Kolumne: Guten Morgen!

Kein Mitleid mit dem Todesopfer

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Symbolbild

Bassum - Von Anke Seidel. Schutzsuchend kauert sich das unschuldige Opfer auf den Asphalt – doch noch bevor ihm jemand helfen kann, rollt das Unheil unaufhaltsam heran. Diese Frau am Steuer des Personenwagens muss dieses Lebewesen auf ihrer Fahrbahn doch gesehen haben? Unfassbar!

Redakteurin Anke Seidel wurde Zeuge einer Fahrerflucht.

Stoisch, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne ihr Auto auch nur ansatzweise abzubremsen, rollt sie mit ihrem Wagen über das lebende, zitternde Etwas hinweg. Mir stockt bei diesem Anblick und soviel Herzlosigkeit schier der Atem. Vom Fußweg an dieser innerstädtischen Kreuzung aus muss ich diesen Unfall mitansehen. Und halte die Unglücksfahrerin, als sie ungerührt in eine Nebenstraße abbiegen will, mit einer unmissverständlichen Geste an.

Sichtlich genervt rollt die Autofahrerin die Fensterscheibe herunter, während das kleine Opfer noch immer blutend auf der Straße liegt. Meine Aufforderung, doch bitteschön Verantwortung zu übernehmen und sich um die Folgen des Unfalls zu kümmern, quittiert diese Frau mit einem widerwilligen, völlig entrüsteten „Jaaaaaoooo, gleich.“ Dann schließt sich die Fensterscheibe, die Autofahrerin gibt Gas und ward nicht mehr gesehen.

Ist das zu fassen?! Da überrollt und verletzt diese Frau, ohne mit der Wimper zu zucken, ein Lebewesen und begeht dann auch noch Fahrerflucht.

Während ich mich noch frage, ob dieser herzlose Mensch Kinder hat und wie deren Alltag wohl aussehen mag, liegt das tödliche getroffene Unfallopfer mit blicklosen Augen noch immer auf dem Asphalt: Eine unschuldige Taube, Symbol des Friedens. Mehr Worte braucht wohl es nicht.

Zur Diskussion nach der Veröffentlichung dieses Textes

In den sozialen Netzwerken hat dieser Artikel eine hitzige Diskussion ausgelöst. Zum einen meldeten sich Tierfreunde, die das verhalten der Autofahrerin nicht verstehen. Zum anderen gab es Leser, die mit diesem Bericht nichts anfangen können und anderer Meinung sind als die Autorin.

"Guten Morgen!" So heißt eine Kolumne in der Kreiszeitung, die ganz bewusst Alltagssituationen aufgreift oder sich mit allzu menschlichen Themen befasst. Sie will Impulse geben und zum Nachdenken anregen – in diesem Fall zum Umgang mit Mitgeschöpfen.

Redakteurin Anke Seidel sagt abschließen: Vielen Dank für die vielen  Reaktionen auf die Kolumne! Es ist schön, dass sich so viele Menschen mit der Frage beschäftigt haben, wie das Geschöpf Mensch mit seinen Mitgeschöpfen umgeht oder umgehen sollte. Wie die meisten ganz richtig verstanden haben, geht es um Mitgefühl – und darum, Verantwortung zu übernehmen in dieser Welt. Im Großen wie im Kleinen. Die Taube und die Ignoranz dieser Autofahrerin sind ein Symbol dafür. Dieser Kommentar bringt es auf den Punkt: „Wenn jeder das Leben, egal welches Lebewesens, respektieren würde, dann sehe die Welt anders aus. Es gäbe dann auch keine Kriege.“ Damit ist wohl alles gesagt. 

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