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Familientradition endet nach 110 Jahren: Gasthaus Lampe schließt

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Von: Marten Vorwerk

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Helga Lampe in der Küche ihres Gasthauses, in dem sie 46 Jahre lang gearbeitet hat. Am 31. Juli schließt die Inhaberin, für immer.
Helga Lampe in der Küche ihres Gasthauses, in dem sie 46 Jahre lang gearbeitet hat. Am 31. Juli schließt die Inhaberin, für immer. © marten vorwerk

Eine Familientradition endet nach 110 Jahren: Helga Lampe schließt ihr Gasthaus in Bramstedt zum 31. Juli. Vereine und treue Gäste werden die Einkehr und Feiern vermissen.

Bramstedt – Helga Lampe ist emotional berührt. „Ich gehe mit einem weinenden Auge“, gibt sie zu. Ende Juli schließt sie das Gasthaus Lampe in Bramstedt. 110 Jahre lang war die Gaststätte ein Familienbetrieb. Warum die Inhaberin nun aufhört, was sie alles erlebt hat und was ab August mit dem Gasthaus passiert, erzählt sie im Gespräch mit der Kreiszeitung.

„Seit 1976 bin ich jetzt hier – mit Leib und Seele. Mit meinem Mann habe ich das Gasthaus übernommen, als seine Eltern starben“, sagt Helga Lampe. Ihre Schwiegergroßeltern haben das Lokal 1912 auf die Beine gestellt.

Laufkundschaft gibt es nicht mehr

Die Corona-Pandemie war in den vergangenen beiden Jahren verantwortlich für jede Menge fehlende Einnahmen und der Hauptgrund für die Schließung. „Die Leute sind nicht mehr hergekommen. Man durfte ja aufgrund der Corona-Auflagen lange fast nichts machen. Viele Feste wurden abgesagt. Die Laufkundschaften von früher gibt es nicht mehr“, bemängelt die 69-Jährige, die ursprünglich schon Ende des Jahres 2021 schließen wollte. „Ich habe mich dann nochmal überreden lassen, von Mitgliedern einiger Vereine in Bramstedt. Aber jetzt ist Schluss. Ich merke auch, dass ich älter werde“, sagt sie.

Ich habe mich dann nochmal überreden lassen, von Vereinsmitgliedern. Aber jetzt ist Schluss. Ich merke auch, dass ich älter werde.

Gastwirtin Helga Lampe

46 Jahre stand Helga Lampe in der Küche und hinter der Theke. Seit dem Tod ihres Ehemannes Bernd vor sieben Jahren allein. „Er hatte eine Hirnblutung, ganz plötzlich. Das kam aus dem Nichts. Seitdem war ich auf mich allein gestellt“, erzählt sie. Stundenweise hilft die befreundete 85-jährige Nachbarin Wilma Hadeler mit. „Da bin ich sehr froh drüber. Da muss ich nur anrufen, wenn kurzfristig etwas ansteht, und sie kommt rüber“, sagt die Inhaberin des Gasthauses.

Beliebte Location für Hochzeiten und Co.

Einen Regelbetrieb, wie im Restaurant, hatte sie in der Gaststätte nie. Lampe lebte von Festen und Feiern, vor allem von den Aktivitäten der Schützenvereine, der Feuerwehr und Sportklubs. Aber auch Hochzeiten, Konfirmationen oder Verlobungen wurden in ihrem Gasthaus gefeiert. „Die Jugend des Bramstedter Fußballvereins kommt häufig vorbei und isst Currywurst und Schnitzel. Zurzeit ist das Spargelessen sehr beliebt. Alles läuft auf Vorbestellung“, so Lampe.

Ihr ist anzumerken, dass ihr die Schließung des Gasthauses schwerfällt. „Viele Leute aus Bramstedt von den ganzen Vereinen kommen auf mich zu und wollen mich zum Weitermachen überreden. Das freut mich schon, auch wie alle immer mitgeholfen haben, beim Aufbauen für die Feiern“, schwärmt Lampe. An ihrer Entscheidung könne aber nicht mehr gerüttelt werden.

Seit 1991 gibt es einen Ruhetag

Bevor sie mit ihrem Ehemann das Gasthaus übernahm, arbeitete Helga Lampe als Köchin in einem Hotel in Bremen und in einem Krankenhaus. „Ich weiß noch, wie die Anfangszeit im Gasthaus war. Ich hatte fast gar keine Freizeit. Jeden Tag haben wir gearbeitet. Es gab keinen Ruhetag“, erinnert sich die 69-Jährige. Am Wochenende hätte sie im Hotel zwar auch selten freigehabt, aber dafür in der Woche. 1991 habe sie zum ersten Mal einen Ruhetag im Gasthaus eingeführt.

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Gern erinnert sich Helga Lampe an frühere Feiern zurück. „Damals wurde noch von den Schützen aus dem Saal auf Scheiben am Schuppen nebenan herausgeschossen. Das kannst du heute nicht mehr machen.“ Bis zu 90 Personen finden in ihrem großen Saal Platz, hinzu kommt der Kneipenraum und die Theke mit dem 110 Jahre alten Zapfhahn. „Der war von Anfang an hier und geht nun mit mir“, erzählt sie wehmütig und ergänzt mit einem Lächeln: „Hier an der Theke saßen die treuesten Gäste, manchmal musste ich auch welche nach Hause fahren.“

Zukunft der Gaststätte noch ungewiss

Wie es nun mit dem Gasthaus weitergeht, weiß Helga Lampe noch nicht. Das gesamte Grundstück gehört ihr. „Vielleicht wird es abgerissen. Dass es nochmal als Gaststätte genutzt wird, ist fast ausgeschlossen. Dafür müsste so viel neu gemacht werden. Das wäre sehr teuer“, erklärt sie.

Was Helga Lampe nach der Schließung in Zukunft vorhat? „Ich weiß es überhaupt noch nicht.“ Anfang August sei erst einmal ein Urlaub geplant. Mit ihrer Tochter will sie 14 Tage nach Berchtesgaden in Bayern. „Da war ich schon ganz oft. Ich liebe es, dort zu wandern“, schwärmt Helga Lampe, die bei vielen Bramstedtern sicher nicht nur ein, sondern mehrere weinende Augen hinterlassen wird.

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