Karsten Karweit und Knut Kelp arbeiten als Erzieher

„Beste Entscheidung meines Lebens“

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Karsten Karweit beim Frühstück in der Gruppe.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Meine Mutter war sicher, dass die Kinder Angst vor mir haben werden. Du bist groß, dunkelhaarig und hast einen Bart, sagte sie.“

Knut Kelp schmunzelt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kinder mögen ihn und suchen seine Nähe. „Es war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Seit fünf Jahren arbeitet der 37-Jährige als Erzieher im Kindergarten Kinder-Reich in Bassum. Er gehört zu den Exoten. Noch sind Männer Mangelware in Kindergärten. Damit das anders wird, legte das Bundesfamilienministerium das Programm „Männer in Kitas“ auf: 16 Träger von Kindertagesstätten in 13 Bundesländern hatten zwischen 2011 und 2013 Konzepte und Strategien erprobt, um mehr männliche Fachkräfte zu gewinnen. Im Landkreis zeigte die bundesweite Werbekampagne nur mäßigen Erfolg: Die Männer-Quote erhöhte sich lediglich von 3,9 (2011) auf 4,0 Prozent (2014).

Der Kindergarten Kinder-Reich bildet da eine Ausnahme. Denn neben Knut Kelp arbeitet auch Karsten Karweit als Erzieher in der Einrichtung. „Um diese Quote beneiden uns viele Kolleginnen“, weiß Iris Nielsen, stellvertretende Leiterin.

Knut Kelp als Schaukelhilfe.

Die beiden Männer seien ein Glücksgriff. Nicht nur die Kinder können viel von ihnen lernen. Auch im Kollegenkreis würde die Meinung der Kollegen geschätzt. Männer und Frauen hätten oft unterschiedliche Sichtweisen auf bestimmte Dinge. Davon profitieren alle. „Und Männer sprechen Probleme offener an“, ist Nielsen überzeugt. Sie selbst habe sich trotz ihrer vielen Berufsjahre auch so manches von Knut abgeguckt. Unter anderem, „auch mal eine klare Ansage zu machen“, sagt Nielsen. Die Kinder würden ebenfalls die Nähe zu den Erziehern suchen, „vor allem die Jungs“, berichtet Nielsen. Sie möchte nicht die typischen Klischees bedienen: „Ich bin nicht die Vorlesetante und Knut nicht der Tobeonkel. Aber häufig fehlt in den Familien der männliche Part. Es gibt immer mehr alleinerziehende Frauen. Da freuen sich Kinder über männliche Vorbilder im Kindergarten.“

Für beide Männer ist es ihr Traumjob. Sie haben bewusst auf Geld und gesellschaftliche Anerkennung verzichtet. „Der Job wird leider vielfach unterschätzt“, antwortet Kelp auf die Frage, warum sich so wenig Männer für den Beruf entscheiden. „Und die Bezahlung spielt eine Rolle“, fügt Karsten Karweit hinzu. Als Erzieher sei es schwer, eine Familie zu ernähren – wenn man denn überhaupt eine Vollzeitstelle findet.

Dennoch hat er sich bewusst für die Arbeit im Kindergarten entschieden. „Es ist einfach ein toller Beruf. Ich gehe jeden Morgen gern zur Arbeit“, sagt Karweit. Er und auch Kelp haben ursprünglich etwas anderes gelernt, sind über den zweiten Bildungsweg in den Kindergarten gekommen. Der 33-jährige Karsten war Fachlagerist. „Das war mir zu langweilig. Deshalb habe ich vor zehn Jahren beschlossen, etwas anderes zu machen.“

Er wollte mit Menschen zusammen sein. Also machte er eine Ausbildung zum Sozialassistenten in Brandenburg. Dort arbeitete er mit Senioren, Jugendlichen und Kindern. „Die Arbeit mit den Jüngeren hat mir am meisten Freude bereitet. Außerdem kannte ich das schon von zu Hause. Ich habe meine kleine Schwester und die Kinder meiner großen Schwester mit groß gezogen.“ Nach der Ausbildung zum Sozialassistenten folgte die Ausbildung zum Erzieher. Karweit wollte zurück in seine Heimat und begann, in Bremen für eine Zeitarbeitsfirma zu arbeiten. So kam er als Vertretung in den Kindergarten Bassum. Als dort eine Stelle frei wurde, „haben wir explizit nach Karsten gefragt, weil wir mit ihm sehr zufrieden waren“, erzählt Nielsen.

Knut Kelp war Banker – „und kreuzunglücklich“, wie er sagt. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Germanistik und entschied sich dann, Erzieher zu werden. Sein Praktikum absolvierte er im Kinder-Reich. Er überzeugte und durfte bleiben. Morgens betreut er die Kleinen, am Nachmittag leitet er den Hort der Grundschule Mittelstraße. Er könne sich keinen anderen Job vorstellen. „Man bekommt viel zurück. Vor allem die Wertschätzung der Kinder.“ Ab und zu besuchen ihn Ehemalige im Hort. Ein Zeichen für ihn, alles richtig zu machen.

Seine Größe und sein Aussehen helfen, sich Respekt zu verschaffen – gerade bei den größeren Rabauken im Hort. „Mit Stimme und Mimik kann man eine ganze Menge machen“, sagt Kelp. Angst müsse allerdings keiner vor ihm haben.

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