Nur wenig Resonanz auf Angebot der Stadt

„Jedes Kind kann schwimmen“: Eltern zeigen kaum Interesse

Zu wenig Kinder können schwimmen. Dabei bieten Stadt Bassum und DLRG Kurse an. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Zu wenig Kinder können schwimmen. Dabei bieten Stadt Bassum und DLRG Kurse an.

Bassum - 21 Kinder in den vierten Klassen der Bassumer Grundschulen haben kein Seepferdchen. Das ist die traurige Bilanz der Auswertung, die aus dem Programm „Jedes Kind kann schwimmen“ hervorgeht. All diesen Kindern machte die Stadt Bassum das Angebot, sich das Abzeichen zu verdienen, in dem sie einen zusätzlichen Schwimmkurs auflegte. Keine Familie ist davon ausgeschlossen. Wo das Geld fehlt, springt die Stadt ein (wir berichteten). Doch das wirklich Traurige ist: Nur drei Familien haben dieses Angebot bisher genutzt.

18 Kinder werden wohl als Nichtschwimmer an eine weiterführende Schule wechseln, nicht am Schwimmunterricht oder anderen Events im kühlen Nass teilnehmen können. Und weiterhin in der Gefahr schweben, eines Tages zu ertrinken.

„Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Norbert Lyko auf der Sitzung des Schulausschusses, wo er das Ergebnis des Programms vorstellte. Aber ohne die Mitarbeit der Eltern sei nichts zu machen.

Doch geschlagen geben will die Stadt sich dennoch nicht. „Wir werden noch vor der Hallenbadsaison eine erneute Abfrage machen. Diesmal schon bei den dritten Klassen, weil dort der Schwimmunterricht beginnt“, so der Erste Stadtrat. Zudem hat die Verwaltung dafür gesorgt, dass im Nachmittagsangebot der Grundschulen Mittelstraße und Petermoor Schwimmunterricht von der DLRG erteilt wird. Sonst gab es diesen Unterricht immer im Wechsel: ein Jahr an der Mittelstraße, im nächsten am Petermoor. „Allerdings liegt der Fokus dabei auf dem Üben des Schwimmens – nicht auf dem Erlernen“, betont Lyko.

Grundschulleiterin vermutet Desinteresse

Doch woran liegt es, dass die Eltern das Angebot der Stadt nicht wahrgenommen haben? „Desinteresse“, sagt Birgit Timmerberg, Leiterin der Grundschule Mittelstraße. „Wir haben wirklich alles versucht, die Eltern informiert und immer wieder angesprochen. Sie müssen ihr Kind doch einfach nur anmelden. Aber diese Initiative fehlt oft.“

Als Timmerberg das Gespräch mit Eltern auf einem Schwimmfest sucht, weil deren Kinder im Nichtschwimmerbecken sitzen, kommen ausweichende Antworten: „Wir haben keinen Kurs bekommen“, „Keine Zeit“ oder „Wir haben uns das vorgenommen“. Manchmal gibt es auch keine und einmal sogar eine patzige Reaktion. Einige Eltern hätten vielleicht auch keinen Zugang dazu, weil sie selbst nicht schwimmen können, vermutet Timmerberg.

Lesen Sie auch: Seepferdchen machen Kinder nicht zu sicheren Schwimmern

An der Grundschule Mittelstraße gibt es drei ausgebildete Schwimmlehrer. Immer zwei gehen zum Unterricht, wobei einer damit beschäftigt ist, auf die Nichtschwimmer zu achten. „Wir können im Unterricht nicht bei Null anfangen“, sagt Timmerberg. „Wenn ein Kind noch nie zuvor im Wasser war und erstmal daran gewöhnt werden muss, ist es kaum möglich, es bis zum Freischwimmerabzeichen zu führen.“

Viertklässler in Bramstedt können alle schwimmen

Doch Timmerberg sieht auch durchaus Erfolgsgeschichten. „Bei einigen Flüchtlingsfamilien hat das sehr gut geklappt. Da waren auch Kinder, die seit ihrer Flucht über das Meer Angst vor Wasser hatten. Die sind jetzt richtige Wasserratten.“ Es sei schade, dass das Angebot der Stadt so schlecht angenommen worden sei.

Keine Nichtschwimmer in der vierten Klasse gibt es hingegen an der Grundschule Bramstedt. Dort betreut sogar ein Vierer-Team, bestehend aus einer Lehrkraft, einer pädagogischen Mitarbeiterin sowie zwei Eltern, den Schwimmunterricht.

„Die Verzahnung von Schule und Elternhaus ist sehr wichtig“, sagt Schulleiter Tobias Baron. Man müsse sich klar machen, dass der Schwimmunterricht kein „Schwimmlernunterricht“ sei – trotzdem versucht Bramstedt, auch die Nichtschwimmer mit ins Boot zu holen. Mit Erfolg. „Die Kinder motivieren sich auch gegenseitig, und wenn sie das Abzeichen machen, wird das in einer Feier zelebriert.“

Kommentar zum Thema

Nichtschwimmer: Eltern gefährden ihre Kinder

Von Julia Kreykenbohm

Mindestens 18 Kinder in Bassum schweben in Lebensgefahr. Jedes Mal, wenn sie an einem Fluss spielen, später als Jugendliche mit Freunden an einem See feiern oder Spaß am Meer haben. Sie werden sich so manches Mal ausgeschlossen fühlen, wenn alle anderen im kühlen Nass herumtoben. 

Als Erwachsene überlegen sie sich vermutlich Ausreden, wenn Bekannte sie zum Schwimmen einladen, sind voller Scham und müssen mit der Angst leben, dass jemand merken könnte, was sie nicht können. Sie werden ihre eigenen Kinder und Enkel nicht im Wasser begleiten oder sie retten können, sollten diese einmal untergehen. Und all das, weil ihre Eltern sie nicht für einen Kurs anmelden.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Stadt Bassum auf ihr Angebot kaum Resonanz bekommen hat. Wenn Eltern schon kein Interesse daran haben, dass ihr Kind eine Fähigkeit erlernt, die sein Leben nicht nur bereichert, sondern sogar retten kann, stellt sich schon die Frage, warum sie überhaupt Eltern geworden sind. Einfach nur traurig!

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