Neue Rechenanlage bereits in Betrieb

Bassumer Klärwerk rüstet sich für die Zukunft: „Feuchttücher bereiten uns viel Ärger“

Stefan Fauerbach zeigt den neuen Stufenrechen in dem frisch sanierten Gebäude.
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Stefan Fauerbach zeigt den neuen Stufenrechen in dem frisch sanierten Gebäude.

Bassum – Wenn sie nicht funktioniert, hat ganz Bassum ein Problem. Ein ziemlich unappetitliches Problem. Die Kläranlage versieht seit 25  Jahren brav ihren Dienst. Und damit sie das auch weiterhin tut, stehen in diesem und in den kommenden Jahren die umfangreichsten Neuerungen auf dem Plan, die die Anlage seit ihrem Bestehen in Groß Henstedt gesehen hat.

Einige Arbeiten betreffen typische Verschleißerscheinungen. Wege werden neu gepflastert, die durch die schweren Fahrzeuge beschädigt wurden. Die Pflasterung an den Becken wird saniert, die sich über die Jahre verschoben hat und so zur Stolperfalle für Mitarbeiter werden kann. Zudem werden die drei Belebungsbecken instandgesetzt, damit ihr Erhalt für die nächsten drei Jahrzehnte gesichert ist.

Andere Arbeiten sollen die Reinigung des Abwassers optimieren und das Klärwerk fit für die Herausforderungen der Zukunft machen.

Das Rechengut landet in einem Auffangbehälter.

Eine neue Rechenanlage, die grobe Stoffe zurückhält, ist eingebaut worden, die viel effizienter arbeitet und mehr Unrat herausfiltert als ihr Vorgänger. Der Leiter der Kläranlage, Stephan Borchers, greift in einen Behälter und zeigt einen Klumpen Rechengut, in dem sich auch Maiskörner und ein Plastikstäbchen finden. „Das Gebäude, in dem sich die Rechenanlage befindet, ist auch komplett neu gemacht worden“, erläutert Borchers. „Es war in die Jahre gekommen, und es geht ja auch darum, angemessene Arbeitsplätze für die Mitarbeiter zu schaffen.“ Auch die Computeranlage ist nun auf dem neuesten Stand. Sie meldet beispielsweise sofort, wenn irgendwo eine Störung auftritt, und alarmiert die Bereitschaft.

„Die Anpassungen sind auch notwendig, weil die Anforderungen gestiegen sind“, so Borchers. Schließlich wächst Bassum immer weiter und „mit jedem neuen Baugebiet wächst auch die Zulaufmenge “, fügt Anlagenkoordinator Gerd Lehmkuhl hinzu.

Zu den Anforderungen für die Anlage gehört unter anderem, den Stickstoffausstoß so gering wie möglich zu halten. „Wenn der menschliche Urin in die belüftete Phase der Anlage kommt, entsteht durch Bakterien Nitrat. Kommt es dann in die unbelüftete Phase, wird der Sauerstoff durch andere Bakterien abgebaut und herausgeholt, und Stickstoff entsteht, der als Gas in die Luft geht. Unser Anliegen ist es, die Menge an Stickstoff im Ablauf der Kläranlage so gering wie möglich zu halten, um die Natur nicht zu belasten“, sagt Borchers.

Das gleiche gilt für den Klärschlamm. „Indem wir Schwimmstoffe aus dem Belebtschlamm ziehen, entsteht weniger Klärschlamm, der entweder auf die Felder gebracht oder verbrannt werden muss. Die neue Anlage produziert weniger“, so Borchers.

Die fünf Mitarbeiter müssen aber auch Probleme beheben, die durch schlichte Ignoranz oder Unwissenheit entstehen. „Feuchttücher bereiten uns viel Ärger“, so Lehmkuhl. „Da sie reißfest sind, wickeln sie sich um die Pumpen und verstopfen diese. Dann müssen die Kollegen rausfahren, sie rausziehen und die Pumpe reinigen.“ In 2020 habe es bisher 60 Störungen gegeben, von denen ein Drittel durch die Feuchttücher verursacht wurde. „Tendenz steigend“, so Borchers und betont: „Das WC ist kein Abfalleimer.“

Doch die Mitarbeiter haben auch die Zukunft im Blick. „Über Medikamentenrückstände und Mikroplastik wird schon heute diskutiert. Die Politik wird entscheiden, ob wir neben den drei Reinigungsstufen, die es jetzt schon gibt – mechanische, biologische und chemische – noch eine vierte bekommen, eine Feinfiltration, mit der man viel Aufwand betreiben muss, aber auch viel herausziehen kann“, sagt Stefan Fauerbach, Regionalleiter des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV).

Was 2020 noch ansteht, ist die Erneuerung eines Abwasserpumpwerks. Für diese Arbeiten wird in Eschenhausen eine Straße gesperrt werden müssen. „Die Pumpen müssen mehr Leistung bringen als früher“, sagt Lehmkuhl. Das liegt daran, dass die Leute heute weniger Wasser verbrauchen – die Verschmutzung aber die gleiche geblieben ist. „So befindet sich in den Rohren mehr Abfall und weniger Wasser. Deswegen müssen die Pumpen mehr tun, um es zum Klärwerk zu befördern. Und Bassum ist eine großflächige Gemeinde.“

Um ihre Anlage auf dem neuesten Stand zu halten, greift der OOWV tief in die Tasche. Allein die Instandsetzung eines Belebungsbeckens kostet 450.000 Euro. Auch die Zahl der Mitarbeiter hat sich erhöht. „Früher waren wir hier zu dritt, jetzt sind wir fünf, weil die vielen Aufgaben sonst gar nicht zu bewältigen wären“, sagt Lehmkuhl. „Wir betreuen ja auch das Kanalnetz vor Ort.“ Allein bei der Reparatur einer Pumpe müssen zwei Mann ausrücken. Hinzu kommen die laufenden Betriebskosten.

Im Dezember 2019 erhöhte deshalb der OOWV die Abwassergebühr um 74 Cent je Kubikmeter (wir berichteten). Damit in Bassum auch in Zukunft das Abwasser zuverlässig und möglichst umweltschonend gereinigt werde, heißt es.

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