Hilfe für Flüchtlinge

Geburtsvorbereitung in vier Sprachen

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In dem Geburtsvorbereitungskurs erfahren die Teilnehmerinnen auch viel über die Strukturen in Deutschland.

Bassum - Ein Kind zu bekommen, ist für jede Frau ein Einschnitt in ihrem Leben. Alles ändert sich. Besonders bei der ersten Schwangerschaft herrsche Unsicherheit und Angst. Gut, dass die Familie da ist und unterstützt. Oder Behörden und Beratungsstellen, die Hilfe und Informationen geben. Doch was, wenn die Familie Tausende von Kilometern weit weg und man selber in einem fremden Land ist, dessen Sprache man noch nicht oder nur sehr schlecht spricht? Dann ist die Frau auf sich gestellt, bleibt häufig allein mit ihren Sorgen und Ängsten. Ein Zustand, der die ohnehin schon belastende Situation noch schwieriger macht.

Hyacinthe Mokom Fomboh, Flüchtlingssozialarbeiter für Bassum und Syke, kennt viele geflüchtete Frauen, die mit dieser Situation zu kämpfen haben. „In ihrer Heimat haben sie meist in großen Familien gelebt. Wenn eine Frau schwanger wird, stehen ihr Mutter, Tante, Oma und Schwester bei. In Deutschland sind sie allein, und viele beherrschen die Sprache noch nicht gut genug, um an einem Geburtsvorbereitungskurs teilzunehmen.“ Darum war er von der Idee der Stuhrer Gleichstellungsbeauftragten und der dortigen Flüchtlingssozialarbeiterin begeistert, die einen solchen Kurs speziell für geflüchtete Frauen anboten. „Ich wollte diese Idee hier etablieren“, so Mokom Fomboh.

Und bei diesem Vorhaben rannte er bei den Gleichstellungsbeauftragen für Syke und Bassum, Kathrin Stern und Christine Gaumann, offene Türen ein. Hinzu kamen Hebamme Andrea Wolff, Schwangerenberaterin Ortrud Kaluza, Dolmetscherin Nisrin Alalo und Elsbeth Ruholl, Leiterin des Familienzentrums der Stadt Bassum. Zusammen haben sie ein Angebot aus dem Boden gestampft, das bereits am kommenden Mittwoch, 22. Januar, startet. „Insgesamt gibt es fünf Termine“, erklärt Stern. „Jeweils am Mittwoch von 9 bis 12.30 Uhr im Familienzentrum an der Mittelstraße Bassum.“

Bei Bedarf werden die Frauen von einem Fahrdienst geholt. Eine Betreuung für Geschwisterkinder wird ebenfalls angeboten, damit wirklich jede Frau teilnehmen kann. Oder fast jede. „Wichtig ist, dass sie englisch, französisch, kurdisch oder arabisch spricht. In diesen Sprachen können wir übersetzen“, sagt Gaumann. Sieben Frauen sind bereits gemeldet, aber es gibt noch Kapazitäten für weitere, nicht nur aus Bassum und Syke. Männer werden bei dem Kurs nicht anwesend sein, damit die Frauen auch über sensible Themen sprechen können.

Kaluza und Wolff werden die Frauen über verschiedene Themen aufklären. Viele finden sich auch in normalen Vorbereitungskursen: Woran erkenne ich, dass die Geburt bevorsteht? Wie helfe ich mir? Was gehört in die Klinik-Tasche? Andere Dinge sind besonders für die geflüchteten Frauen wichtig: Wie finde ich eine Klinik? Wie komme ich dorthin? Welche Angebote gibt es, wenn das Kind da ist? „Deutsche Frauen nehmen einfach den Telefonhörer in die Hand und fragen. Geflüchtete können das meist nicht“, so Kaluza, die schon einige von ihnen beraten hat.

Die Frauen, die häufig über ihren eigenen Körper kaum Bescheid wissen, weil sie nie richtig aufgeklärt wurden, sollen mehr über ihn erfahren. Es geht auch um medizinische Fachbegriffe. „Wenn die Frau im Krankenhaus ist und plötzlich vom Kaiserschnitt oder einer Saugglocke die Rede ist, sollen sie wissen, was auf sie zukommt“, so Wolff. „Wir wollen die Frauen stärken und ihnen die Angst nehmen“, fasst Stern zusammen.

„Wir hoffen, dass die Frauen in dem Kurs auch untereinander ins Gespräch kommen und voneinander profitieren“, so Gaumann. Und natürlich könne man auch etwas von ihnen lernen. „Wir erfahren, wie in ihrer Kultur mit Kindern umgegangen wird, beispielsweise wie die Kleinen getragen werden“, sagt Kaluza. Mokom Fomboh sieht noch einen weiteren Aspekt: „All das dient auch der Integration.“

Da die Städte und das Land den Kurs fördern, ist er kostenfrei. Flyer in den vier Sprachen sind auf der Homepage der Stadt Bassum zu finden. Anmeldungen laufen über Hyacinthe Mokom Fomboh unter mokom.fomboh@stadt.bassum.de.

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