Stadtverwaltung möchte sich am Förderprogramm der EU beteiligen

Freies WLAN in Bassum noch die Ausnahme

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Freie WLAN-Netzwerke werden auf dem Handy-Display angezeigt – wenn welche vorhanden sind.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Freies was? Wir haben ja nicht mal Telefon.“ Diese Aussage einer Mitarbeiterin eines Bassumer Geschäftes zeigt: Kostenloses Surfen im Internet läuft in Deutschland erst langsam an – im Gegensatz zu Osteuropa, Israel, den USA, China, Frankreich oder Großbritannien sind öffentliche WLAN-Netze hierzulande keine Selbstverständlichkeit. Vor allem die Kleinstädte entpuppen sich als regelrechte WLAN-Wüsten. Gibt es in Bassums Innenstadt überhaupt freie Hotspots? Ein Blick auf das Handy-Display lässt Zweifel aufkommen.

Also folgt kurzerhand eine Umfrage in den Geschäften der Sulinger Straße. Das Ergebnis: Einzig Bäckerei Meyer bietet freies WLAN an. „Unsere Gäste fragen vereinzelt danach“, sagt eine Mitarbeiterin. Meistens handelt es sich um Geschäftsleute.

Gegenüber in der Eisdiele verrät Inhaber Franco Rizzo sein Passwort schon mal seinen Stammkunden. Aber er wirbt nicht damit. Im Cafe Royal an der Sulinger Straße herrscht offensichtlich ein Funkloch. „Wir haben keinen Computer. Und die Handyverbindung ist mehr als schlecht“, heißt es.

Die Kunden im Cafe des Modehauses Maas können in Kürze kostenfrei im Netz surfen. Im Zuge der Umbaumaßnahmen soll ein neuer Anschluss gelegt werden, der diesen Service ermöglicht. Aber auch dort heißt es: „Es wird selten nachgefragt.“

Zugang für Rathaus und Bücherei geplant

In der Seniorenberatungsstelle nebenan, in der Bücherei und im Rathaus sieht der Nutzer ebenfalls nur ein gesichertes Symbol auf dem Handy-Display. Das soll sich aber ändern, wie Bassums Erster Stadtrat Norbert Lyko mitteilt. Die EU gibt ein neues Förderprogramm heraus. Bezuschusst wird die Anschaffung der Hardware. „Lyko: „Da wollen wir uns bewerben.“ Die Förderrichtlinien würden in Kürze bekannt gegeben. „Sollten Zuschüsse möglich sein, wird die Stadt einen Antrag auf Förderung stellen.“ Kostenfreies Surfen soll in der Bücherei, im Rathaus inklusive Bürgerservice, im Bereich Wochenmarkt und auch in der Wartehalle am Bahnhof möglich sein. Dort fehlt ebenfalls ein Zugang. Direkte Anfragen von Bürgern gab es bisher keine. Lyko: „Politik und Verwaltung sind sich aber einig, dass eine Kommune einen solchen Service vorhalten sollte.“

Die Stadt bietet derzeit einzig im Jugendhaus kostenfreies Surfen an. Der Zugang war vor allem für die Flüchtlinge freigeschaltet worden, erzählt Lyko. Für viele sei das Internet die einzige Möglichkeit, mit ihren Verwandten im Ausland Kontakt zu halten. Da es in den städtischen Unterkünften nicht überall Internet gibt, richtete die Verwaltung im Jugendhaus eine Art Internet-Cafe ein. Die Computer können von jedem Bassumer genutzt werden.

Vereinzelt in Bäckereien und Gasthäusern 

Noch sind kostenlose WLAN-Hotspots in Bassum nur vereinzelt in Cafes und Gasthäusern zu finden. Seitdem der Bundestag aber eine Änderung des Telemediengesetzes beschlossen hat, gehen Experten davon aus, dass es in Zukunft mehr werden. Die umstrittene Störerhaftung ist nämlich vom Tisch.

Betreiber öffentlicher Hotspots können künftig auf mehr Rechtssicherheit setzen. Bislang befanden sich Betreiber öffentlicher WLAN-Netze wie Cafés, Restaurants oder Hotels in einer rechtlichen Grauzone. Sie konnten dafür belangt werden, wenn Hotspot-Nutzer etwa urheberrechtlich geschützte Inhalte illegal darüber heruntergeladen haben.

Anbieter müssten ihren Hotspot künftig weder verschlüsseln noch bräuchten sie eine Vorschalt-Seite, sagte kürzlich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Sie müssten auch die Identität ihrer Nutzer nicht überprüfen. Trotzdem bleibe geistiges Eigentum angemessen geschützt. Das Gesetz sieht vor, dass bei wiederholtem Missbrauch Seiten auf Forderung von Rechte-Inhabern leichter gesperrt werden können.

Das neue WLAN-Gesetz soll die Verbreitung von kostenlosen Hotspots vorantreiben. Es geht dabei nicht nur um eine schnellere Internetverbindung und das Schonen des monatlichen Datenvolumens – kostenfreies WLAN ist eine Möglichkeit der Teilhabe.

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