Etwa 200 Mitarbeiter der Sozial- und Erziehungsdienste protestieren in Bassum

„Streiken nicht leichtfertig“

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Hanne Roitsch-Schröder (l.) übergibt Luzia Moldenhauer (M.) die Forderungen der Erzieherinnen.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Eine kalte Dusche gab es gestern für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Sozial- und Erziehungsdienst bei der Demonstration in Bassum. Kaum waren die 200 Demonstranten losgelaufen, setzte ein heftiger Regenguss ein. Doch das schreckte die Teilnehmer nicht. Sie setzten ihren Weg zum Rathaus zielstrebig fort, um sich auf der anschließenden Kundgebung für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen.

Erster Stadtrat Norbert Lyko überlegte noch, den Streikenden kurzfristig die Mensa der Grundschule Mittelstraße zur Verfügung zu stellen. Doch das war nicht nötig, denn als die ersten mit Trillerpfeifen, Transparenten und vor allem mit roten Luftballons eintrafen, kam die Sonne heraus.

Anja Daumann, Personalratsvorsitzende beim Landkreis, moderierte die Kundgebung. Allerdings hatte sie nur ein Mikrofon dabei, das später den Dienst versagte. Viele Redner waren kaum zu verstehen.

Bassums Kindergartenleiterin Hanne Roitsch-Schröder konnte die Forderungen der Erzieherinnen allerdings noch mit Hilfe der Technik übermitteln. „Ich bin völlig beeindruckt, dass so viele gekommen sind“, begrüßte sie die Anwesenden. „So macht Arbeitskampf Spaß.“ Sie nannte unter anderem mehr Fachpersonal, kleinere Gruppenstärken, mehr Platz und großzügigere Einrichtungen, mehr Vorbereitungszeit und mehr Leitungs-Stunden.

„Wir streiken nicht leichtfertig, wir wissen um die Nöte der Eltern, wir wissen, wie wichtig Verlässlichkeit ist“, sagte sie. Doch angesichts des hohen Arbeitsdrucks und der immer schlechter werdenen Arbeitsbedingungen sei eine Aufwertung der Arbeit unverzichtbar – auch finanziell. „Erzieherinnen sind Fachkräfte, die einen wichtigen Auftrag übernehmen“, so Roitsch-Schröder. Es könne nicht sein, dass heute noch der Betreuungsschlüssel aus dem Jahr 1966 gelte, der die Gruppenstärke auf 25 Kinder festschreibt.

Die Anforderungen an Erzieherinnen seien in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Die zu betreuenden Kinder würden immer jünger, es gebe immer mehr verhaltensauffällige Kinder – „früher war ein Kind, das eine Sprachförderung benötigt eine Besonderheit. Heute ist es Alltag“, so Roitsch-Schröder.

Auf gut zwei Din-A-4-Seiten hatte sie aufgelistet, was Erziehrinnen Kindern heute laut Bildungs- und Erziehungsplan alles beibringen sollen. Das müsse aber auch bedeuten, dass das Kita-Gesetz der Realität angepasst werde.

Derzeit wird ein neues Kindertagesstättengesetz auf Landesebene vorbereitet. Über den aktuellen Stand informierte SPD-Landtagsabgeordnete Luzia Moldenhauer. Anfang Juli werde es eine erste Zusammenkunft geben, „dann werden wir in die Beratungen gehen.“ Sie rechnet nicht vor Mai 2016 mit einer möglichen Verabschiedung.

Sie nehme die Vorschläge gerne mit, erklärte Moldenhauer. Roitsch-Schröder war darauf vorbereitet und übergab die Forderungen in schriftlicher Form.

Doch nicht nur die Erzieherinnen, sondern auch die Sozialarbeiter berichteten über ihre Beweggründe, zu streiken und appellierten an die Solidarität aller, sie dabei zu unterstützen. Mit der Solidarität scheint es bei einigen aber nicht weit her. Denn der Kreis der Demonstranten reduzierte sich zusehends – und das noch während der Ansprachen.

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