Fitore Ajeti und Wolfgang Defort verwalten die Facebook-Gruppe „Unsere schöne Stadt Bassum“ / Gruppe spiegelt Gesellschaft wider

Die Guten, die Schlechten und die dazwischen

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Wolfgang Defort und Fitore Ajeti checken die Beiträge.

Bassum - Von Maik Hanke. Wolfgang Defort ist schnell. Ziemlich schnell. Meistens schneller als jeder andere. Noch bevor der Alarm einer Sirene das erste Mal verhallt, tippt er ein Wort auf seiner Computertastatur: „Erster!“. Dann klickt er bei Facebook auf Senden. Und 1800 andere Bassumer wissen: Irgendwas ist los. Und unter ihnen, hofft Defort, ist einer, der berichten kann, was.

Zusammen mit Fitore Ajeti leitet Wolfgang Defort die Facebook-Gruppe „Unsere schöne Stadt Bassum“. Die Nutzer tauschen dort Infos und Fotos aus und unterhalten sich über vieles, was die Stadt und ihre Einwohner gerade bewegt: zum Beispiel Baustellen, Gesuche oder eben Blaulichtthemen.

Defort ist selbstständiger Homepagegestalter. Er sitzt in seinem Büro sowieso den ganzen Tag vor seinen zwei Monitoren. Da könne er auch eben rundfragen, ob jemand was weiß, wenn eine Sirene geht. „Das hält mich nicht mal von der Arbeit ab“, sagt er.

Manchen gefällt es nicht, wenn er oder jemand anders „Erster!“ schreibt, berichtet Defort. Aber irgendwer meckert im Internet halt immer, hat der Bassumer beobachtet. „Ich glaube, einige nehmen das zu ernst.“

In der Facebook-Gruppe „Unsere schöne Stadt Bassum“ werden zwar viele Späße und Belanglosigkeiten ausgetauscht, aber im echten Leben redet man ja auch nicht nur über Politik, meint Defort.

Politik ist sowieso so ein Thema. Politische Werbung ist heute in der Gruppe verboten, dabei war die Gemeinschaft vor etwa fünf Jahren aus politischen Gründen ins Leben gerufen worden.

„Die Gruppe sollte eigentlich ganz wo anders hingehen“, berichtet Gruppen-Gründerin Fitore Ajeti. Die heutige SPD-Ratsfrau hatte die Gruppe damals für die Jusos gegründet, um mehr über die Meinungen der Bassumer Jugendlichen zu erfahren. So ganz geklappt hat das nicht.

„Ich hab erst mal meine Freunde eingeladen und die ihre Freunde. Irgendwann hat sich das verselbstständigt“, berichtet Ajeti.

Heute umfasst die Gruppe mehr als 1800 Leute. „Ich hätte nicht gedacht, dass das mal so eine aktive Gruppe wird.“

Wolfgang Deforts Schnelligkeit war schließlich auch ein Grund, warum er Gruppen-Administrator wurde. Fitore Ajeti konnte wegen einer zeitintensiven Fortbildung knapp ein halbes Jahr ihre Gruppe kaum betreuen. Defort fragte an, ob er helfen darf. Er durfte. Obwohl sich die beiden gar nicht kennen. Aber Defort, das habe er in seinen bisherigen Kommentaren gezeigt, schien ihr ein vernünftiger Typ zu sein.

Die Facebook-Gruppe spiegele die reale Gesellschaft ganz gut wider, glaubt Defort. „Es gibt die Guten, die Schlechten, die dazwischen.“

Bei Facebook sei der Ton allerdings defintiv rauer als auf der Straße. Manche Menschen scheinen in der vermeintlichen Anonymität ihre Hemmungen zu verlieren. Das seien aber nicht unbedingt Jugendliche – die meisten, die in der Gruppe schreiben, seien in der Altergruppe zwischen 25 und 50, hat Defort festgestellt.

Wortgefechte eskalieren in der Gruppe nur noch selten. Und wenn doch mal jemand über die Stränge schlägt, ist Defort da, um im Falle eines Falles den Beitrag zu löschen.

Statt Ärger zu verursachen, helfe die Gruppe vielmehr, finden die Gruppen-Manager: „Was ich ganz positiv finde, ist, dass neu Zugezogene das sehr gut annehmen“, sagt Ajeti. Die Neuen fragen – die Gruppe hilft.

Und auch Familie Ajeti hat letztens profitiert: Über einen Aufruf in der Gruppe konnten sie ihr gestohlenes Fahrrad wiederfinden.

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