Ganz in Schwarz, unverbraucht und brillant

Inga-Rumpf-Trio zeigt sich in der Stiftskirche von seiner besten Seite

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In ihrem 50. Jahr auf den Bühnen der Welt ist Inga Rumpf zu Gast in Bassum – und zeigt den Zuhörern, wie kraftvoll und vielschichtig ihre Stimme ist.

Bassum - Von Ulf Kaack. Gelungener hätte der Jahresauftakt für die Macher des Kulturforums nicht sein können. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Stiftskirche bei der Neujahrsgala am Sonntag, bei der das Inga-Rumpf-Trio einen Auftritt voller Brillanz und Energie hinlegte. Das Publikum tobte. Diese Performance zu toppen, dürfte Gudrun Lösche, Berthold Kollschen und Claus Ulbrich alles andere als leicht fallen – die Messlatte dafür haben sie selbst nun allzu hoch gelegt.

Mit dem Kommando „Leinen los“ brachte die Hamburgerin das Konzert in Fahrt, und der erste Titel „My Life is a Boogie“ – einsam von der großen Dame ihres Fachs am Piano vorgetragen – erwies sich als wegweisend für das, was in den nächsten zwei Stunden auf das Publikum niederging: ein kräftiges Gewitter von Songs, die das gesamte Spektrum von Blues bis Rock’n’Roll, von Jazz bis Soul, von Shuffle bis Boogie Woogie und Swing abbildete. Druckvoll und intensiv.

Zuvor hatte Inga Rumpf ein sehr persönliches Repertoire angekündigt: „Songs of Love and Peace, über das Reifen und Älterwerden…“ Und so griff sie in der Folge in weiten Teilen auf eigene Kompositionen zurück, grub dabei mitunter ganz tief in der Werkzeugkiste ihres Schaffens.

Voller Motivation und Spielfreude

Ganz in Schwarz gekleidet und mit einem kleinen Herrenhut auf dem Haupt, wirkte die 71-Jährige kraftstrotzend wie eh und je. Ein überaus freundliches Wesen, agil und souverän im Auftritt. Unverbraucht, voller Motivation und voller Spielfreude auch im 50. Jahr ihrer Bühnenpräsenz – so der Eindruck. Ganz klar eine Überzeugungstäterin in eigener Sache.

Überwiegend flott ging es durchs Programm mit Songs wie „Springtime Shuffle“, „No Cross, no Crown“ oder „Spooky Yesterday“. Mit „Nothing greater“ und „Handful of Gold“ schlug sie sanfte Töne an, zwei Balladen von tiefer emotionaler Durchdringungskraft. Und mit „Cakewalk into Town“ gab es einen Song aus dem Fundus des legendären Bluesers Taj Mahal, den die Sängerin in New Orleans persönlich kennenlernte.

Ein wahres Stimmwunder

Die Stimme – so titelte treffend die Performance. Eine Bezeichnung, die in dieser mächtigen Reduzierung nicht besser hätte gewählt werden können. Den Gesang von Inga Rumpf, der einstiegen Frontfrau von The City Preachers, Frumpy und Atlantis, indes in Worten zu beschreiben, darf nicht in abgegriffenen Plattitüden wie Rock- oder Blues-Röhre münden. Irgendwo angesiedelt zwischen Aretha Franklin, Tina Turner und Marianne Faithfull, klingt es tiefschwarz aus ihr heraus. Sie beherrscht die kraftvollen und vielfarbigen Töne ebenso wie die fein akzentuierten Nuancen der Sangeskunst. Singt sie aus dem Bauch, oder singt sie aus ihrer Seele? Beides mag wohl zutreffen.

Passender Rahmen für Konzert der Spitzenklasse

Ihre beiden Sidemänner – Joe Dinkelbach am Piano und der Bassist Thomas Biller – agierten eher unauffällig am Rande, dafür umso brillanter an ihren Instrumenten. Immer wieder blitzte ihre Virtuosität bei kurzen und längeren Solopassagen auf.

Einmal mehr bot die Bassumer Stiftskirche den passenden Rahmen für ein Konzert der Spitzenklasse. Passenderweise hatten nicht wenige der kredenzten Songs einen religiösen Inhalt. Bewusst und gekonnt kokettierte Inga Rumpf mit traditioneller Gospelmusik. Und das gerade zwangsläufig, gelang es ihr doch, den American Spirit des frühen 20. Jahrhunderts in ihrer mutigen Gratwanderung zwischen Black and White einzufangen.

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