Ein ganz seltener Schatz

Restauratoren bereiten Sanierung der Bassumer Abtei vor

+
Christina Lippert zeigt original Türbeschläge aus der Barockzeit.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Was der Weihnachtsmann für Kinder ist, muss die Bassumer Abtei für Restauratoren sein. In dem riesigen Gebäude gibt es ganz viele Überraschungen – nicht jede ist gleich gut zu gebrauchen, aber die meisten bereiten eine große Freude. Seit knapp vier Jahren arbeiten die Restauratoren der Klosterkammer Hannover akribisch an einer Bestandsaufnahme, um die geplante Sanierung vorzubereiten.

Sie fotografieren Wände, tasten den Untergrund ab, kratzen behutsam an Farbschichten und dokumentieren jeden Fund – Raum für Raum. Noch haben sie die „Bauteilöffnung“ wie es im Fachjargon heißt, nicht abgeschlossen. Einige wenige Räume fehlen noch, unter anderem Isabell von Kamekes ehemaliges Büro. Es kann also durchaus sein, dass sich noch eine Überraschungt auftut – „hoffentlich kein kleines Hausschwämmchen“, so von Kameke.

Sämtliche Leitungen werden erneuert

Möglich wär’s. Aber alle hoffen, dass ein Fund nicht den Zeitplan über den Haufen wirft. Denn alle – Äbtissin, Vertreter der Klosterkammer und beteiligte Handwerker – stehen in den Startlöchern, um mit den Arbeiten zu beginnen. Am 5. Dezember gibt es eine erste Bauauftaktveranstaltung.

„Wir haben nur Firmen beauftragt, die wir für kompetent halten“, erklärt von Kameke in einem Pressegespräch. Nicht jeder Betrieb habe Erfahrung mit denkmalgeschützen Gebäuden. „Da gibt es einiges zu beachten.“ Das fange beim Dämmstoff an, so Bauleiter Henrik Boldt. Aus einer Fensterlücke hat er beispielsweise Glaswolle gezogen – „sowas hat in einem historischen Gebäude nichts zu suchen“.

Wie bereits berichtet, lässt Äbtissin Isabell von Kameke sämtliche Leitungen erneuern (Heizung, Elektrik und Sanitär). Außerdem werden die Fußböden ertüchtigt und zusätzliche Dämmung (Stoff aus Lehm und Kork) installiert.

Bei Voruntersuchungen hat Bauleiter Henrik Boldt Glaswolle entdeckt. Der neue Dämmstoff besteht aus Lehm und Kork

Die Baukosten werden auf 1,2 Millionen Euro geschätzt. Zuschüsse gibt es unter anderem aus dem EU-Fördertopf ZILE vom LGLN Sulingen (120. 000 Euro). Die Stadt Bassum steuert 48 .000 Euro bei, der Landschaftsverband Weser-Hunte 30 .000 Euro, 20. 000 Euro gibt es von der Bingo-Stiftung, 25. 000 Euro von der Sparkassenstiftung. Die Klosterkammer gibt 80. 000 Euro – und ihr gesamtes Know-how. „Und das ist mit Geld gar nicht zu bezahlen“, lobt von Kameke.

Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas bestätigt: „Als Denkmalschutzbehörde leisten wir hier sozusagen Amtshilfe. Der große Vorteil: Wir haben das gesamte Know-how bei uns im Haus.“ Wobei auch der Präsident einräumt: „Wir laufen auf Hochtouren, um den Zeitplan einzuhalten.“ Selten erlebe er es, dass sowohl die Restauratoren, als auch der Bauleiter und die Dezernentin der Bau- und Kunstpflege der Klosterkammer, Christina Lippert, zeitgleich auf einer Baustelle arbeiten. Hintergrund ist: Die Arbeiten müssen bis Mitte 2019 abgerechnet sein. Sonst ist die ZILE-Förderung weg.

Die Abtei wird in einem Rutsch saniert. Von Kameke, die derzeit woanders wohnt, weil die Abtei komplett leergeräumt werden musste, hofft, 2019 wieder einziehen zu können. Insgesamt entstehen drei Wohnungen und eine kleine Gästewohnung für Besucher des Stifts. Eine Wohnung soll vermietet werden. Die andere möchte sie für eine Dechantin frei halten.

Der Kapitelsaal bleibt von den Arbeiten unberührt. Neben dem Museumsraum im Erdgeschoss bekommt das Stift einen zusätzlichen Vortragsraum für 30 Personen. Auch das Archiv wird erweitert.

Alle Arbeiten werden von Projektleiterin Christina Lippert und Bauleiter Boldt mit Argusaugen beobachtet. Für Lippert ist die Abtei „ein ganz besonderer Schatz“. Das Gebäude sei eines der wertvollsten in Niedersachsen. Es stammt aus der Barockzeit, wurde zwischen 1754 und 1757 errichtet. „Und es ist in seiner Struktur noch erhalten geblieben. Das gibt es ganz selten“ so Lippert.

Ursprüngliche Gebäudestruktur kaum verändert

Es gab zwar Umbauphasen: die erste 1839, die zweite 1871. Aber die ursprüngliche Gebäudestruktur sei kaum verändert worden. Deshalb bereite den Restauratoren die Arbeit so viel Freude – sie entdecken viele Originale. Unter anderem Türbeschläge aus der Barockzeit. Oder Grisaille-Malereien. „Die müssen unbedingt erhalten bleiben.“ Selbst im Flur hätten sie historische Schablonen-Wandfassungen entdeckt. Allzugern hätten sie diese zumindest in einem Teilbereich für Besucher wieder rekonstruiert.

Die finanzielle Situation lasse derzeit nur die Pflicht, nicht die Kür zu, bedauert Lippert. Deshalb werden ihre Kollegen die Wandfassungen sichern und so bearbeiten, dass sie jederzeit wieder freigelegt werden können.

„Wir können leider nicht alle Wünsche erfüllen“, so von Kameke. So hätte sie sich in einigen Räumen durchaus einen wertigeren Boden gewünscht – „breite Dielen, so wie in der Barockzeit üblich“. Nun werden die Dielen etwas schmaler. Boldt betont allerdings: „Es werden keineswegs Bretter aus dem Baumarkt verarbeitet.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Kampf gegen die Buschfeuer in Kalifornien geht weiter

Kampf gegen die Buschfeuer in Kalifornien geht weiter

Wetter bleibt ungemütlich

Wetter bleibt ungemütlich

Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall

Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall

Neue Autos 2018: Vor allem Geländewagen kommen

Neue Autos 2018: Vor allem Geländewagen kommen

Meistgelesene Artikel

Dörte Knake röstet Kaffeespezialitäten aus 14 Ländern

Dörte Knake röstet Kaffeespezialitäten aus 14 Ländern

Reise durch die Hüder Ortsgeschichte

Reise durch die Hüder Ortsgeschichte

Einbruchserie: Weitere Sicherung der Grundschule Kirchdorf notwendig

Einbruchserie: Weitere Sicherung der Grundschule Kirchdorf notwendig

Arbeiten am letzten Teilstück beginnen

Arbeiten am letzten Teilstück beginnen

Kommentare