Geschädigter: „Nehmen Fall nicht ernst“

Freigabe von Fahndungsfotos nach Trickbetrug dauert

Bassum - Von Frauke Albrecht. Vor vier Monaten räumten zwei Trickbetrüger einem 70 Jahre alten Bassumer das Konto leer. Die Täter quatschten dem Hilfebedürftigen die EC-Karte mitsamt Pin ab. Sie suchten mehrere Geldautomaten auf. Davon gibt es Fotos. Doch bisher hat noch keine der Abbildungen den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Helmut Wesselkamp, ein guter Bekannter des Geschädigten, versteht die Welt nicht mehr. „Warum dauert das so lange?“

Diese Frage stellte er wiederholt der Polizei. Die zuständige Sachbearbeiterin vertröstete ihn. Zuerst müssten die Beamten prüfen, ob sich die Fotos überhaupt zur Veröffentlichung eignen. Außerdem müsse die Staatsanwaltschaft klären, ob die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten durch die Veröffentlichung verletzt werden. Das sei Aufgabe der Staatsanwaltschaft.

Trickbetrüger räumten im Januar Konto leer

Dort liegt der Fall immer noch. Zumindest gehen die Pressesprecher der Polizei, Sandra Franke und Thomas Gissing, davon aus. „Wir haben den Fall Ende März nach Verden geschickt“, so Franke auf Anfrage dieser Zeitung.

Lutz Gaebel, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Verden, kann den Eingang derzeit allerdings nicht bestätigen: „Die Akten lagern außer Haus. Der zuständige Bearbeiter ist nicht da. Fragen Sie in zwei Wochen nochmal nach.“ Auf die Frage, ob es immer so lange dauert, bis Fotos zur Veröffentlichung kommen, sagt er: „Das ist von Fall zu Fall ganz individuell.“

Wesselkamp hat die Fotos bereits bei der Polizei Syke gesehen, zusammen mit dem Geschädigten: „Ich fand, sie waren zeigenswert.“ Nun seien vier Monate verstrichen. „Die Täter sehen mittlerweile doch ganz anders aus. Ich habe das Gefühl, die nehmen den Fall nicht ernst genug.“

Täter stellten sich als neue Nachbarin und Mitarbeiter der Wasserwerke vor

Die Polizei hatte damals einen Zeugenaufruf gestartet. Einzige Hinweise: Die beiden Täter sollen beide um die 50 Jahre alt sein, dunkle Haare und ein gepflegtes Äußeres haben. Wesselkamp: „Da hätten die Fotos mehr Aussagekraft gehabt.“

Laut Polizeibericht von damals bekam der Bassumer am 20. Januar Besuch von einer Frau, die sich als neue Nachbarin vorstellte. Sie sei höflich und sehr zuvorkommend gewesen. Der Mann ließ sie in seine Wohnung.

Kurz danach klingelte es erneut: Ein angeblicher Vertreter der Wasserwerke wollte die Wasseruhr ablesen. Auch ihn ließ der 70-Jährige treuherzig in die Wohnung.

Regionale Täter vermutet

Nach der Kontrolle überraschte der „Kontrolleur“ den Mann mit einer Zahlung. Der Bassumer habe weniger verbraucht und bekomme 50 Euro zurück. Der Vertreter hatte aber nur große Scheine. Der 70-Jährige konnte nicht wechseln. Die angebliche Mieterin bot an, für den Mann zur Bank zu fahren. Gemeinsam überredete das betrügerische Duo den 70-Jährigen, ihnen die Scheckkarte mit dazugehöriger Pin-Nummer auszuhändigen. Der Betroffene gab beides heraus.

Den Betrug meldete er erst einige Tage später. Da hatten die Betrüger das Konto bereits leer geräumt – 2900 Euro. Laut Polizei hoben sie an unterschiedlichen Stellen ab, in Bremen, Brinkum und Stuhr. Die Vermutung: „Das lässt auf regionale Täter schließen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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