Klima-Aktionsbündnis will Lebensgrundlagen sichern helfen – schnell

Es gibt keinen Planeten B

Der Klimawandel ist ein lebensbedrohendes Thema: Joachim Golz und Thomas Suermann (v.l.) hoffen auf viele Unterstützer für das Klima-Aktionsbündnis.
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Der Klimawandel ist ein lebensbedrohendes Thema: Joachim Golz und Thomas Suermann (v.l.) hoffen auf viele Unterstützer für das Klima-Aktionsbündnis.

Landkreis  Diepholz. Es geht um unsere Lebensgrundlagen: „Es muss etwas getan werden“, fordern Thomas Suermann und Joachim Golz – und das ebenso schnell wie wirksam. Beide engagieren sich im Klima-Aktionsbündnis und wissen: „Der Klimawandel ist das komplexeste Problem unserer Welt.“ Die Ereignisse scheinen ihnen Recht zu geben: Die verheerenden Waldbrände in Kanada und die Fluten nach dem Hochwasser in Deutschland, die Tote forderten und Häuser sowie Lebensgrundlagen zerstörten, sind Realität.

„In erster Linie ist es das Wetter“, aber genau das – genauer gesagt die Großwetterlage – verändere sich: „Das kommt durch die Erwärmung der Atmosphäre“, mahnt Thomas Suermann. „Und der Meere“, fügt Joachim Golz hinzu. Ob Waldbrände oder Hochwasserkatastrophen: „Alle haben Angst, das als Ausbruch des Klimawandels zu erklären“, sind die Sprecher des Aktionsbündnisses überzeugt. „Denn dann müsste die Konsumgesellschaft infrage gestellt werden.“ Genau die wirft fatale Schatten.

Eigentlich, so überlegt Thomas Suermann, müsste man auf den Standard der 1970er-Jahre zurück gehen: „Dann hätten wir diese Probleme nicht“. Doch die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen – aber Weichen können anders gestellt werden. „Wir müssen die Dekarbonisierung unseres Lebens hinbekommen“, mahnt Joachim Golz.

Podiumsdiskussion

Deutschland 2035 klimaneutral? Diese Frage prägt die Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl, die das Klima-Aktionsbündnis am Mittwoch, 4. August, an der Freudenburg in Bassum anbietet – als Freiluftveranstaltung. Ab 19 Uhr sollen auf der Bühne die Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Diepholz-Nienburg I zu diesem Thema Stellung beziehen. Eingeladen hat das Aktionsbündnis Peggy Schierenbeck (SPD), Sylvia Holste-Hagen (Grüne), Andreas Hinderks (FDP) und Axel Knoerig (CDU). Die Organisatoren hoffen auf zahlreiche Teilnehmer – und werben mit einem Slogan für ihre Podiumsdiskussion: There is no planet B – es gibt keinen Planeten B. Die Veranstaltung soll auch bei Regen stattfinden, deshalb sollten Besucher an eine angemessene Kleidung denken. 

Er hat errechnet: Um die CO2-Richtwerte zu erreichen, müssten allein in Bassum 153 168 Tonnen CO2 eingespart werden – pro Jahr. In Syke wären es 240 269 und in Twistringen 124  493 Tonnen jährlich. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) müssten in der Energiewirtschaft eingespart werden, 20,7 Prozent in der Industrie und 18,2 Prozent beim Verkehr. In den Haushalten müsste das Minus 10,2 Prozent betragen, in der Landwirtschaft 7,8 und in Handel und Gewerbe 4,2 Prozent. Beim Abfall wären es noch 1,2 Prozent.

Das Aktionsbündnis will dafür mehr als Impulse setzen – und entwickelt in verschiedenen Arbeitsgruppen Projekte und Ideen zu Themen wie Landnutzung, Mobilität, Konsum, Energie und Regionalität. Thomas Suermann und Joachim Golz sind überzeugt: „Die Kommunen sind diejenigen, die den Klimawandel aufhalten können.“ Missstände prangert das Aktionsbündnis immer wieder an – zum Beispiel die für Radfahrer und Fußgänger unbefriedigende Ortsdurchfahrt in Syke-Okel. Dort ist für den 11. September ein Fahrrad-Aktionstag geplant.

Um die Verpackungsflut in der Gastronomie einzudämmen, holt das Aktionsbündnis in Kürze die Gastronomen der Region an einen Tisch. Ziel: Einwegverpackungen durch Mehrweg-Geschirr zu ersetzen. Denn: „Die jährlich anfallenden Verpackungsabfälle erreichen Rekordwerte.“ In Deutschland seien es schon vor sieben Jahren 18 Millionen Tonnen gewesen – mit einer CO2-Bilanz von 180 Gramm pro Stück, bei nur 30 Gramm Material.

„Wir überleben das noch“, schmunzelt Thomas Suermann, „wir sind schon jenseits der 60“. Dreiviertel der Mitstreiter im Bündnis seien es auch. Das muss sich ändern, betont er: „Wir hätten gerne ein paar Enkel dabei.“ Denn das Aktionsbündnis arbeite an einer „Enkel verträglichen Gesellschaft“. Sprich an der Sicherung der Lebensgrundlagen für spätere Generationen.

Was können wir tun, um sie zu erhalten? Diese Frage war es, die vor drei Jahren Menschen der Region aufgerüttelt hatte: Ein mit 500 Zuhörern besuchter Vortrag von Professor Henning Austmann war die Geburtsstunde des Bündnisses. Danach hatten sich die heutigen Mitstreiter zusammengefunden. Die Organisation ist bewusst flach gehalten. Das Plenum ermöglicht einen regelmäßigen Austausch. Dort stellen die Arbeitsgruppen allen Interessierten ihre Projekte und Ideen vor. Wegen Corona war das lange Zeit nicht möglich. Weitere Infos finden Interessierte im Internet

Von Anke Seidel

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