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Flüchtlingsarbeit braucht Struktur: Reaktivierung von Willkommen in Bassum

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Von: Anika Seebacher

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Menschen in einer Kirche beim Reaktivierungstreffen von Willkommen in Bassum
In der Findungsphase: Ulrich Tatje (rechts), Vertreter der Verwaltung und zahlreiche Interessierte verschafften sich beim Reaktivierungstreffen von Willkommen in Bassum einen Überblick über die Hilfsangebote. © Seebacher

Großes Interesse bei Reaktivierungstreffen von Willkommen in Bassum. Bürgermeister Christian Porsch erinnert daran, dass die Unterstützung nicht bei der Unterbringung der Flüchtlinge endet.

Bassum – Täglich kommen Menschen aus der Ukraine nach Deutschland und brauchen eine Bleibe auf Zeit. Seit dem 11. März finden auch in Bassum Männer, Frauen und Kinder Hilfe. „Diese Menschen brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Ruhe“, sagte Christian Porsch bei einem Treffen der Initiative Willkommen in Bassum (WiB). Der Bürgermeister erinnerte die Teilnehmer am Dienstag daran, dass die Unterbringung der Flüchtlinge zwar wichtig sei, aber die Unterstützung darüber hinaus gehen müsse.

164 Personen sind Porsch zufolge aktuell in der Lindenstadt untergebracht (Stand: 29. März). Ordnungsamtsleiter Andreas Abelt berichtete zur Aufnahmesituation: „Es ist kurzfristig nicht mit einer größeren Anzahl an Flüchtlingen zu rechnen.“ Nach Bassum kommen die Ukrainer entweder durch die Zuweisung des Landkreises oder über private Kontakte. „Wir haben es anfangs gut hinbekommen, aber die Situation ist eine große Herausforderung“, erklärte Porsch, warum sich die Verwaltung an die Ehrenamtlichen von WiB gewandt hatte. Die Initiative um Ulrich Tatje gründete sich in der Flüchtlingswelle 2015 und zählte in Hochzeiten bis zu 120 Ehrenamtliche, die sich um die Flüchtlinge in Bassum gekümmert hatten. Zuletzt war die Gruppe kleiner, viele Angebote sind eingestellt worden. Doch aufgelöst habe sich WiB nicht, so Tatje beim Reaktivierungstreffen.

Bassums Flüchtlingssozialarbeiter ist eine der ersten Kontaktpersonen für die ukrainischen Flüchtlinge

„Was wird gebraucht? Was können wir anbieten?“ Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die rund 50 Teilnehmer bei der Zusammenkunft, die Tatje als „ungezwungenen Anfang“ bezeichnete. Dabei wurde deutlich: Flüchtlingsarbeit muss strukturiert und koordiniert werden. Diese Aufgaben wollen Ulrich Tatje und die Stadtverwaltung nun übernehmen. So stellte sich Hyacinthe Mokom Fomboh der Runde vor. Bassums Flüchtlingssozialarbeiter ist eine der ersten Kontaktpersonen für die ukrainischen Flüchtlinge und weiß aktuell um deren Sorgen.

Neben den Ehrenamtlichen, die sich schon damals in der Initiative engagierten, und Vertretern der Verwaltung waren zahlreiche Bassumer der Einladung gefolgt, um ihre Hilfe anzubieten. Viele Männer und Frauen trugen sich in einer Liste ein, die einen Überblick über die verschiedenen Hilfsangebote – von Unterkünften über handwerkliche Arbeiten bis Dolmetschen – bietet. Das Dokument wollen Tatje und Mokom Fomboh für die weitere Zuordnung nutzen und auf die jeweiligen Ansprechpartner zukommen, wenn deren Hilfe gebraucht werde. Für Bassums Ersten Stadtrat Norbert Lyko war klar, dass man zeitnah auf diese Hilfsbereitschaft zurückgreifen müsse: „Wir dürfen das nicht auf die lange Bank schieben.“

Nicht zuletzt müsse bedacht werden, dass die Angebote auch in den Bassumer Ortschaften ankommen. Schließlich seien auch dort Familien in privaten Haushalten untergebracht, so Tatje.

Ehrenamtliche Dolmetscher für die Kommunikation gewünscht

Ein wichtiges Thema sei zudem die Sprache, so Ulrich Tatje, der sich ehrenamtliche Dolmetscher für die Kommunikation zwischen Helfer und Flüchtlingen wünscht. „Einige Dinge lassen sich mit dem Smartphone übersetzen, aber längere Gespräche sind schwierig“, wusste er zu berichten. Weiterhin regten die Anwesenden ein Netzwerk für den Austausch unter den Flüchtlingen an. Ebenso seien Räume nötig, um Treffen anzubieten. Diesbezüglich signalisierten sowohl Norbert Lyko als auch Alexander Grosser, Kirchenvorsteher der evangelischen Gemeinde, dass es Möglichkeiten gebe. Grosser erklärte zudem, dass die bestehenden Angebote und Gruppen der Kirche selbstverständlich auch den Flüchtlingen offen stehen.

Für diese sei eine Übersicht über wichtige Anlaufstellen wünschenswert, sagte eine Besucherin. Hierzu sei ein Flyer mit Adressen von Ärzten und wichtigen Alltagsdingen in Arbeit und werde zeitnah veröffentlicht, erwiderte Bassums Flüchtlingssozialarbeiter. Wichtige Infos für die Helfer seien zudem auf der Internetseite der Stadt zu finden, betonte Christian Porsch. Hartwig Hornbostel, der sich bereits seit einigen Jahren für Flüchtlinge einsetzt, mahnte, bei allem Aktivismus zu bedenken, dass die Ukrainer Schlimmes erlebt hätten: „Gebt den Flüchtlingen Zeit und nehmt Rücksicht auf ihre Bedürfnisse.“

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