Bassumer Ärztin Marianne Niehaus ist aus Nepal zurückgekehrt

Vor der Geburt noch kurz ins Lehrbuch geschaut

Bassum - Von Frauke Albrecht. Seit ihrer Rückkehr aus Nepal sieht Marianne Niehaus das deutsche Gesundheitssystem mit anderen Augen. „Es wird doch auf sehr hohem Niveau gejammert“, sagt sie. Die Ärztin im Ruhestand hat die vergangenen Monate in einer kleinen Gesundheitsstation (Health-Post) in den Bergen von Nepal gearbeitet – weitab von größeren Städten.

„Allein die Fahrt dorthin ist abenteuerlich“, erzählt sie. Das kleine Bergdorf Bhanjhakateri liegt 450 Kilometer westlich von Kathmandu. Die Autofahrt über schlechte Straßen dauert 17 Stunden, die letzten vier führen über holprige Feldwege.

Niehaus mit dem Team.

Der Health-Post, aufgebaut wurde die Station von der Hilfsorganisation Brepal (BREmen+nePAL), liegt malerisch an einem Hang – „die Aussicht ist phänomenal“, schwärmt Niehaus. Die Lebensumstände sind es nicht. In der Region leben etwa 10 000 Menschen, verteilt auf ein weitläufiges Gebiet. Weit und breit gibt es kein Krankenhaus, einzig die kleine Gesundheitsstation.

„Mehrmals ist es vorgekommen, dass schwerkranke Menschen zu uns gekommen sind. Teils wurden sie von ihren Angehörigen mehrere Stunden auf dem Rücken getragen. Der Glaube in die westliche Medizin ist so groß. Doch wir können oft nicht helfen“, erzählt Niehaus. Das sei für sie sehr anstrengend gewesen.

Es fehlen Personal und die entsprechende Ausrüstung. „Wir hatten einen Breather zum Luftanfeuchten und konnten ein bisschen Intensivversorgung abdecken“, erzählt die Ärztin. Aber Operationen können dort nicht durchgeführt werden. Die Fahrt mit dem Ambulanz-Jeep zum nächsten Krankenhaus dauert Stunden und ist beschwerlich. „Da muss man hinschauen, wem das noch zugemutet werden kann.“ Bei einer akuten Blinddarmentzündung werde es knifflig. „Ich habe mir immer gesagt, dass die Menschen ohne uns noch schlimmer dran wären.“

Es gab aber auch schöne Momente: Marianne Niehaus auch Babys auf die Welt gebracht. Sie lacht. „Da musste ich mich vorher ein bisschen einlesen.“

Viele leiden unter Lungenerkrankungen, vor allem Frauen. „Das liegt an den offenen Feuern“, so die Ärztin. Chronische Bronchitis, aber auch Gelenkerkrankungen kommen ebenfalls häufig vor. „Bereits kleine Kinder tragen schwere Lasten.“ Rücken, Schulter und Knie würden dadurch extrem belastet.

Neben der Ärztin aus Bassum arbeiteten ein sogenannter Medical-Assistent, eine Krankenschwester und eine Hebamme in der Station. Später kam noch eine mit Marianne Niehaus befreundete Anästhesistin dazu.

Da in der Regenzeit die Wege unpassierbar werden, verlassen die ausländischen Ärzte spätestens im Juni den Posten. „Dann ist bis September nur der Assistent vor Ort“, erzählt Niehaus. Dieser würde nach dreijähriger Ausbildung fast wie ein Allgemeinarzt arbeiten. „Der zieht sogar Zähne“, ist die Bassumerin überrascht. Es bleibe ihm gar nichts anderes übrig. „Es werden dringend Zahnärzte gesucht, die dort hospitieren möchten. Erst vor Kurzem ist ein nagelneuer Zahnarztstuhl angekommen.“ Niehaus würde sich sehr wünschen, wenn sich Dentisten auf diese Weise angesprochen fühlen.

Sie selbst hatte über die Hilfsorganisation einen Artikel gelesen, dort angerufen und gefragt, ob Interesse besteht, dass sie volontiert, erzählt die Bassumerin. Ärzte werden immer gesucht, und so machte sie sich im November auf nach Nepal.

Da die Menschen dort kein Geld haben und es auch keine Geschäfte gibt, wird fast alles selbst angebaut. Auch die Gesundheitsstation pflegt einen kleinen Gemüsegarten. „Wir hatten Tomaten, Paprika, Kohl, Radi, rote Bete, Spinat und anderes Gemüse.“

Positiv überrascht war Niehaus vom Internetanschluss und der Solaranlage auf dem Dach. „Es haben auch alle Handys. Nur macht keiner einen Termin aus.“ Und so stehen plötzlich 90 Patienten vor der Tür. Sprechstunde ist an sechs Tagen in der Woche – von morgens bis abends.

Vor ihrer Abreise nutzte sie die Gelegenheit, zusammen mit einer Krankenschwester das kleine Dorf Dhadagoun zu besuchen. Dort hatte Marianne Niehaus 2011 in einer Gesundheitsstation gearbeitet. Sie war entsetzt über die Lebensumstände. „Die Menschen leben in Blechhütten, weil ihre vom Erdbeben zerstörten Häuser immer noch nicht aufgebaut sind. Es fehlt dort einfach an allem.“

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