Treffen des Klima-Aktions-Bündnis / Andreas Nieweler spricht über die Kooperation von AWG und GAR

„Es scheint Handlungsbedarf zu geben“

Bewies diplomatisches Gespür: Andreas Nieweler bei seinem Vortrag.
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Bewies diplomatisches Gespür: Andreas Nieweler bei seinem Vortrag.

Twistringen/Bassum – Man war versucht, Chapeau zu sagen, als sich Andreas Nieweler, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) vom Plenumstreffen des Klima-Aktions-Bündnisses verabschiedete. Denn er hatte viel diplomatisches Gespür bei einem sehr sensiblen Thema bewiesen, zeigte sowohl klare Kante als auch Verständnis. Nieweler war eingeladen worden, weil die Bündnis-Mitglieder sich dafür interessierten, inwieweit der Abfall aus dem Landkreis bei der GAR landet und wie die AWG die jüngsten Ereignisse bei der Firma bewertet.

Doch da gab es auch einen Satz in der Einladung, der Niewelers Puls nach oben trieb: „Da die AWG ein wahrscheinlich nicht ganz unbedeutender Kunde der GAR ist, bestehen mittlerweile große Zweifel an einer natur- und umweltschutzgerechten Müllentsorgung in unserem Landkreis.“ „Das hat mich irritiert, getroffen und geärgert“, stellte Nieweler gleich zu Beginn seines Vortrags klar und gab den Zuhörern einen Einblick in die Projekte und Neuerungen, die die AWG bereits seit Jahrzehnten zum Schutz der Umwelt und des Klimas eingeführt hat.

Ende der 1980er-Jahre habe die AWG damit begonnen, Deponie-Gase für ein Blockheizkraftwerk zu nutzen, in den 90er-Jahren führten sie als einer der ersten Landkreise die Bio-Tonne ein, 2010 ging die Vergärungsanlage auf dem Gelände in Betrieb, 1998 kam die Winderzeugung hinzu und vor sieben Jahren die Fotovoltaikanlagen auf alle Dächer.

„Unser Betrieb erzeugt sieben mal so viel Energie wie er verbraucht – ist also mehrfach autark“, betonte Nieweler. Gemeinsam mit der Stiftung Naturschutz hebe man Schlatts aus und sei aktuell auf der Suche nach einer Möglichkeit, Wärme besser zu nutzen. Zudem fördert die AWG klimarelevante Projekte über Crowdfunding. „Wir tun, was wir können, um den Schaden, den unser Betrieb unweigerlich anrichtet, zu kompensieren.“

Nach diesem Überblick kam Nieweler nun zu dem Themenpunkt, der wohl viele Zuhörer am meisten interessierte: Die Zusammenarbeit von AWG und GAR. Die AWG bringt einen Teil ihres Altholzes zur Gesellschaft für Abfall und Recycling, um es dort zerkleinern zu lassen. Außerdem stellt sie die Verpackungstonnen und holt sie ab, „damit der Bürger einen Ansprechpartner vor Ort hat“, erklärte Nieweler die Intention. Um diesen Auftrag muss sich die AWG im Jahr 2022 neu bewerben, weil dann der Vertrag ausläuft.

„Bei der GAR handelt es sich um eine anerkannte Fachfirma, und sie gehört zu den Besseren in der Branche“, so Nieweler. „Wir können nicht klagen. Wir achten auch darauf, mit wem wir zusammenarbeiten. Aber natürlich muss man nach den Vorfällen in der Vergangenheit genau hinschauen, was dort passiert.“ Das Großfeuer sei in seinen Augen kein Schicksal der GAR, da etwas Ähnliches vor vier Wochen auch in Gummersbach passiert sei.

Doch wenn die AWG mit einem solchen Betrieb zusammenarbeite, müsse sie doch auch darauf achten, wie dieser arbeite, fand ein Zuhörer. „Wenn es zu große Emissionen gibt, müsst ihr denen sagen: Arbeitet besser!“ Ein anderer fragte nach den ethischen Grundsätzen. „Wenn die Bürger klagen, müsst ihr dann nicht nachhaken?“

Nieweler erklärte, dass es nicht Aufgabe der AWG sei, den Betrieb zu kontrollieren, sondern die der Behörden. Natürlich würde man darauf schauen, wie die Firma arbeite, die man mit dem Schreddern beauftrage, aber die GAR könne Qualitätsstandards nachweisen und „ohne Emissionen geht es nicht. Doch wenn ein gewisses Maß überschritten ist, muss man gucken.“

Eine Zuhörerin beklagte den Müll, der überall um die GAR in der Natur zu finden sei, weswegen sie ihren Müll nur noch zur AWG bringe. „Sie sollten das Gebiet reinigen“, schlug sie vor. Ein weiterer Gast brachte noch mal den Vorfall aufs Tapet, bei dem eine stinkende Lache im angrenzenden Wald gefunden wurde, bei der er sich laut Aussage der Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde um das Löschwasser vom letzten Brand handelt (wir berichteten). Der Vorfall wird derzeit noch untersucht.

Nieweler zeigte Verständnis für den Ärger und bedauerte, dass der Dialog zwischen GAR und Bürgern abgebrochen sei. „Es scheint Handlungsbedarf zu geben, aber ich will mich nicht weiter dazu äußern“, so der Geschäftsführer, der den Zuhörern noch einen Gedankenanstoß mit auf den Weg gab. „Wir wollen alle keinen Mülltourismus. Aber das heißt, dass der Müll hier vor Ort verwertet werden muss. Im Landkreis Diepholz machen wir das und verarbeiten einen Großteil hier. Andere Landkreise schicken ihn weg – und die haben auch keine Bürgerinitiativen. Denn die Entsorgung will niemand vor der Tür haben. Wenn irgendwo so ein Zentrum gebaut werden soll, gibt es immer einen Aufschrei.“

Dass Nieweler den richtigen Ton getroffen hatte, wurde am Ende mehr als deutlich. Mit viel Applaus wurde er verabschiedet, ebenso mit der Frage: „Können Sie nicht Berater bei der GAR werden?“.

Von Julia Kreykenbohm

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