Rundkurs zwischen Bassum und Sulingen

Der grünste Radweg im Landkreis: Auf Erdmanns Spuren quer durch den Wald

Eine Weggabelung mitten im Wald mit schlammigem Boden.
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Teils nach Regen unwegsames Gelände, aber dafür wunderschön durchs Grüne: der neue Erdmann-Radweg bei Bassum-Neubruchhausen.

Neubruchhausen – Zielstrebig und ohne zu schlingern fährt der Landrat mit seinem Pedelec durch den Morast. Knapp hinter ihm balanciert der Forstamtsleiter erstaunlich geschickt mit seinem Fahrrad über den aufgeweichten Waldboden. Es folgt der Redakteur, stark schwankend auf seinem Fahrrad, und ein wenig abgeschlagen die Pressesprecherin auf einem Klapprad, das sie sich aber nur geliehen hat.

45 Minuten zuvor: Die Niedersächsischen Landesforsten haben an der Alten Oberförsterei Neubruchhausen einen Pavillon aufgebaut – es gibt etwas zu feiern. Vor rund vier Jahren habe eine Praktikantin die zündende Idee gehabt, erzählt Forstamtsleiter Henning Schmidtke vor einer kleinen Gruppe an Unterstützern und Politikern. Warum nicht dem hiesigen Pionier des modernen Mischwalds einen Radweg widmen? Friedrich Erdmann war vor gut 130 Jahren Oberförster in der Region und hinterließ nicht nur wegen seines langen weißen Bartes bleibenden Eindruck. Mit ungewöhnlichen Baumartenmischungen verwandelte er kränkelnde Kiefernwälder und verarmte Heideflächen in gesunde, starke Wälder, die noch heute Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme deutlich besser wegstecken als Waldflächen andernorts.

Peter Braunert und Rainer Städing klemmten sich federführend hinter das Projekt – ein ehemaliger Revierleiter und ein Pressesprecher in den letzten Berufsjahren. Die Konzeption eines Radweges kostet üblicherweise nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit. Bei den Landesforsten war es ein Projekt, das über viele Monate neben den eigentlichen Aufgaben lief – und das vom Einsatz zahlreicher Helfer lebte.

Während einige von ihnen den rund 80 Kilometer langen Erdmann-Radweg konzipierten, der sieben Waldgebiete zwischen Bassum-Neubruchhausen und Sulingen umschließt, entwickelte eine junge Mitarbeiterin Baumartentafeln. Diese informieren über die Zusammensetzung des Mischwaldes, während an elf weiteren Stationen über Erdmanns Leben und Wirken berichtet wird.

Kommt mit seinem Pedelec trotz aufgweichtem Waldboden gut voran: Landrat Cord Bockhop auf dem neuen Erdmann-Radweg bei Bassum-Neubruchhausen. Mit dabei: Forstamtsleiter Henning Schmidtke ohne Pedelec.

Von dem Ergebnis der Arbeiten überzeugten sich die Anwesenden gleich im Anschluss an Schmidtkes Rede und ein Grußwort des Landrats. Der Erdmann-Radweg kann als große Tour, drei 30-Kilometer-Touren oder als Elf-Kilometer-Schnupperrunde gefahren werden. Letztere führt von der Alten Oberförsterei erst einmal wenig fahrradtauglich über eine schlecht einsehbare Landstraße ohne Radweg. Doppelte Erleichterung, als es nach ein paar hundert Metern plötzlich mitten ins Grüne geht. Kleine Schilder mit Erdmanns markantem Profil weisen den Weg.

Es geht über befestigte Waldwege und wenig befahrene Asphaltstraßen. Außerhalb des Waldes setzt der Erdmann-Radweg auf das bereits vorhandene Radwegenetz des Landkreises. Bockhop und Schmidtke fahren vorweg durch das satte Grün, das vom letzten Regenschauer noch schwer an den Bäumen hängt. Pünktlich zur Fahrradtour hatte sich die Sonne gezeigt – doch der Waldboden ist nass. Das wird zum Problem, als der Waldboden erdiger wird. Seenlandschaften auf dem Waldweg, matschige Fahrrinnen: Die Tour wird zum Geschicklichkeitstest.

Doch die schlechte Wegstrecke ist bald vorbei. Beim Stopp an einer Kreuzung zeigt Schmidtke nach rechts: Dieser Waldabschnitt werde anders als die anderen seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet und sich selbst überlassen – eine Form von Naturschutz, die häufig übersehen werde.

Erdmanns Grab am Erdmann-Radweg bei Neubruchhausen.

Kurz vor der Oberförsterei schließlich ein weiterer Stopp. Zu Fuß geht es ein paar Meter über ein Pfad. Unter dichten Buchen liegt Erdmann unter einem großen Findling begraben. Eine Teilnehmerin erzählt vom Lebemann Erdmann, der gerne auch mal auf den Freimarkt ging – und von den Erzählungen um seine uneheliche Tochter. Ein anderer fragt: Was muss man tun, um hier beerdigt zu werden? Schmidtke lacht und sagt: Chef sein. Damit einem dann allerdings noch ein Radweg gewidmet wird, braucht es noch einmal deutlich mehr.

Weitere Infos

www.erdmannwald.de, Infotafel an der Alten Oberförsterei sowie der Radweg-Flyer der Landesforsten.

Die große Tour als GPS-Aufzeichnung: www.komoot.de/tour/289189195.

Und die kleine Schnupperrunde, die Schmidtke und Bockhop zur Eröffnung gefahren sind: www.komoot.de/tour/376393196.

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