Großeinsätze der Feuerwehr

Firma GAR rüstet Brandschutz auf: Geschäftsführung nimmt Stellung

95 000 bis 100 000 Tonnen Wertstoff sortiert die GAR im Jahr am Standort Kastendiek. 
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95 000 bis 100 000 Tonnen Wertstoff sortiert die GAR im Jahr am Standort Kastendiek. Foto: Frauke Albrecht
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    vonFrauke Albrecht
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Kastendiek – Das Recyclingunternehmen GAR in Kastendiek rüstet seinen Brandschutz auf. Damit reagieren die Verantwortlichen auf die wiederholten Brände in den vergangenen Wochen und Monaten (wir berichteten). Seit April gab es mehrere Feuer im Außenbereich. „Kurioserweise immer samstags und immer draußen im Ballenlager“, sagt Betriebsleiter Jens Blume. Er hat Zweifel an einer Selbstentzündung. „Das kann einmal passieren, aber gleich dreimal hintereinander?“ Mal davon abgesehen, dass die Brandwahrscheinlichkeit im Ballenlager sehr niedrig sei. Denn dort lagern die bereits sortierten und gepressten Wertstoffe. Während des Sortiervorgangs sei die Brandgefahr größer. Blume schließt also Brandstiftung nicht aus. Die Ermittlungen laufen noch.

Damit auch der Außenbereich künftig besser geschützt ist, habe die Geschäftsführung, dazu zählt Axel Schreiber von Meyer & Schreiber Management, verschiedene Maßnahmen getroffen: „Unter anderem haben wir den Wachschutz verdoppelt. Und wir haben ein System aus Finnland bestellt, zur thermischen Überwachung der Außenlagerfläche – eine Art Wärmebildkamera.“ Die Tor- und Zaunstruktur soll verändert werden – dann gibt es nur noch eine Zufahrt. Die Firma hat zudem einen Feuerwehrwagen angeschafft, zusätzliche Löscher aufgestellt und weitere Brandabschnitte mit Steinen abgeteilt. „Wir werden auch einen zweiten Feuerlöschbrunnen bohren lassen“, so Blume.

Es solle nicht der Eindruck entstehen, dass der Brandschutz vorher unzureichend gewesen sei. „Das sind alles zusätzliche Maßnahmen.“

Auch eine Videoüberwachung sei im Gespräch, „Und wir überlegen, ob wir uns wieder Wachhunde anschaffen“, sagt Schreiber.

Nach dem jüngsten Brand Anfang Juni hatte sich auch der Landkreis Diepholz eingeschaltet. Überprüft werden soll, ob der Betreiber die Anlage entsprechend der Genehmigung führe oder ob ein mögliches Abweichen davon Ursache für den jüngsten Brand gewesen sei. „Die Prüfung bezieht sich hierbei auch insbesondere auf Gesichtspunkte des Baurechts – wie den vorbeugenden Brandschutz – und des Umweltrechts, hier insbesondere den Bodenschutz, den Schutz des Grundwassers und das Abfallrecht. Je nach Ergebnis werden die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet“, heißt es in einer Mitteilung dazu.

Zu dem aktuellen Vorfall wollen sich Schreiber und Blume nicht äußern. „Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt.“ Das gilt auch für die Umweltuntersuchung, die kurz danach eingeleitet worden ist. In einem nahegelegenen Eichenwäldchen war eine stinkende Brühe entdeckt worden. Die dort ansässige Bürgerinitiative für Landschaftsschutz vermutet, dass die Firma das kontaminierte Löschwasser entsorgt habe. Proben wurden genommen. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Blume und Schreiber nennen den Vorwurf absurd. Sie hätten verschmutztes Löschwasser immer offiziell entsorgt. So lagere derzeit noch Wasser vom Brand an Pfingsten in einem Tankwagen und vier Containern. Eine Entsorgungsfirma sei beauftragt worden, eine Probe zu analysiere. Diese sei notwendig, um den Grad der Kontaminierung zu ermitteln. Danach richte sich die Art der Entsorgung. „Das Angebot ist heute erst gekommen“, sagt Blume.

