Hygiene-Konzept erarbeitet

Feuerwehr-Krebs: Unterschätzte Gefahr

Schadstoffe, die bei den Bränden in den Rauchgasen freigesetzt werden, sind eine Gefahr für die Feuerwehrleute. Foto: Feuerwehr

Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten stehen im dichten Qualm und kämpfen um das Hab und Gut anderer Leute, unter Gefahr für ihr eigenes Leben. Doch ihre Gesundheit ist gefährdet.

Bassum - Flammen schlagen aus dem Haus. Rauch dringt aus Türen und Fenstern. Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten stehen im dichten Qualm und kämpfen um das Hab und Gut anderer Leute, unter Gefahr für ihr eigenes Leben. Doch ihre Gesundheit ist nicht nur während des Einsatzes durch möglicherweise herabfallende Teile des Gebäudes gefährdet.

Die Gefahr ist so gut wie unsichtbar. Sie nistet sich in der Kleidung ein, legt sich auf die Haut, deren Poren durch die Hitze weit geöffnet sind. Sie flirrt durch die Luft und dringt in die Atemwege: Schadstoffe, die bei den Bränden in den Rauchgasen freigesetzt werden. Die Folgen kommen häufig erst später zum Tragen, in Form von Krebserkrankungen. Deswegen spreche man auch vom Feuerwehr-Krebs, sagt Theo Garrelts.

Feuerwehr-Krebs: Die Gefahr ist so gut wie unsichtbar

„Wir sind vor etwa zwei Jahren auf das Thema gestoßen“, so der Bassumer Stadtbrandmeister. Vorher habe es keine wissenschaftlichen Studien gegeben, die den Zusammenhang klar belegen. Doch nun gibt es sie, und deswegen will die Feuerwehr Bassum etwas tun, um ihre Brandbekämpfer zu schützen. „Wir haben eine Arbeitsgruppe gegründet, die ein Hygiene-Konzept erarbeitet hat“, so Garrelts.

Feuerwehr will Brandbekämpfer schützen

Der Hauptpunkt beschäftige sich mit der Frage: „Wie schaffen wir es, dass die Kontamination der Kleidung nach einem Einsatz nicht auf den Körper übergeht?“ Vorher seien die freiwilligen Helfer nach jedem Brandeinsatz mit der belasteten Kleidung in die Fahrzeuge gestiegen und hätten damit die Feuerwehrhäuser betreten, um sich zu waschen. Oder sie seien nach Hause gefahren, um zu duschen – nahmen Schadstoffe also sogar mit in die eigenen vier Wände.

Damit ist schon jetzt Schluss. Bereits bei den Löscharbeiten auf dem Campingplatz Hallstedt, wo eine Wohnparzelle explodierte, kamen die neuen Hygiene-Vorschriften zur Anwendung. „Nach dem Einsatz geht das Feuerwehrmitglied zum Löschfahrzeug, entkleidet sich bis auf die Unterwäsche und reinigt sich an dem Hygieneboard, das inzwischen Standard in den neuen Löschfahrzeugen ist. Anschließend schlüpft es in Ersatzkleidung – also einen Trainingsanzug. Seine Einsatzkleidung kommt in einen Sack, der fest verschlossen in die Reinigung gebracht wird“, erläutert Garrelts die Vorgehensweise.

Feuerwehr-Löschfahrzeuge sollen nachgerüstet werden

Im kommenden Jahr will die Feuerwehr dafür sorgen, dass für jeden Brandbekämpfer eine eingeschweißte Ersatzkleidung im Feuerwehrfahrzeug bereitliegt, wenn es in den Einsatz geht.

Für das Jahr 2020/21 ist geplant, all die Löschfahrzeuge nachzurüsten, die noch kein Hygieneboard haben – sofern sich das noch lohnt und die Fahrzeuge nicht ohnehin bald in den Ruhestand gehen.

Doch all das sind nur kleine Schritte, um die Situation sofort zu verbessern. Denn eigentlich strebt die Feuerwehr Bassum eine „große Lösung“ an: den Kauf eines Hygiene-Anhängers. „Der enthält im Grunde alles, damit die Feuerwehrleute sich nach dem Einsatz reinigen können“, sagt Garrelts.

Die Bassumer haben sich schon über den Anhänger bei ihren Kameraden in Altmoorhausen informiert. „Sie haben ihn hier vorgestellt und wir durften ihn auch ausprobieren. Die Resonanz war sehr gut.“

Feuerwehr-Krebs: Hygiene-Anhänger wird große Lösung

Allein mit dem Anhänger ist es jedoch nicht getan. Um den bestmöglichen Schutz zu erreichen, würden dann bei jedem Einsatz vier Zonen um den Hygiene-Anhänger errichtet. In Zone Eins soll der Atemschutzgeräteträger – von denen es in Bassum 180 gibt – unter anderem seine Stiefel mit Wasser und Bürste reinigen. Er legt Atemschutzgerät, Handschuhe, Helm, Maske und den Sicherheitsgurt ab. In Zone Zwei nimmt er seine persönlichen Sachen aus der Kleidung, bevor er diese komplett ablegt. Alles, was er auszieht und abgibt, wird verpackt.

In der dritten Zone kann sich der Geräteträger dann am Anhänger waschen und neu einkleiden. Ab dort befindet er sich im sogenannten „Weißbereich“, also im sauberen Bereich.

In Zone Vier stehen Tische und Bänke bereit, wo sich der Geräteträger ausruhen und etwas trinken kann.

Hygiene-Anhänger bekommt festen Standort

Ein aufweniges Verfahren, das Neuerungen für die Feuerwehrleute mit sich bringt. Nicht nur, weil sie lernen müssen, sich in den jeweiligen Zonen richtig zu verhalten. „Die Einsatzleiter werden künftig in ihrem Plan den Hygiene-Anhänger plus die Zonen integrieren müssen, also überlegen, wo all das aufgebaut werden kann“, erklärt Garrelts.

Hinzu kommt, dass der Hygiene-Anhänger einen festen Standort bei einer der Ortsfeuerwehren kriegt. Diese ist dann für ihn verantwortlich und Mitglieder werden zur sogenannten Hygiene-Einheit geschult, die bei jedem Einsatz mit ausrücken und die Kameraden in den einzelnen Zonen unterstützen muss. „Wer das übernimmt, ist noch nicht fest“, so Garrelts. Aber die Wehren, mit denen er schon gesprochen hat, hätten Bereitschaft signalisiert.

Ziel: Keine Schadstoffe in den Fahrzeugen

„Ziel ist, dass keine Schadstoffe mehr in die Fahrzeuge oder das Feuerwehrhaus gelangen, sondern dass diese am Einsatzort zurückbleiben“, sagt Garrelts. Gerne würde man den Anhänger so schnell wie möglich anschaffen. Doch die Kosten liegen im fünfstelligen Bereich und da die Feuerwehr in diesem Jahr ohnehin viele Investitionen auf dem Zettel hat, wurde der Kauf erstmal verschoben. „Doch wir streben ihn auf jeden Fall an“, so der Stadtbrandmeister.

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