Gemeinsamer Wunsch

Bassumer Flüchtlingsfrauen erzählen von Bräuchen und Essensvorlieben zum Fest

Auch wenn es nicht zu ihrer Kultur gehört, haben sich die Frauen zu Nikolaus einen gemütlichen Nachmittag gemacht.
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Auch wenn es nicht zu ihrer Kultur gehört, haben sich die Frauen zu Nikolaus einen gemütlichen Nachmittag gemacht.

Bassum – Weihnachten ist das Fest der Liebe und Familie. Auch wenn nicht alle Kulturen Heiligabend zelebrieren, so gibt es dennoch Parallelen. Einige Frauen, die ihre Heimat verlassen und eine neue in Deutschland gefunden haben, berichten bei einem Treffen im Mütter-Kinder-Zentrum (Mükize) Bassum über Traditionen und ihre Wünsche zum Fest.

Da ihre Kinder in der Schule die deutschen Weihnachtstraditionen mitbekämen, wird in den Familien der Schwestern Mona und Hiba ebenfalls mit Tannenbaum und Geschenken gefeiert. Die Frauen aus dem Libanon leben seit gut 30 Jahren in Deutschland. In ihrer Kindheit herrschte noch die Meinung: „Weihnachten gehört nicht zu unserer Religion“, berichtet die 31-jährige Mona. Sie hat inzwischen selbst vier Kinder und ist in Bassum gut integriert, arbeitet ehrenamtlich bei der Stadt sowie im Mükize.

Vieles übernommen, unter anderem den Tannenbaum

Ebenso wie ihre ältere Schwester Hiba ist sie Muslimin. „Für uns ist Weihnachten vielmehr ein Fest der Familie“, erläutert Hiba, dass ihre Generation einen eigenen Weg gefunden habe. Einige Bräuche kommen auch bei ihr gut an, etwa der geschmückte Tannenbaum. „Wir haben vieles übernommen“, stimmt ihre Freundin Najha zu und erzählt vom festlich geschmückten Haus.

Für Fikrije ist der 24. Dezember ein normaler Tag. Sie ist vor vier Monaten aus dem Kosovo nach Bassum gekommen und berichtet, dass Silvester in ihrem Heimatland von deutlich größerer Bedeutung sei. Das hat einen geschichtlichen Hintergrund: Im Osmanischen Reich wurde das Weihnachtsfest verboten und die Menschen verschoben die Feier auf das Jahresende.

In Armenien wird Anfang Januar gefeiert

Der 6. Januar ist wiederum für Alyona und ihre kleine Familie der große Festtag, an dem sie auch zur Messe in die Kirche geht. Die 36-jährige Armenierin wird Weihnachten in diesem Jahr bei deutschen Freunden verbringen und freut sich, ihre Traditionen mitzuerleben. „Ich liebe diese Zeit“, sagt die Mutter eines Sohnes mit Blick auf Plätzchenbacken und Gemütlichkeit. Im katholischen Armenien, aus dem Alyona vor zwei Jahren geflohen ist, wird das Fest der Gottesoffenbarung äußerst prunkvoll Anfang Januar gefeiert.

Wenn es um Bräuche und Traditionen geht, kommt man nicht um typische Mahlzeiten herum. Über den deutschen Klassiker, Kartoffelsalat und Bockwurst, lachen die Frauen aus dem Libanon. „Das ist doch kein Hauptgericht“, sagt Mona. Auch einen Gänsebraten könne man an jedem anderen Tag essen. „Dieses Fest feiert man nur einmal im Jahr. Deshalb sollte es groß zelebriert werden“, meint Mona. Ähnlich sei es mit dem Zuckerfest, das im Islam anlässlich des Fastenbrechens gefeiert wird. Dann werde ein großes Büfett aufgefahren – mit diversen herzhaften und süßen Speisen. In ihrer Familie werde zu solchen Anlässen häufig gegrillt.

Die deutschen Weihnachtstraditionen gefallen den Frauen, die sich im Mükize in Bassum mit Katarina Wetzel (Mitte) treffen: (v.l.) Alyona, Fikrije, Najha, Mona und Hiba.

Katarina Wetzel, Geschäftsführerin des Mütter-Kinder-Zentrums, weiß, wovon die Flüchtlingsfrauen sprechen. Sie selbst kommt gebürtig aus der Slowakei. „Dort fastet man am 24. Dezember den ganzen Tag und am Abend gibt es Sauerkrautsuppe, Fisch und Kartoffelsalat.“ Zuhause in Bassum treffen nun mit ihrem Mann zwei Traditionen aufeinander. „Wir mischen alles und jeder nimmt sich seinen Anteil“, sagt sie.

Gemeinsamer Wunsch: Eine Welt ohne Krieg

So unterschiedlich Weihnachten auch gefeiert wird, bei einer Sache sind sich alle Frauen einig: „Wir wünschen uns, dass Corona endlich vorbei ist und dass es eine Welt ohne Krieg gibt.“ Den Frauen, die sich in Bassum ihren Aussagen zufolge sehr wohl fühlen, ist es ein Bedürfnis, dass Ruhe in ihren Heimatländern einkehrt. Den Kontakt dorthin halten sie über das Telefon – entweder via Gesprächen oder per Bildern und Videos. „Man ist dank der neuen Medien dichter dran“, freut sich Mona über den technischen Fortschritt.

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