Elke Steding und Heiner Hibbing laden ein

30 Jahre Biolandhof in Bramstedt: Vom Feld auf den Tisch

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Elke Steding und Heiner Hibbing bereiten eine Ausstellung vor und kramen in ihren Erinnerungen.

Bramstedt - Von Frauke Albrecht. Für Aktionen, die Menschen zum Nachdenken und vor allem zum Umdenken anregen, sind Elke Steding und ihr Mann Heiner Hibbing immer zu haben. Deshalb standen bis vor Kurzem auch gelb-schwarze Fässer vor ihrer Hofeinfahrt. Was dazu führte, dass ein Steppke nach dem Besuch seiner Klasse auf dem Hof am heimischen Küchentisch erzählte: „Du Mama, bei Stedings steht der Atommüll vor der Tür.“

„Auf die Fässer werden wir oft angesprochen“, schmunzelt Steding. Mit der Aktion möchte sie auf die Gefahren der Atomkraft hinweisen und darauf, dass es kein sicheres Endlager gibt. Und sie möchte eine Lanze für die regenerative Energie brechen.

Steding und ihr Mann engagieren sich in vielfacher Hinsicht und in vielen Initiativen – sei es bei Energie in Bürgerhand und bei Attac. Vor allem aber sind sie Vorreiter in Sachen ökologischer Landbau. Vor 30 Jahren gründeten sie ihren Biolandhof in Bramstedt.

Anfangs bewirtschafteten sie auf dem elterlichen Hof einen halben Hektar – versuchsweise im Nebengewerbe. Daraus sind schnell 17 Hektar geworden. Den 30. Geburtstag wollen sie feiern und laden für Sonntag, 6. August, von 11 bis 17 Uhr zum Hoffest und Tag der offenen Tür ein.

Zur Zeit läuft die Tomatenernte.

Die Besucher dürfen sich auf Musik, jede Menge Informationen zum ökologischen Landbau, auf Kaffee, Kuchen, Köstlichkeiten zum Probieren und vor allem auf geführte Rundgänge freuen. Steding: „Wir zeigen, wo das Gemüse wächst.“

Auf 17 Hektar bauen die Bramstedter 40 Kulturen an. Stedings setzen auf Vielseitigkeit – „wir ernten das ganze Jahr über“. So hat der Verbraucher zu jeder Jahreszeit frisches Gemüse auf dem Tisch. Im Februar kommen Radieschen, Salat, Kohlrabi und Lauchzwiebeln in die Erde. Als Folgefrucht pflanzen Steding und Hibbing Tomaten, Gurken, Peperoni, Aubergine sowie Paprika. Aber auch Möhren, Sellerie, Pastinaken und Rote Bete können frisch gehalten werden. Im Winter ernten sie Porree, Rosenkohl, Grünkohl und Wirsing. Zusätzlich halten sie Hühner und haben eine eigene Hofbäckerei. Von Beginn an haben die beiden ihre Produkte selbst vermarktet – allerdings in etwas kleinerem Rahmen. Vor 30 Jahren zog das Paar mit einem Tapeziertisch zum Markt. Heute finden die Kunden im Hofladen ein Vollsortiment vor. Was Stedings selbst nicht anbauen, liefert unter anderem das Naturkostkontor aus Bremen.

Es gab Höhen und Tiefen

Sie haben Höhen und Tiefen erlebt – ihre Bilanz fällt durchaus positiv aus. „Es ist viel Arbeit, macht aber unglaublich viel Spaß. Auch dank toller Mitarbeiter.“ So soll es weitergehen, gerne auch die nächsten 30 Jahre.

Für den Hoftag haben die beiden eine kleine Ausstellung vorbereitet – Fotos und Zeitungsartikel über ihre Aktivitäten der vergangenen Jahre zusammengestellt. „Wir haben viele Menschen hier gehabt“, freut sich Steding. Praktikanten aus Ghana, Frauen aus dem Senegal und Delegationen aus dem Ostblock interessierten sich für die Arbeitsweise der Bramstedter. Aber auch Schul- und Kindergartenkinder durften Tomaten frisch von der Pflanze pflücken.

„Bildung und Aufklärung ist uns wichtig“, sagt Elke Steding. Das treibe sie an. Ihren Idealismus haben die zwei noch nicht verloren – trotz des massiven Höfesterbens. Sie zeigen, dass Landwirtschaft auch anders gehen kann. „Wir wollen eine sozial- und umweltverträgliche Landwirtschaft“, sagt Steding.

Paar pflegt aktive Protest-Kultur

Das Paar wird nicht müde, sich aktiv für seine Ziele einzusetzen und fährt auch schon mal selbst nach Berlin, um beim „Genfrei gehen“ mitzulaufen. Protest gegen Massentierhaltung, Verbot von Glyphosat, Infoabende zu Nitrat im Grundwasser – Elke Steding und Heiner Hibbing sind dabei. Und so stellen sie auch schon mal plakativ gelbe Fässer mit schwarzem Aufdruck an die Straße. „Wir haben sie nur kurz beiseite geräumt, um Werbung für das Hoffest anzubringen. Nach dem Fest stellen wir sie wieder auf.“

So ist es nicht verwunderlich, dass am 6. August auch befreundete Gruppen mit Infoständen dabei sind, unter anderem Attac und Energie in Bürgerhand.

Weitere Aussteller sind der Biolandverband, die Einrichtung WestFlügel und der Syker Künstler Henning Greve. Für Musik sorgt Ralf Rebensdorff aus Syke und ein Drehorgelspieler aus Aurich. Auch an die Kinder haben die beiden gedacht: Sie dürfen unter anderem Hühner füttern, bei der Ernte helfen und Getreide mahlen.

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