Essen auf Rädern schwieriges Geschäft / Ambulante Betreuung stellt Service ein

Oma soll Rucola essen

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Warten auf den Bringdienst. Für manche Senioren ist die Begegnung manchmal der einzige Kontakt am Tag.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Im Alter bleibt vielfach die Küche kalt. Viele Senioren scheuen den Aufwand, für sich allein zu kochen oder können es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Und so ist Essen auf Rädern eine gute Alternative. Während in den Großstädten die Anbieter um die Gunst der Kunden buhlen, ist die Auswahl auf dem Land nicht sonderlich groß, wie ein Bassumer nun erfahren musste.

Er erhielt von seinem Lieferdienst die schlechte Nachricht, dass man den Bringservice aus wirtschaftlichen Gründen einstellen wird. Der Rentner ist Kunde der Ambulante Betreuung GmbH Bassum. Die Firma ist gleichzeitig Träger des Hauses Drei Linden. „Wir müssen unseren Dienst zum 13. Dezember einstellen“, heißt es in einem Brief. Als Grund werden gestiegene Kosten für Personal, Verwaltung und Lebensmittel genannt.

Um es den Kunden einfacher zu machen, schickten die Verantwortlichen in dem Schreiben gleich zwei Adressen von anderen Anbietern mit. Zum einen von Meyer Menü aus Goldenstedt und DRK Essen auf Rädern aus Barnstorf. „Diese Angaben sind allerdings fehlerhaft“, ärgert sich die Familie des Rentners, die für ihn die Anbieter abtelefonieren wollte. Meyer Menü aus Goldenstedt war mit einer falschen Telefonnummer angegeben worden. Das DRK Barnstorf liefert aus organisatorischen Gründen derzeit nicht in Bassum.

Eine Anfrage beim DRK Barrien war ebenso erfolglos. „Dort wurde uns mitgeteilt, dass man keine Kapazitäten mehr frei habe, weil zusätzlich 180 Essen für die Flüchtlinge in Twistringen zubereitet würden“, erzählt der Bassumer. Was nun?

Seniorenberatungsstelle nennt Anbieter-Adressen

Ursel Born von der Seniorenberatungsstelle Bassum kennt die Problematik. „Ich habe desöfteren Anfragen nach einem mobilen Mittagstisch.“ Sie gibt dann die ihr bekannten Adressen weiter. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, so Born. „Ich weiß, dass auch das Restaurant Dillertal Essen ausliefert, ebenso die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Syke und Menke Menü aus Bremen.“ Wobei die Awo mit Menke Menü zusammen arbeitet.

Das Restaurant Dillertal wirbt auf seiner Internetseite mit einem Bringdienst an 365 Tagen im Jahr. Kosten für ein Mittagessen inklusive Dessert und Lieferung: 5,50 Euro. „Vor Weihnachten nehmen wir aber keine neuen Kunden mehr an. Mir fehlen die Fahrer“, sagt Inhaber Heiner Bomhoff auf Anfrage. Im Januar könnte sich das ändern.

Aus Erfahrung weiß er, dass die Kundschaft wechselt. „60 Prozent unserer Kunden sind Stammkunden, der Rest wechselt immer mal.“

Bomhoff ist überzeugt von seinem Essen: „Auch die Wechsler sind zufrieden mit uns.“ Das eigentliche Problem sei das Umfeld der Kunden. Da werde ganz viel gequakt. „Warum habt ihr keinen Speiseplan?... Oma soll Rucola essen statt Salat mit Mandarinensahnesoße... Warum gibt es Weihnachten keine Gans?“ Bomhoff: „Es gibt das, was Mama kocht, und das schmeckt gut und wird frisch zubereitet.“

Er beliefert im Raum Bassum gut 70 bis 80 Kunden, auch in den Ortsteilen. „Und das an 365 Tagen im Jahr. Wir kommen sogar bei Eis und Schnee“, sagt Heiner Bomhoff und fügt hinzu: „Unsere Fahrer sind manchmal die einzigen Menschen, die einige Ältere am Tag zu Gesicht bekommen.“

Die Awo Syke hat nach eigener Aussage etwa 20 Kunden in Bassum. „Wir können aber nur im Kerngebiet ausfahren. Nicht in den etwas entlegenen Ortsteilen“, sagt Awo-Mitarbeiterin Linda Eggers. Einzelanfragen beispielsweise aus Apelstedt oder Nienstedt müsse man absagen.

Die Fahrer liefern montags bis freitags warme Mahlzeiten. Mehrere Essen stünden zur Auswahl. Am Wochenende komme Tiefkühlkost auf den Tisch. „Die bringen unsere Fahrer dann freitags mit“, berichtet Linda Eggers. Der Preis variiere zwischen 4,60 und 6,60 Euro pro Mahlzeit.

„Dafür können wir nicht mehr liefern“, erklärt Lars Schumann, Geschäftsführer der Ambulante Betreuung GmbH. „Wir bedauern unsere Entscheidung. Aber aus wirtschaftlichen Gründen haben wir diese treffen müssen“, begründet Schumann die Einstellung des Lieferdienstes. „Das ist nicht unser Kerngeschäft. Wir haben mehr Kosten für Personal, Verwaltung und Lebensmittel. Das rechnet sich nicht bei etwa 40 Kunden. Wir hätten die Kosten von jetzt 6,50 Euro auf neun Euro anheben müssen. Das ist kein Kunde bereit zu zahlen“, ist Schumann überzeugt.

Er betont, dass es im Haus Drei Linden weiterhin Essen gibt. Nur der Bringdienst würde eingestellt.

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