Die gebürtige Bassumerin Chiara Nielsen ist auf dem Weg zum Star in der Bodybuilding-Szene

„Ich möchte aussehen wie eine Kriegerin“

Chiara Nielsen ist auf dem Weg zum Star in der Bodybuilding-Szene.

Bassum - Von Maik Hanke. Bodybuilder, das sind doch diese primitiven Muskelprotze, die sich zum reinen Selbstzweck ausstellen! Die Klischees über den extremen Kraftsport halten sich hartnäckig. Für die Aktiven ist es aber viel mehr, als Hanteln zu stemmen und Bräunungs-creme aufzutragen. Es ist eine Lebenseinstellung. Die in Bassum geborene Chiara Nielsen geht noch einen Schritt weiter: „Das Bodybuilding war für mich eine Rettung.“

Die Präsentation, die Linie, der Look – das hat die Juroren bei der Internationalen Süddeutschen Meisterschaft in Gersthofen bei Augsburg im Oktober von Chiara Nielsen überzeugt.

Damit fuhr die frühere Bassumerin den Sieg in der „Fitness-Figur-Klasse“ ein und qualifizierte sich für eine der größten Amateur-Bodybuilding-Veranstaltungen der Welt, die Arnold Classics Europa 2016 in Madrid. Es wird Nielsens erster Wettbewerb im Ausland.

Die 28-Jährige ist ein Senkrechtstarter in der Bodybuilding-Szene. Erst vor drei Jahren hat sie angefangen, mittlerweile ist sie auf dem besten Weg zum Star. Mehr als 7000 Menschen folgen ihr auf Facebook. Fans seien in ihrer Gegenwart schon ohnmächtig geworden, berichtet sie.

Erfolgreich war Chiara Nielsen als Bodybuilderin von Anfang an. Schon ihr erster Wettkampf katapultierte die auf den ersten Platz. Seitdem sind nur vordere Plätze hinzugekommen. Und auch jetzt, nach dem Wechsel von der noch recht weiblichen „Bikini-Klasse“ in die kantigere „Fitness-Figur-Klasse“ läuft sie vorneweg. In einer Woche, am 28. November, tritt sie bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum an.

Man möchte sie als Naturtalent bezeichnen. Dabei ist Bodybuilding mehr Natur als Talent. Breite Schultern, eine schmale Taille und starke Beine habe sie schon immer gehabt, sagt Nielsen. Da sei sie „wie von Gott geküsst“. Aber neben der Genetik gehört zum Bodybuilding mehr als eine Prise Fleiß und Disziplin. „Du quälst dich extrem selbst“, sagt Nielsen.

Sie erklärt: „Ich möchte aussehen wie eine Kriegerin.“ Das spiegele ihre Persönlichkeit wider, findet sie. „Ich hab‘ immer gekämpft.“ Das fing schon in der Schule an. „Ich hab ‘ne schlimme Schulzeit gehabt.“ Sie wurde gemobbt, bekam Drohbriefe, war in Schlägereien verwickelt. Vielleicht weil sie ein hübsches Mädchen war und, wie sie sagt, „den schönsten Jungen der Schule“ als Freund hatte. Bassum hatte sie schnell nach der Schulzeit verlassen.

Mit dem Bodybuildung angefangen hat Chiara Nielsen in Erfurt. „Ich hab‘ mir nicht gefallen“, sagt sie. Eines Tages fiel ihr eine Bodybuildung-Zeitschrift in die Hände und sie dachte: „So möchte ich aussehen.“ Dann ging sie ins Fitnessstudio. Inzwischen hat Nielsen eine Seht-her-Einstellung entwickelt. „Ich fühl‘ mich mittlerweile wohl“, sagt sie. Bodybuilding war für sie eine Rettung und ist eine Perspektive.

Wobei, so richtig zufrieden ist Chiara Nielsen mit sich nie. „Wir Bodybuilder haben alle Minderwertigkeitskomplexe.“ Sie steht gerne auf der Bühne, holt sich dort Bestätigung. „Ich brauch‘ mein Publikum“, sagt die frühere professionelle Sängerin. So sehr Bodybuilding Hochleistungssport ist, für Nielsen ist es auch Kunst. „Du bist wie ein Bildhauer, der die ganze Zeit an seinem Kunstwerk arbeitet.“ Und wenn sie auf die Bühne geht, stellt sie ihre Kunst aus. Fertig ist ihr Werk allerdings noch lange nicht – falls es das überhaupt je wird.

Im August ist Nielsen von Berlin nach Heidelberg gezogen. Aus sportlichen und beruflichen Gründen – Baden-Württemberg ist eine Bodybuilding-Hochburg –, aber auch aus privaten. Ihr Freund wohnte dort. Aber am Tag, als Nielsen in Heidelberg aufschlug, verließ er sie. Nur wenige Tage später verlor sie auch noch ihren Job.

Auch in dieser schwierigen Zeit hat ihr der Sport Halt gegeben. Inzwischen hat sich Nielsen als Fitnesstrainerin selbstständig gemacht.

Bodybuilding bedeutet viel Einsatz und viel Verzicht. Von zwölf Monaten im Jahr ist Nielsen nicht selten zehn auf Diät.

„Das geht extrem auf die Psyche“, sagt sie. Das mache sie tagsüber manchmal müde und lasse sie abends schlecht schlafen. Aber für Nielsen ist der Sport alles. Sie hat ihre Rolle gefunden.

Aber sie muss einschränken: „Ich bin froh, dass ich nicht früher angefangen hab‘.“ Wer jung startet, verpasse viel vom Leben. Chiara Nielsen hingegen hat früher ausgiebig gefeiert, alles mitgemacht, was ging. „Ich habe nichts verpasst.“

Und wie feiern Bodybuilder, wenn sie was gewinnen? – „Wir gehen essen!“

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