Kameruner hat gut zu tun

Flüchtlingssozialarbeiter Hyan wird gebraucht

+
Hyan wird gebraucht: Diese Meinung teilen Norbert Lyko (links) und Thomas Kuchem. Sie hoffen, dass Hyacinthe Mokom Fomboh auch im kommenden Jahr die Flüchtlingssozialarbeit übernimmt. 

Bassum/Syke - Der Mann aus dem Irak ist verzweifelt. Er möchte unbedingt arbeiten und Geld verdienen. Aber er findet einfach keinen Job. „Mein Freund in Hamburg hat längst Arbeit“, klagt er Hyacinthe Mokom Fomboh sein Leid. Geduldig erklärt der Flüchtlingssozialarbeiter, dass es in einer Großstadt auch leichter ist, eine Stelle zu bekommen, als in Syke oder Bassum. Außerdem appelliert er an den Mann, erstmal seinen Deutsch-Kurs zu beenden, da die meisten Arbeitnehmer mindestens ein B1 als Abschluss sehen möchten. „Das ist wichtig, um bestimmte Begriffe verstehen zu können“, sagt Mokom Fomboh.

Die Suche nach einem Arbeitsplatz treibt viele seiner Klienten um. So ist sie auch ein Schwerpunktthema seiner Arbeit. Das bedeutet: Viel reden, erklären, richtigstellen. „Ich rate den Geflüchteten, erstmal ein Praktikum oder eine Ausbildung zu machen - auch wenn man darin nichts oder nur wenig Geld verdient.“

Außerdem muss Mokom sie darauf hinweisen, dass die Arbeit in Deutschland nicht mit der in beispielsweise Syrien zu vergleichen ist, weil hier Zertifikate gefordert werden. Mokom bleibt geduldig, hilft bei den Bewerbungen und motiviert die Menschen, nicht aufzugeben. Seine Klienten belohnen ihn mit großer Dankbarkeit. Und die sorgt dafür, dass der Flüchtlingssozialarbeiter nach acht Monaten im Dienst für Bassum und Syke, noch immer Spaß an seiner Arbeit hat. „Sie entspricht meinen Erwartungen und ich bin zufrieden“, bilanziert Mokom. „Es läuft sehr gut und wir arbeiten daran, uns jeden Tag zu verbessern.“

Entspannt sitzt der gebürtige Kameruner am Tisch und lächelt, als könne ihn nichts aus der Ruhe bringen. Dabei hat er nicht nur viel zu tun, seine Aufgaben sind auch äußerst verschieden - so wie die Menschen, die Tag für Tag seine Hilfe bei unterschiedlichen Problemen suchen. Da kann es schon mal vorkommen, dass er während einer zweistündigen Sprechstunde zwischen drei Sprachen wechseln muss. „Es kommen Menschen aus verschiedenen Ländern, mal sind es Familien, mal Alleinreisende.“

Auch Bassum und Syke seien recht verschieden. Das liege allein schon daran, dass Syke größer sei. Ein Problem in Bassum sei beispielsweise, große Wohnungen für Familien zu bekommen. Viele Vermieter hätten vermutlich Bedenken und möchten lieber Menschen, die schon in Arbeit sind. „Und sich mit dem Jobcenter abzusprechen ist ihnen vielleicht zuviel Bürokratie“, glaubt Mokom.

Ebenfalls problematisch seien die fehlenden Kita- und Kindergartenplätze. „Das ist aber nicht nur für Flüchtlingsfamilien so“, bemerkt Bassums Erster Stadtrat Norbert Lyko. „Aktuell fehlen uns 50 Plätze für das kommende Kita-Jahr.“ Mokom muss häufig den Flüchtlingen erklären, dass eine Tagesmutter eine ebenso gute Betreuung bieten kann. „Viele können mit dem Begriff erstmal nichts anfangen und möchten lieber einen Kita-Platz.“ Auch in Syke seien Wohnungssuche und fehlende Kita-Plätze ein Thema, aber nicht ganz so gravierend. „Das ist aber auch nur eine Moment-Aufnahme“, nimmt Thomas Kuchem, Sykes Erster Stadtrat, die Kollegen in Bassum in Schutz. „Das wechselt immer mal wieder, wir machen alle unsere Hausaufgaben.“

Neben diesen großen Themen bemüht sich Mokom Fomboh, den Geflüchteten die Regeln des deutschen Alltags näher zu bringen. „Dazu gehört, dass man zu seinem Arzttermin pünktlich erscheint. Und nicht einen Tag später. Viele waren deswegen bei manchen Ärzten schon auf einer Roten Liste.“ Andere schließen mehrere Handy-Verträge ab und wissen nicht, wie sie richtig kündigen. Mokom kann sich teilweise gut in die Situationen hineinversetzen, denn „vor sieben Jahren war ich in einer ähnlichen Lage“. Er weiß, dass Integration Stress bedeutet und fühlt ihn bei seinen Klienten - auch wenn diese nichts sagen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Hyan - wie seine Kollegen ihn nennen - wird gebraucht. Das steht für Kuchem und Lyko fest. „Seine Arbeit muss gefördert werden und man kann eigentlich beiden Räten nur danken, dass sie sich dafür entschieden haben, seine Stelle zu schaffen, was eine freiwillige Leistung der Kommunen ist“, findet Kuchem. Die Stelle ist bis Ende 2019 befristet, doch die Stadträte sind zuversichtlich, dass sie verlängert wird.

Zumal Mokom noch einige Ideen hat, um die Integration voranzutreiben. Die erste ist ein Runder Tisch, an dem Geflüchtete, Arbeitgeber, das Jobcenter - kurzum, alle die in den Prozess Arbeit eingebunden sind, zusammenkommen, um Geflüchteten den Eintritt ins Berufsleben zu erleichtern. Dabei wollen ihn Lyko und Kuchem kräftig unterstützen.

Hat Mokom Fomboh einen Wunsch? „Ich brauche immer Ehrenamtliche, die den Geflüchteten helfen, sich im Alltag zurechtzufinden, die mit ihnen einkaufen, spazieren gehen oder einfach reden, damit sie mit der Sprache vertraut werden. Ich weiß, dass viele sich den Kontakt zu Deutschen sehr wünschen - sich aber nicht trauen, auf sie zuzugehen.“

Kontakt

Hyacinthe Mokom Fomboh ist unter 0151/50312777 oder per E-Mail an mokom.fomboh@stadt.bassum.de oder h.mokom@syke.de zu erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Zehnter Herbst- und Schweinemarkt in Brinkum

Zehnter Herbst- und Schweinemarkt in Brinkum

Klima-Aktivisten blockieren Haupteingang der IAA

Klima-Aktivisten blockieren Haupteingang der IAA

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Offen wie selten: Tunesien wählt neuen Präsidenten

Offen wie selten: Tunesien wählt neuen Präsidenten

Meistgelesene Artikel

Vilsa-Chef im Interview: Eindeutige Rückbesinnung auf Glasflaschen

Vilsa-Chef im Interview: Eindeutige Rückbesinnung auf Glasflaschen

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Junge Männer geraten in Streit: Stühle fliegen durch Diepholzer McDonalds 

Junge Männer geraten in Streit: Stühle fliegen durch Diepholzer McDonalds 

Erntefest: „Ganz Schwarme war dabei“

Erntefest: „Ganz Schwarme war dabei“

Kommentare