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Farbe für das Fönix

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Viel Spaß haben Jean, Lea, Jonna und Niclas beim Graffiti-Workshop am Jugendhaus Fönix.
Viel Spaß haben Jean, Lea, Jonna und Niclas beim Graffiti-Workshop am Jugendhaus Fönix. © Ute Schiermeyer

Bassum – Am Mittag standen sie noch vor zwei riesigen weißen Holzplatten. Ein paar Stunden und einige leere Spraydosen später zeigen Jean, Niclas, Lea, Jonna, Laura und Anna stolz das Ergebnis eines kreativen Nachmittags: zwei bunte Graffiti, die fortan die Sofaecke im Jugendhaus Fönix schmücken sollen. Das eine zeigt den Namen ihrer Heimatstadt, auf dem anderen haben die jungen Künstler ihre eigenen Namen verewigt. Ein weiteres Graffito ist noch in Arbeit: der Hamburger Graffiti-Künstler Roberto arbeitet an einem übergroßen Phönix, der den Schriftzug „Fönix“ umspannt. Dieser soll später das Aushängeschild des Jugendhauses werden.

Drei Profi-Sprayer zeigen den Jugendlichen, was sie mit Spraydosen alles machen können. „Das macht voll Spaß“, sind sich Laura und Anna einig. Die beiden 17-Jährigen sind seit Jahren Stammgäste im Jugendhaus und mit Begeisterung beim Workshop dabei. Das Ergebnis des kreativen Nachmittags gefällt den Mädchen, die überlegen, zu Hause auch mal ein Graffito zu erstellen. „Wir kaufen uns weiße Wände und Spraydosen und machen das im Garten“, sagt Laura. Beim Workshop im Jugendhaus gestalten sie den Schriftzug „Bassum“.

Jean, Niclas, Lea und Jonna besprühen eine zweite Platte mit ihren Vornamen. Auch sie finden das Angebot super. Zunächst haben sie die Farben ausgesucht und die Buchstaben aufgebracht. „Bei der Skizze hatten wir Hilfe“, erzählt Jonna. Nachdem die Elf- und Zwölfjährigen dann die Buchstaben aufgesprüht haben, zeigen ihnen die Profis, wie das Graffiti ausgearbeitet wird. Sie ziehen Konturen und Schattierungen über die Schrift. Am frühen Abend sind die Sprayer immer noch dabei, Kreise und Lichteffekte aufzusprühen. Der Feinschliff wertet die Wände ungemein auf. Am Ende des Tages staunen die Jugendlichen, was die Roberto, Achim und Lukas aus ihren Vorlagen machen.

Der Workshop steht unter dem Motto des Jugendhauses „Ihr für euch“, dass die Kinder und Jugendlichen animieren soll, selbst Ideen und Vorschläge einzubringen. „Es war der ausdrückliche Wunsch der Jugendlichen, dass das Fönix bunter wird“, erzählt Jugendhausleiter Marcus Libbertz. Nachdem das Jugendhaus 2018 grundlegend renoviert und umgestaltet worden war, fehlte es noch an der persönlichen Note und Gemütlichkeit. Abhilfe schaffen sollte die Installation bunter, indirekter LED-Beleuchtung, nun soll das Haus durch die farbenfrohen Graffiti-Wände noch gemütlicher werden. Auch ein Konsolenschrank, in dem die Playstation untergebracht ist, wird am Nachmittag mit bunten Farbspritzern aufgepeppt.

„Die Kinder und Jugendlichen sollen sich mit dem Haus identifizieren“, sind sich Marcus Libbertz und Andreas Storn einig. Es ist die erste gemeinsame Aktion des Fönix-Teams.

Marcus Libbertz ist seit Anfang Juli der Leiter des Jugendhauses und hat in Andreas Storn, der seit Jahren dort arbeitet, einen Gleichgesinnten gefunden. „Wir ziehen an einem Strang und haben die gleiche Vorstellung von moderner und zeitgemäßer Jugendarbeit“, sagt Libbertz, für den Graffiti eindeutig dazu gehört. Er kommt selbst aus der Hip-Hop-Szene und hat die drei befreundeten Hamburger Sprayer ins Jugendhaus eingeladen.

Marcus Libbertz geht mit den Jugendlichen auch in den Dialog und erklärt ihnen, was legal und was illegal ist. Für begeisterte Sprayer gebe es in vielen Städten sogenannte „Hall of Fames“ oder „Wall of Fames“, also Hallen oder Wände, in und an denen man ganz legal sprayen kann.

„Ein gutes Graffiti ist ein echter Schutz vor illegalem Besprühen“, erklärt Roberto, der seit mehr als 32 Jahren Wände mit seinen Kunstwerken verschönert. Denn es sei ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Arbeit eines anderen Künstlers nicht übersprüht wird.

Von Ute Schiermeyer

Für einen kreativen Schriftzug haben sich Laura und Anna entschieden.
Für einen kreativen Schriftzug haben sich Laura und Anna entschieden. © -

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