Flurbereinigung in Bramstedt

Mehr als eine Neueinteilung von Besitz: Sanierung des Wegenetzes kostet die Anwohner nichts

Henry Ziemer zeigt auf den Feldweg in Bramstedt.  Anna Muckelberg vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser steht daneben und schaut auf Unterlagen.
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Alt und voller Schlaglöcher: Der Feldweg in Bramstedt. Henry Ziemer und Anna Muckelberg vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser begutachten die Straße und besprechen, welche Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der Flurbereinigung möglich wären.

In Bramstedt läuft eine Flurbereinigung. Nach heutigen Maßstäben ist es mehr als eine Neueinteilung von landwirtschaftlichem Grundbesitz.

Bramstedt – Aus Alt mach Neu. Aus Klein mach Groß. Aus Viel mach Wenig. Diese Aussagen treffen alle auf die bevorstehende Flurbereinigung in Bramstedt zu – je nachdem, unter welchem Aspekt sie beleuchtet wird. Was allerdings immer gilt: Die Grundstückseigentümer dürfen keine Nachteile dadurch haben und der Naturschutzgedanke ist zu beachten. Anwohner, die nicht direkt von der Flurbereinigung betroffen sind, bekommen nur von Teilen des Verfahrens etwas mit.

Aus Alt mach Neu

Henry Ziemer steht auf der Feldstraße in Bramstedt. Der Landwirt ist der Vorsitzende des Bramstedter Flurbereinigungsvorstandes. „Die Straße wurde seit Jahren nicht mehr als Radweg genutzt“, sagt er und zeigt auf die vielen Schlaglöcher. Der Feldweg zählt zu den Straßen, die im Rahmen der Bramstedter Flurbereinigung saniert werden sollen. Neben Henry Ziemer stehen Olaf Stührmann, Leiter des zuständigen Dezernates des Amtes für regionale Landesentwicklung (ARL) in Sulingen, und Anna Muckelberg, Leiterin der Projektgruppe für Bramstedt. „Die Wege sind alt und das ist das, worum es hier hauptsächlich geht“, erklärt Stührmann. Das Wegenetz in Bramstedt soll im Rahmen der Flurbereinigung saniert werden.

Wege mit einer Gesamtstrecke von 23 Kilometern sind derzeit in der vorläufigen Planung der Flurbereinigung einkalkuliert – mit einem großen Vorteil für die Anwohner: „Normalerweise tragen sie die Kosten für Straßenerneuerungen. In diesem Fall kostet es sie nichts“, verspricht Stührmann. Die Kosten in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro werden zu 75 Prozent von Zuschüssen der EU, des Bundes und des Landes Niedersachsen getragen. 15 Prozent entfallen auf die Stadt Bassum. Den Rest bezahlen die Grundstückseigentümer. „Die Flurbereinigung ist das einzig mögliche Verfahren, um für die wichtige Straßensanierung Zuschüsse zu bekommen“, meint Olaf Stührmann.

Aus Klein mach Groß

Eine Flurbereinigung ist per Duden-Definition „eine Zusammenlegung und Neueinteilung von zersplittertem landwirtschaftlichem Grundbesitz“. Olaf Stührmann sagt: „Das Ziel ist es, die Grundstücke der Eigentümer möglichst zusammenzulegen.“ Dadurch würden die jeweiligen landwirtschaftlichen Grundstücke insgesamt größer werden. Die Anzahl der Grundstücke würde zwar geringer werden, nicht aber der jeweilige Besitz des Eigentümers. „Wer vor der Flurbereinigung sieben Hektar besaß, besitzt danach auch noch sieben Hektar“, sagt er.

Unterm Strich sollen alle direkt und indirekt Beteiligten von der Flurbereinigung profitieren. „Sie ist für die umfassende Entwicklung einer Gemeinde da“, sagt Olaf Stührmann. Durch den Tausch von Grundbesitz sei es möglich, den Landwirten möglichst gute landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung zu stellen, ohne dabei den Naturschutz vernachlässigen zu müssen.

Als Beispiel nennt Stührmann die Pflege der Gemeindegewässer. „Wir wollen die Landwirte von den Gewässern wegholen.“ Im Gegenzug soll der Unterhaltungsverband seinen Grundbesitz an den Rand von Flüssen und Schlatts verlegen. „Der ist sowieso für die Pflege zuständig“, sagt Henry Ziemer. Und die Landwirte bekämen im besten Fall Land zugeteilt, bei dem sie keine Abstriche machen müssen. An Flüssen wäre das nicht so, „denn wer Land am Fluss hat, muss einen fünf Meter breiten Gewässerrandstreifen stehen lassen. Davon hat man dann nichts“, erklärt Ziemer.

Darüber hinaus würden sich die Naherholungsmöglichkeiten in Bramstedt verbessern. „Wir werden einige Wege sanieren und somit neue Möglichkeiten für Radtouren oder Spaziergänge bieten“, sagt Stührmann. Allerdings sollen auch Wege entfernt werden, die nicht so häufig genutzt werden. „Von sieben Wegen bleiben zum Beispiel fünf übrig“, sagt Henry Ziemer. Auf den anderen sollen dem Naturschutz dienliche Blühstreifen oder Hecken angelegt werden. „Eine Streuobstwiese ist auch im Gespräch“, sagt Stührmann.

Aus Viel mach Wenig

Ein Außenstehender bekomme von der Flurbereinigung allerdings nur in Form von Blühstreifen, Hecken oder Streuobstwiesen etwas mit. Von der Neueinteilung des Grundbesitzes würden sie nicht viel oder wahrscheinlich sogar gar nichts mitbekommen. Stührmann: „Faktisch wird ein Bramstedter von der Änderung nichts merken.“ Die Erklärung liefert Henry Ziemer: „Wir haben hier schon jetzt viele große Ackerflächen. Das heißt aber nicht, dass es für diese Fläche auch nur einen Besitzer gibt.“ In der Regel gebe es nämlich bis zu sechs Eigentümer, die ihren Grundbesitz an einen Landwirt verpachten. Durch die Flurbereinigung verändere sich zwar das Besitzverhältnis an einem bestimmten Ort, der Pächter sei aber nicht zwangsläufig betroffen. „Er bewirtschaftet dann gleiche Feld, das er von anderen und von weniger Verpächtern bekommt“, meint Henry Ziemer.

Der Großteil der Grundbesitzer in Bramstedt habe sich mittlerweile für die Flurbereinigung ausgesprochen. Anfängliche Zweifel und Ängste seien ausgeräumt worden, meint Henry Ziemer: „In unserem Vorstand sitzen jetzt auch Leute, die am Anfang strikt gegen die Flurbereinigung waren.“ Das Verfahren laufe einvernehmlich ab. Die Gespräche seien dabei stets konstruktiv. „In Bramstedt ist es diesbezüglich ruhig geworden“, fasst Olaf Stührmann zusammen.

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