidigungen und tränenreiches Bitten um Verzeihung. Insgesamt, betonte Mencke, sei das Verhältnis zwischen Stift und Gemeinde aber gut gewesen.

Eine „gewaltige Arbeit“ sei das gewesen, würdigte Junge den Fleiß von Theilke und Mencke. Ihre Ausdauer ermöglicht nun allen die Lektüre des Bandes – und damit einen spannenden Blick in die Geschichte der Stiftskirche. Die gebundene Fassung des Buches ist bislang nur in kleiner Auflage erschienen. Wer ein Exemplar (Preis: zehn Euro) haben möchte, kann sich beim Archiv unter 04241/ 5384 oder im Rathaus (04241/ 840) melden.

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