Die Entsorgung würde das Gewebeaufsichtsamt Hannover (GAA) regelmäßig dokumentieren. Ulrich Leimeister vom GAA, Leiter der Abteilung Abfallentsorgung, Bodenschutz, Energie, Bau, Steine, Erden, Handel- und Verbraucherschutz, bestätigt, dass bei großen Einsätzen durchaus Überprüfungen gemacht würden. „Aber wir können nicht jedes Ereignis kontrollieren und uns auch nicht nach jedem Vorfall Belege zeigen lassen.“ Nach dem Brand Anfang Juni seien sie vor Ort gewesen.

Die Diskussion um das Löschwasser sei nicht der einzige Punkt, der derzeit geprüft werde. Die Bürgerinitiative hat vor Monaten einen Anwalt eingeschaltet, nachdem der Runde Tisch – ein Ergebnis eines vor Jahren eingeleiteten Mediationsverfahrens – gescheitert war. Die BI vertraut der Firma nicht, die Geschäftsleitung indes fühlt sich verfolgt. „Die Situation ist verfahren“, weiß auch Axel Schreiber. Er sagt, man sei in den vergangenen Jahren durchaus auf die Bedenken der Anwohner eingegangen. „Wir haben zusätzliche Fangnetze aufgestellt und sammeln regelmäßig nach starkem Wind Müllreste ein. Wir weisen die Lkw-Fahrer an, langsam zu fahren, haben die Zeiten des Steinbrechers reduziert, führen Geräuschmessungen durch. Erst morgen gibt es wieder eine“, so Schreiber.

Das Misstrauen der BI richtet sich mittlerweile aber nicht nur gegen die GAR und die Firma Meyer & Schreiber Management, sie traut auch dem Gewerbeaufsichtsamt nicht.

Deshalb haben die Mitglieder den Anwalt eingeschaltet. Der sichtet seit Monaten Unterlagen und muss sich manches mühsam erarbeiten. So hatte das GAA Unterlagen zur Bauschuttdeponie verloren.

Derzeit beschäftigt sich der Jurist mit der Bauschuttaufbereitungsanlage. Diese soll bauplanungsrechtlich im Außenbereich liegen, dürfe dort also gar nicht stehen. „In der Genehmigung wurde behauptet, das Baugrundstück liege im Vorhaben- und Erschließungsplan Nr. 2 (77/19) „Kastendiek“. Diese Aussage war falsch. Das Baugrundstück liegt östlich und südlich des im Vorhaben- und Erschließungsplan ausgewiesenen Industriegebietes und wird vom Geltungsbereich des B-Plans nicht erfasst“, heißt es.

Auch das GAA und die Stadt Bassum prüfen derzeit den Vorwurf. Ergebnisse stehen noch aus. Ein Bericht dazu folgt.

GAR sortiert im Jahr knapp 100000 Tonnen Wertstoffe

Der Recyclingpark GAR Kastendiek (Gesellschaft für Abfall und Recycling) sortiert im Jahr 95 000 bis 100 000 Tonnen Wertstoffe. Hauptsächlich stammen die gelben Säcke aus Niedersachsen und Bremen. An verschiedenen Trennstationen werden 14 Fraktionen aufgeteilt – „lediglich mit dreien verdienen wir Geld, bei den restlichen müssen wir für die Entsorgung zahlen“, sagt Betriebsleiter Jens Blume. Herausgefiltert werden zum Beispiel Folien, PE, PP, PET, Mischkunststoffe, Metalle, Getränkekartons, Aluminium und Flaschen. 50 Prozent des Inhalts der gelben Säcke müssen der wertstofflichen Verwertung zugeführt werden, 50 Prozent würden thermisch verwertet. Immer wieder finden Mitarbeiter auch Müll, der nicht in den gelben Sack gehört. Normal seien 15 bis 16 Prozent, „coronabedingt ist es mehr geworden. Bestimmt 25 Prozent“, sagt Blume. Die Menschen seien mehr zuhause. Das mache sich bemerkbar. Überhaupt sei der Plastikanteil durch Corona gestiegen. „Wir hatten noch nie so viele Latexhandschuhe“, nennt Blume ein Beispiel. Aber die Sortierung von Wertstoffen sei nicht das einzige Handlungsfeld der GAR. Zusätzlich werde Gewerbeabfall aufbereitet, unter anderem Folie, Holz, Metall, Störstoffe oder Baumischabfälle.

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