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Abgefahren: Kunst mit der Spraydose

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Von: Anke Seidel

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Für jede Farbnuance braucht der Künstler eine Spraydose.
Für jede Farbnuance braucht der Künstler eine Spraydose. © Anke Seidel

Ganz schön abgefahren, was da zurzeit nahe des Bahnhofs in Bassum entsteht: Vier große Wandbilder mit typischen Szenen aus dem Bahnverkehr sind auf der Rückseite der Halle der Interessengemeinschaft Bassumer Modellbahn (IBM) schon mehr als zur Hälfte fertiggestellt. Der kreative Künstler und Mediengestalter Pascal Sturm (24) aus Albringhausen erschafft sie mit einer ganz besonderen Technik – mit Spraydosen.

Daumen hoch von Lok-Führern

Daumen hoch – das gibt es sogar von vorbeifahrenden Lok-Führern, haben Pascal Sturm und Jens Diedrich von der IBM festgestellt. Denn aus dem Zug, also von der Gleisseite her, ist das Kunstwerk auf der Rückseite der Modell-Halle besonders gut zu bewundern. Eindruckvoll spiegeln die Motive die Arbeit der Bassumer Modellbahnfreunde. Ihre Halle ist keine öffentliche Anlage und deshalb für Außenstehende nicht zugänglich. Ihnen vermittelt aber das facettenreiche Werk von Pascal Sturm einen Eindruck von der Faszination Bahn.

Die Kunst der Verwandlung

Denn er arbeitet nach Fotos von der Anlage der Modellbahnfreunde. Sie haben mit Spraydosen und Graffiti in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. Ein Unbekannter besprühte die Wand mit schwarzer Farbe und verursachte einen Schaden statt eine Verschönerung. Ganz bewusst beauftragten die Modellbahnfreunde deshalb Pascal Sturm mit einer professionellen, bereichernden Arbeit. Er hat mit gesprühten Wandbildern fundierte Erfahrung, weil er speziell in dieser Technik ausgebildet ist. Sein Handwerk hat der junge Künstler im Potsdamer Unternehmen Art-Efx gelernt, das die Kunst der Verwandlung trister Fassaden in Wandbilder mit Wow-Effekt kultiviert. Dort hat sich Pascal Sturm zum Mediengestalter ausbilden lassen. Mittlerweile hat er die verschiedensten Projekte realisiert und sich selbstständig gemacht. Seine kreative Arbeit ist gefragt, weil die Spraytechnik sogar ein schlichtes Firmenlogo in einen ausdrucksstarken Blickfang verwandeln kann. Rund 65 Quadratmeter groß ist die Fläche, die Pascal Sturm in vier Abschnitten nach den Wünschen der Modellbahnfreunde mit viel Liebe zum Detail neu gestaltet. Auch ein gesprühter Backstein-Rahmen gehört dazu.

Mit Schutzbrille und Maske

Per Beamer hat der Künstler die Motive zunächst auf die Fläche gebracht, die Konturen nachgezeichnet und dann die Farbgestaltung umgesetzt. „Erst grob, dann immer feiner“, erläutert der 24-Jährige, der mit Schutzbrille und Maske am Werk ist – vor sich ein Riesen-Arsenal von Spraydosen. Denn für jede noch so kleine Nuance braucht er eine andere Farbe: „Ich kann sie ja nicht wie beim Malen mit dem Pinsel mischen“, lacht er. Beim vierten Motiv werden es wohl nicht ganz so viele Dosen sein, weil es den Bassumer Bahnhof 1985 zeigt und die historische Ansicht ganz bewusst im Schwarz-Weiß-Stil gehalten ist. Sein Können hat Pascal Sturm im öffentlichen Raum mehrfach bewiesen – wie am Wohnmobilstellplatz in Bruchhausen-Vilsen. Wer ihn beim „Malen“ erlebt, spürt sofort: Ihm macht seine Arbeit große Freude. Am Modellbahn-Projekt arbeitet er schon seit mehr als vier Wochen. Gut Ding will eben Weile haben. Das hat Pascal Sturm ganz tief verinnerlicht, weil er weiß: „Das hält locker mal 20 Jahre!“

Von Anke Seidel

Nach Motiven der Modellbahn „malt“ Pascal Sturm seine farbenfrohen Wandbilder, sehr zur Freude von Jens Diedrich.
Nach Motiven der Modellbahn „malt“ Pascal Sturm seine farbenfrohen Wandbilder, sehr zur Freude von Jens Diedrich. © Anke Seidel
Auch eine historische Szene im Schwarz-Weiß-Stil  entsteht.
Auch eine historische Szene im Schwarz-Weiß-Stil entsteht. © Anke Seidel

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