Austauschschülerin Merle Buchholz verrät, wie die Stimmung in den USA ist

„Es ist emotional aufgeladen“

Merle Buchholz kommt aus Bassum, wohnt aber aktuell mit ihren amerikanischen Gasteltern in Mazomanie im Bundesstaat Wisconsin.
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Merle Buchholz kommt aus Bassum, wohnt aber aktuell mit ihren amerikanischen Gasteltern in Mazomanie im Bundesstaat Wisconsin.

Bassum – Die Welt hat in den vergangenen Tagen gespannt auf Amerika geschaut: Die Wahl des neuen Präsidenten der USA war und ist auch nach Joe Bidens Sieg das Thema in den Medien. Doch wie sieht die Stimmung im Land aktuell eigentlich aus? Die 16-jährige Merle Buchholz aus Bassum ist derzeit als Austauschschülerin im Bundesstaat Wisconsin. Dort stand das Ergebnis schon früh fest. Herausforderer Joe Biden ließ den amtierenden Präsidenten Donald Trump knapp hinter sich und sicherte sich die zehn Stimmen der Wahlleute. Trump forderte daraufhin in Wisconsin eine Nachzählung. Merle Buchholz verrät im Gespräch mit der Kreiszeitung, wie sie die aktuelle Situation vor Ort wahrnimmt.

Die 16-Jährige ist seit Mitte August dieses Jahres in den USA und hat den „harten“ Wahlkampf somit miterlebt, denn zum Zeitpunkt ihrer Anreise gaben sowohl die Republikaner als auch die Demokraten offiziell ihren jeweiligen Kandidaten bekannt. „Überall in den Gärten stehen ,Vote Biden-Schilder!‘ (Anm. d. Red. Wählt-Biden-Schilder). Die wurden in den vergangenen Wochen vor der Wahl immer mehr“, erklärt die Austauschschülerin. Nur vereinzelt habe sie auch Trump-Schilder gesehen, denn in Merle Buchholz’ Gegend seien die meisten Anhänger der Demokraten.

„Die Stimmung ist emotional sehr aufgeladen“, beschreibt die Bassumerin die Lage vor Ort. Aktuell habe ihre Schule auf Homeschooling, also Hausunterricht, umgestellt. Über die Konferenz- und Videosoftware Zoom habe sie bei einem Mitschüler schon einmal eine Trump-Flagge im Hintergrund gesehen. „Von Austauschschülern aus anderen Bundesstaaten habe ich sogar gehört, dass es dort an den Schulen Hardcore-Trump-Anhänger gibt. Und wenn du nicht für Trump bist, dann reden die einfach nicht mehr mit dir“, erzählt die 16-Jährige schockiert. An ihrer Schule sei das allerdings nicht so. Auch die meisten Lehrer seien bei diesem Thema sehr vorsichtig. Merle Buchholz nennt ein Beispiel: „Mein Geschichtslehrer betont immer, dass jeder seine Meinung haben könne, aber dass man auch die andere akzeptieren müsse.“

Die Wahl sei stets das Thema gewesen, über das alle Amerikaner gesprochen hätten. „Jung und Alt“, fügt sie hinzu. Bei ihren Gasteltern lief pausenlos der Fernseher, um den weiteren Verlauf des Wahlgeschehens verfolgen zu können. Bereits vor der Wahl habe sich ihr Gastvater intensiv damit beschäftigt. Zu Hause hat die Bassumerin demnach viel mit ihrer Familie über das Thema gesprochen, mit ihren Freunden allerdings gar nicht.

Merle Buchholz’ Gasteltern sind Trump-Wähler. Warum? Ihr amerikanischer Gastvater habe ihr erklärt, dass er durch Trump und seine Steuersenkung mehr Geld auf dem Konto hätte. Auf die Frage, wen sie gewählt hätte, sagte die Austauschschülerin: „Das ist schwierig zu sagen. Ich habe mich sehr viel informiert und ich finde, Trump hat sowohl gute als auch schlechte Dinge getan. Biden ist aber auch ein ganz komischer Fall.“

Joe Biden holte sich mit 49,4 Prozent der Stimmen den Sieg in Wisconsin. „Als das Ergebnis hier bekannt wurde, war die einzige Reaktion meines Vaters ,Der Unterschied ist klein genug für einen Recount‘“, erinnert sich die 16-Jährige. Mit Recount ist eine Neuauszählung der Stimmen gemeint. Bereits in vergangenen Jahren griff diese Maßnahme – was üblich ist, wenn das Rennen zwischen den beiden Kandidaten besonders eng ist. Auch jetzt, nachdem Joe Biden durch den Triumph in Pennsylvania am Wochenende als Gewinner der Präsidentschaftswahl gilt, würde Merle Buchholz’ Gastvater auch weiterhin daran festhalten, dass Trump durch die Recounts und die von ihm eingereichten Klagen seinen Posten im Weißen Haus behalten werde, erläutert die Bassumerin. Die Austauschschülerin geht ebenfalls davon aus, dass es Nachzählungen geben wird. „Und das Ganze wird bestimmt noch sehr lange dauern“, meint sie.

Von Nala Harries

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