Fünftes Straßentheaterfestival in Bassum / Besucher trotzen Regen und Hagel

Aufhören ist nicht und Jens-Jens rettet die Show

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Zauberer mit Humor: Detlef Winterberg.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Hagel im Mai ist der April vorbei.“ Weniger eine afrikanische Bauernweisheit als vielmehr der Versuch, das Wetter mit Humor zu nehmen. Die Gruppe Adesa aus Ghana jedenfalls lässt sich von schlechtem Wetter nicht beeindrucken. Ihr erster Auftritt am Sonnabend beim fünften Straßentheaterfestival Piazzetta in Bassum musste kurz unterbrochen werden. Aber Aufhören ist nicht. Und die norddeutschen Piazzetta-Fans lassen sich von einem Regenguss doch nicht die gute Laune verderben.

Mittlerweile haben sie schließlich Übung. Es ist die fünfte Piazzetta. „Und bisher war es doch immer so, am Sonnabend hat es jedes Mal geregnet. Sonntags schien die Sonne“, fachsimpeln die Besucher während sie sich unterstellen. Man rückt zusammen und kommt ins Gespräch.

Zum Glück sind die Regenpausen kurz. Alle Künstler können auftreten. Einzig Detlef Winterberg muss am Samstag mittendrin abbrechen. „Der Arme. Jetzt kann er seinen Hut nicht herum gehen lassen. Geht er etwa leer aus?“, sorgen sich die Zuschauer.

Die Fans des Straßentheaters sind auf alle Wetterkapriolen vorbereitet. Sie haben Regenschirme dabei und Regenjacken, Sonnenbrillen und viele auch eine Sitzgelegenheit, unter anderem einen alten Eimer. „Hey, cool idea“, findet der Komiker Jeff Hess.

Der „Meister der Grimassen“ überrascht sein Publikum mit einer Neuerung. Jeder Zuschauer muss damit rechnen, plötzlich in das Spiel miteinbezogen zu werden. Aber dass einem die Bühne für mehrere Minuten komplett überlassen wird, weil Jeff (angeblich?) etwas vergessen hat, ist neu. Jens-Jens, von Jeff so getauft, macht seine Sache wunderbar.

Auch das Verstecken in der letzten Reihe hilft nicht, wie die starken Männer feststellen müssen, die „Mistral“ aus Chile auf die Bühne holt. Sie müssen nicht nur den chinesischen Mast halten, auf dem er seine Kapriolen schlägt, sondern dabei auch Energie, Balance, Eleganz und Akrobatik zeigen. Es scheint, Gelenkigkeit ist nicht gerade die Stärke der norddeutschen Männer. Die Umstehenden lachen herzhaft, aber mit und nicht über die „Freiwilligen“.

Piazzetta in Bassum - Tag 2

Piazzetta in Bassum - Tag 1

Was Rhythmusgefühl und Beweglichkeit wirklich bedeuten, beweisen die Kenianer der Gruppe Asante. Als Ersatz kurzfristig eingesprungen, erobern sie die Herzen der Zuschauer im Sturm mit ihrer temperamentvollen Power-Akrobatik. Zu afrikanischer Musik legen sie eine Artistik-Nummer nach der anderen auf die Bühne, sodass einem schon fast schwindlig wird. „Wow“, „Wahnsinn“, „Boah“, ist aus dem Publikum zu hören.

Da zeigt sich das glückliche Händchen von Marcello Monaco, dem künstlerischen Leiter des Festivals. Nach der Absage zweier Künstler drei Tage vor der Piazzetta, engagierte er nicht irgendeinen Ersatz, sondern einen Act, der ins Konzept passt. Die Mischung macht‘s eben. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Humor, Slapstick, Magie mit Poesie, Musik, Artistik und kraftvolle Akrobatik. Der eine lacht mehr über Disguido, der in einen riesigen roten Ballon schlüpft, der andere über den feinsinnigen Wortwitz von Gille und über die wundervolle Caroline Schroeck und ihren Versuch, ein neues Sportgerät in luftiger Höhe zu präsentieren. Am Ende des Tages wird garantiert jeder Besucher gesagt haben: „Toll“. Bassum kann Piazzetta.

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