Mitarbeiter trotz Hitze bei Laune halten

Firmenchefs spenden Eis und Wasser

Vor allem die Menschen, die draußen arbeiten, sollten viel trinken. - Foto: dpa

Bassum/Twistringen - Von Theo Wilke. Leckeres Eis zwischendurch oder Durstlöscher aus dem Firmen-Kühlschrank – und das umsonst bei den hochsommerlichen Temperaturen: Firmenchefs spenden gern mal ein Eis, stellen kühle Getränke bereit und bieten hin und wieder auch Sonnschutzcremes für ihre Beschäftigten im Außendienst beziehungsweise auf den Baustellen an. In einer nicht repräsentativen Umfrage haben wir bei Firmen und Kommunen nachgefragt.

Während die Freizeit Möglichkeiten bietet, auch Hochsommerwetter zu genießen, kann der Berufsalltag schon zur Qual werden. „Grundsätzlich ist der Arbeitgeber dafür zuständig, dass in seinem Betrieb erträgliche Arbeitsbedingungen herrschen“, betont Präventionsexpertin Dr. Heike Schambortski von der bundesweiten Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in Hamburg. Wie reagieren Unternehmen in unserer Region auf die derzeitige Hitzewelle?

Die Stadt Bassum hält für ihre Bediensteten auf dem Rathausflur einen kostenlosen Wasserspender vor. Am Automaten kann jeder selbst seinen Durstlöscher zapfen, gefiltert, gekühlt, gesprudelt oder ohne Kohlensäure. Erster Stadtrat Norbert Lyko hat am Ende des langen Donnerstags in der Verwaltung spontan Eis ausgegeben. „Die Büros sind nicht klimatisiert, nur der Bürgerservice. Am schlimmsten ist es im Sitzungssaal. Der ist den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt.“

Ein Anruf beim Bauhof in Twistringen ergibt: Die Beschäftigten besorgen sich ihre Getränke und Erfrischungen selbst.

Im Rathaus meint Bürgermeister-Vertreter Horst Wiesch: Die Kolleginnen und Kollegen hätten zunächst flexible Arbeitszeiten, da könnten die sich auch die Arbeit anders einteilen und zu Hause bleiben, wenn es zu heiß sei. Ansonsten „ist das Rathaus gut isoliert, zum Teil gibt es im Haus auch klimatisierte Räume“. Besucher der Verwaltung würden ohnehin ordentlich mit Getränken versorgt, und die Beschäftigten könnten sich bei Bedarf die eine oder andere Flasche Wasser nehmen. Er weiß schließlich, dass manche Kollegen auch Eis ausgeben.

Sonnencreme für die Handwerker

Bei Leymann Baustoffe im Twistringer Industriegebiet heißt es unter anderem: „Die Mitarbeiter sollen mir ja nicht von der Stange fallen,“ sagt scherzhaft Niederlassungsleiter Reiner Kuntze. Aber im Ernst: Eine Klimaanlage gibt es im Bürobereich bei Leymann zwar nicht, aber an jedem Arbeitsplatz einen Ventilator. Hin und wieder spendiert Reiner Kuntze ein bis zwei Packungen Eis. Auch erfrischende Getränke, Wasser und Sprudel, sind für alle da. Nach mehreren heißen Tagen brodele die Luft doch sehr, vor allem bei den Lageristen, die häufiger der prallen Sonne ausgesetzt seien, betont Kuntze.

„Unsere Beschäftigten dürfen sich in dieser Zeit auch locker kleiden und in kurzer Hose und T-Shirt zur Arbeit kommen. Ich sehe das nicht so eng mit der sonst vorgeschriebenen Arbeitskleidung.“ Bisweilen sei man doch schon Spitzentemperaturen von 35 bis 40 Grad ausgesetzt, so der Niederlassungsleiter.

„Wir geben Mützen aus, stellen Getränke kostenlos zur Verfügung. Die Mitarbeiter auf den Baustellen bekommen auch Sonnencremes angeboten. Das muss sein“, zählt Thomas Block auf, Geschäftsführer der Bassumer Firma Meyer Straßen- und Tiefbau. Für Eis würden sich die rund 20 Beschäftigten weniger begeistern. Eher für ausreichend kühlende Getränke.

Bei Elektro Siemers in Twistringen sorgen sporadisch Eis und zusätzliches Wasser für eine willkommene Abkühlung. Im Büro läuft ein Ventilator. Für die Handwerker, die draußen arbeiten, liegt eine Reserve an Sonnencreme bereit.

„Da fragen Sie genau richtig“, lacht Nico Gehrmann in Bassum, seit 2000 ausgebildeter Friseur und Geschäftsführer des Studio 21 an der Bahnhofstraße. „Ich habe gerade Eis von der Eisdiele für uns alle geholt“, so der 37-Jährige. Für fünf Beschäftigte. Kostenloses Wasser stünde sowieso immer zur Verfügung, betont Gehrmann.

Jede Woche wird frisches Bio-Obst für die knapp 200  Beschäftigen bei Gemüse Meyer in Binghausen geliefert. Auf unsere Nachfrage, ob es dann und wann auch Eis umsonst gebe, sagt Anna-Lena Meyer sofort: „Ja, auf jeden Fall! Das kommt aus unserem eigenen Hofladen.“ Ansonsten kühlen Klimaanlagen die Temperaturen in den Büros und Lagerbereichen runter. Erfrischende Getränke würden zudem für die Beschäftigten ausgegeben.

Beim Bassumer Metallbau-Unternehmen KMH Kammann sind – ein Glück für das Personal – Verwaltungsräume und Produktionshallen klimatisiert. Es gibt auch Sonnenschutz-Rollos.

Zusätzlich wird Trinkwasser als Durstlöscher allen Betriebsangehörigen angeboten. „Wir gehen nicht ein“, meint Ann-Kristin Grötschel, Assistentin der Geschäftsführung und Personalrefentin. Sie fühlt eher mit den Schweißern in der Produktion, die von Berufs wegen schon dicke Schutzkleidung tragen müssten. Und die müssten auch viel mehr trinken.

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