Tod und Friedhof ins Leben integrieren

Trauercafé in Bassum an neuem Ort zur anderen Zeit

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Marion Urbanski (v.l.), Daniela Denker, Rena Meyer und Ursel Born vom Hospizdienst freuen sich über neue Angebote.

Bassum - Es gibt ein paar Regeln, die verbindlich sind: Alles bleibt im Raum, keiner muss, aber jeder kann reden, alle trauern auf ihre eigene Art. Die ist nicht zu bewerten oder zu vergleichen. Daran sollten sich die Teilnehmer des Trauercafés in Bassum halten. Willkommen ist jeder, der einen geliebten Menschen verloren hat.

„Wir sind umgezogen, und auch der Termin ist neu“, berichtet Rena Meyer vom Hospizdienst. Von nun an laden die Verantwortlichen für jeden letzten Sonntag im Monat ein. Das nächste Treffen beginnt am Sonntag, 29. Juli, um 15 Uhr im neuen Gemeindehaus in Bassum, Am Kirchhof 4. Zuletzt trafen sich die Teilnehmer und Begleiter immer am ersten Sonntag im Monat im Seniorenberatungszentrum. Doch der Raum bietet ihnen nicht genügend Intimität, deshalb sind alle Beteiligten froh über die Veränderung.

In manchen Augenblicken kehren Teilnehmer ihr Innerstes nach Außen. „Das ist unangebracht, wenn dann jemand vor dem Fenster steht, reinguckt und gemütlich ein Eis isst“, meint Meyer und deutet auf die Schaufensterfront.

Sie ist eine von vier zertifizierten Trauerbegleiterinnen. Gemeinsam hat das Team vor rund zwei Jahren das Café in Bassum gestartet. Es gehe darum, den Betroffenen Kraft zu geben, eine Schulter zu bieten, sie zu Wort kommen zu lassen, geduldig zu sein, erklärt Ursel Born. Dabei sei es besonders wichtig, sich von den eigenen Vorstellungen freizumachen, wie Menschen zu trauern haben. Es gebe Fälle, in denen es Monate dauere, bis jemand einen Verlust realisiere. Viele trauern ein paar Monate, andere jahrelang. So manch einem helfen ein Pils an der Bar und Stille, andere suchen das Gespräch mit Gleichgesinnten. Das ist auch das Prinzip des Cafés. „Dort findet man Personen, die einen verstehen“, ist sich auch Daniela Denker sicher. Das sei wichtig, denn Sätze wie „Wird schon wieder“ seien für Trauernde wie ein Schlag ins Gesicht und zeugten von Verständnislosigkeit des Gegenübers.

Mitunter gehe es bei den Treffen sogar fröhlich zu, so Denker, denn Trauern sei nicht immer mit Tränen verbunden. Sie ist vielseitig. Deswegen legen die vier Frauen, von denen bei einem Treffen immer zwei mit dabei sind, großen Wert darauf, flexibel reagieren zu können. Sie geben Denkanstöße und bringen Themen mit – Gespräche können sich aber auch spontan entwickeln. „Und es kann auch geschwiegen werden“, sagt Meyer.

Klönschnack auf dem Friedhof

Wo nicht geschwiegen werden sollte, ist beim neuen Friedhofsklönschnack. Im Rahmen dieses Angebots plant das Team, mit Bollerwagen, Kaffee und Wasser an der Kapelle zu stehen und lockere Gespräche, auf Wunsch mit Bezug zu Trauer und Hospizarbeit, zu führen. „Der Friedhof ist ein Ort, der zum Leben dazu gehört“, sagt Marion Urbanski. Außerdem sei dieser nach wie vor als Ort der Stille bekannt, wo Lachen verboten sei. Dagegen wollen die vier vorgehen, so Urbanski. Termine für den Schnack gibt es nicht. Die Frauen wollen spontan losziehen.  

sil

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