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Kultkomödie als Ein-Mann-Show

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Von: Ute Schiermeyer

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Der Schauspieler Benedikt Vermeer begeisterte im Vorwerk mit der „Feuerzangenbowle“. Auftakt Veranstaltungen Stadt Bassum
Der Schauspieler Benedikt Vermeer begeisterte im Vorwerk mit der „Feuerzangenbowle“. © Ute Schiermeyer

„Sätzen Sä säch. Sä sind der neue Schöler? Sä heißen?“ „Pfeiffer, Johann.“ „Met einem oder met zwei Äff?“ „Mit drei, Herr Professor. Eins vor dem Ei und zwei dahinter.“ Wer kennt ihn nicht – den fingierten Schüler Hans Pfeiffer mit drei F? Dargestellt von Heinz Rühmann, können wir ihn alljährlich zum Jahresende auf der Mattscheibe sehen.

„Die Feuerzangenbowle“ aus dem Jahr 1944 hat Kultstatus. Und so hatte auch keiner der Zuschauer, die sich am Freitagabend im Bassumer Vorwerk eingefunden hatten, die Komödie ausschließlich erst einmal gesehen.

Im Vorwerk wurde aber nicht der Film gezeigt, sondern eine sehr kurzweilige und unterhaltsame Darstellung geboten. Der professionelle Schauspieler Benedikt Vermeer, der zusammen mit Gala Z den Literaturkeller in Bremen betreibt, führte die Feuerzangenbowle gewissermaßen als „Ein-Mann-Bühnenshow“ auf. Frei rezitierend schlüpfte er in die unterschiedlichen Rollen des Buches und stellte anhand unterschiedlicher Mimik und vortrefflich getroffener Dialekte sowie Sprachtypen die einzelnen Charaktere dar. Ob die überdrehte Sprechweise des Professors Crey („Aber nor einen wenzigen Schlock“) oder das Rheinländische des Lehrers Bömmel („Böh, wat habt ihr für ne fiese Charakter“): Vermeer hauchte den Figuren Leben ein, und im Publikum hatte man umgehend die Schauspieler aus dem 80 Jahre alten Streifen vor Augen. Was auch darin begründet ist, dass der Film seinerzeit sehr eng ans Buch gedreht wurde.

Posse über Schule in früheren Zeiten

Der Inhalt des Buches von Heinrich Spoerl war dem Publikum also bekannt. Aber auch ohne diese Kenntnis gelang es Vermeer, das Geschehen anhand ausgewählter Szenen treffend darzustellen.

Beginnend mit der Rahmenhandlung, in der sich vier Herren dem Genuss einer Feuerzangenbowle hingeben und Geschichten aus der Schulzeit erzählen. Da Hans Pfeiffer, der privat unterrichtet worden war, nie eine Schule von innen gesehen hatte, entsteht im Suff die Idee, den 24-Jährigen noch einmal in eine Provinzschule zu schicken. Daraus resultiert eine Posse, die die Schule der damaligen Zeit amüsant darstellt, mit viel Witz die Schülerstreiche erzählt und gleichzeitig ein Auflehnen gegen Autoritäten ist.

In einer Mischung aus freier Rezitation und Schauspiel faszinierte Wortkünstler Vermeer das Publikum in Bassum und brachte es wiederholt zum Lachen. Beeindruckend, wie eine einzelne Person ein ganzes Stück darstellen kann. Am Ende der Vorstellung, die treffenderweise exakt die Länge einer Schulstunde hatte, erntete der Schauspieler anhaltend kräftigen Applaus von den Gästen.

Erste Kulturveranstaltung des Jahres

Diese waren sehr dankbar für den amüsanten und kurzweiligen Abend, den die erste Kulturveranstaltung der Stadt Bassum im Jahr 2022 ihnen beschert hatte. Obwohl die Aufführung lediglich in sehr kleiner Runde vor rund 20 Gästen stattfand, spielte Vermeer im Vorwerk immerhin vor doppelt so vielen Zuschauern wie im Bremer Literarturkeller. Dort können auf 16 Quadratmetern aktuell nur zehn Gäste empfangen werden.

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