Silvester in Bassum

Feuerwerk-Hersteller Explosive Arts von Verkaufsstopp enttäuscht

Ein solches Feuerwerk dürfte es aufgrund des Verkaufsverbots in diesem Jahr nicht geben. Der Beschluss stellt den Bassumer Anbieter Explosive Arts vor Herausforderungen. Symbolbild: Insa Anders/dpa
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Ein solches Feuerwerk dürfte es aufgrund des Verkaufsverbots in diesem Jahr nicht geben. Der Beschluss stellt den Bassumer Anbieter Explosive Arts vor Herausforderungen. Symbolbild: Insa Anders/dpa

Überall zischt und knallt, pfeift und raucht es in der Silvesternacht. Das Feuerwerk gehört als Tradition zum Jahreswechsel wie der Tannenbaum zum Weihnachtsfest. Mit bunten Effekten zeigt sich die Silvesternacht üblicherweise. Doch in diesem Jahr muss das Farbspektakel ausbleiben: Es gilt erneut ein Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk. Dieser Beschluss stellt das Bassumer Feuerwerks-Unternehmen Explosive Arts vor Probleme.

Bassum – Geschäftsführer Adrian Heinrich: „Die Planung für das Silvestergeschäft startet stets bereits im Frühjahr. Damals waren die Corona-Zahlen kontinuierlich am Sinken und entsprechend optimistisch sind wir in die Planung gegangen.“

Logistik-Chaos: Viele Feuerwehr-Pakete liegen bereits beim Versanddienstleister

Es dauere viele Wochen, alle Pakete für den Versand zu packen und zu organisieren. Die Arbeit erstreckt sich über das ganze Jahr, die Auslieferung der bestellten Ware erfolgt allerdings erst in den letzten drei Tagen vor Silvester. „Wir hatten also keine Wahl und mussten starten“, erklärt der staatlich geprüfte Großfeuerwerker.

Obwohl sich ein Verbot in den vergangenen Wochen angedeutet habe, sei die Enttäuschung dennoch groß. Sowohl bei seinem Team als auch bei den Kunden. „Besonders im Hinblick auf das sehr harte Vorjahr“, so Heinrich.

Die stornierten Bestellungen müssten nun alle wieder ausgepackt und neu einsortiert werden. Viele Pakete seien bereits beim Versanddienstleister, was zu Chaos führe. „Die restlichen Pakete von Privatpersonen werden kostenlos für ein Jahr von uns eingelagert. Dadurch müssen wir zusätzliche Bunker anmieten“, sagt Heinrich.

Zwei Standbeine: Großfeuerwerke und Silvester - beides fehlt in der Corona-Pandemie

Die begrenzte Fläche mache der Branche sehr zu schaffen. Die Pakete von Gewerbetreibenden dürften nach aktueller Lage unter Einhaltung der Gesetze weiterhin abgegeben werden.

Neben dem Ausfall von Events und den daraus resultierenden fehlenden Großfeuerwerken ist der Silvesterverkauf das zweite Standbein des Bassumer Feuerwerk-Anbieters. „Wir mussten privat viel für die Erhaltung der Firma investieren und haben zusätzlich tolle Unterstützung von unseren Kunden erhalten“, erklärt der Geschäftsführer.

Normalerweise hätte Explosive Arts zu Silvester bis zu fünf Verkaufshops, über die sie Umsatz generieren. Dieser Umsatz entfällt vollständig. Unter den aktuellen Bedingungen sei ein weiteres Jahr mit hohen Verlusten abzusehen. „Letztes Jahr haben nur vereinzelt Kunden ihre Bestellungen storniert, das war eine große Unterstützung. Die Hoffnungen auf Solidarität für dieses Jahr sind daher erneut hoch. Bisher sieht es sehr gut aus“, so Adrian Heinrich.

Explosive-Arts-Geschäftsführer beklagt Regeln ohne Augenmaß

Er sieht bei den Argumenten für das beschlossene Verkaufsverbot von Feuerwerksartikeln zwei Punkte. Hinsichtlich der Pandemie-Eindämmung und der Sicherheit erklärt der Geschäftsführer: „Wir haben kein Verständnis, dass in Clubs und Diskotheken teilweise bis zu 5 000 Leute in einem Raum erlaubt sind, aber Familien keine Feuerwerksbatterie draußen auf dem eigenen Grundstück anzünden dürfen. Hier hätten wir uns mehr Augenmaß gewünscht.“

Für die Versuche, die Corona-Pandemie weiter einzudämmen und Leben zu retten, habe das Team von Explosive Arts Verständnis. Es seien aber mildere Mittel möglich gewesen. Der Großfeuerwerker dazu: „Beispielsweise hätte Feuerwerk auf öffentlichen Plätzen verboten werden können, sodass Familien draußen auf dem eigenen Grundstück weiterhin eine Batterie zum Jahresabschluss anzünden können.“

Den zweiten Punkt sieht Heinrich in der aktuellen Debatte zum Thema Umweltschutz: „Haustiere, Reisen, Einfamilienhäuser; Weihnachtsbeleuchtung; alles benötigt mehr Ressourcen als zum Leben notwendig und dient der Befriedung der eigenen Interessen. Feuerwerk ist da sicher keine Ausnahme, ist aber trotz der geringen Auswirkungen auf das Klima in den politischen Vordergrund gerückt.“

Tiere können vom Feuerwerk-Verbot profitieren

Zum Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk äußert sich Anni Wöhler-Pajenkamp, Mitglied des Nabu Syke und Umland, auf Anfrage der Kreiszeitung. Der Beschluss kam für sie, angesichts der Entwicklungen in der Corona-Pandemie, nicht überraschend: „Da viele enge Kontakte und Zusammenkünfte vermieden werden sollen, ist diese Entscheidung folgerichtig“, sagt die Bassumerin.

Durch Silvesterfeuerwerk würden Wildtiere aus ihrem Rhythmus gebracht werden. Ihr Energieverbrauch sei dadurch – wie beim Menschen auch – gedrosselt. Aus der Nachtruhe gerissen, flüchten sie und verlieren dadurch viel Energie. Vögel finden stundenlang keinen Schlafplatz und fliegen teilweise bis zur Erschöpfung umher. Das gelte insbesondere für Silvesterfeuerwerk in Gärten, Parks und Alleen. „Ich wünsche mir mehr Sensibilität im Umgang mit Feuerwerkskörpern und Böllern im privaten Bereich“, sagt das Nabu-Mitglied. Anni Wöhler-Pajenkamp zeigt aber auch Verständnis für Anbieter wie Explosive Arts. Sie wünsche sich generelle Regelungen für die Hersteller, mit denen sie arbeiten können. Keine kurzfristigen Verbote.

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