Heinrich Iburg betreibt zwei Windkraftanlagen, die nicht mehr repowert werden dürfen

„Eisenschweine“ ohne Zukunft

Heinrich Iburg ist gespannt, was die Zukunft seinen beiden Windkraftanlagen bringen wird.
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Heinrich Iburg ist gespannt, was die Zukunft seinen beiden Windkraftanlagen bringen wird.

Stühren – Ruhig drehen sich die Rotorblätter der beiden Windkraftanlagen auf der kleinen Anhöhe in Stühren. Schon seit etwa 22 Jahren. „Ich wollte damals zum einen klimafreundlich Strom erzeugen und zum anderen ein zweites Standbein neben der Landwirtschaft aufbauen“, erinnert sich Heinrich Iburg an seine Intention zurück. Er betreibt eine der beiden Anlagen und die zweite gemeinsam mit anderen Anwohnern.

Wie lange das jedoch noch so sein wird, weiß er nicht. Es kommt drauf an, wie lange die Kosten nicht die Einnahmen übersteigen. Und das wird zwangsläufig irgendwann so sein, denn Iburg darf seine Anlagen nicht modernisieren oder durch neue ersetzen – sie also repowern. Damit werden sie über kurz oder lang unwirtschaftlich.

Der Grund: Die Stadt Bassum hat den Flächennutzungsplan geändert und darin Bereiche ausgewiesen, wo Windkraftanlagen ausschließlich stehen dürfen, damit die Landschaft nicht „zugespargelt wird“, wie Bauamtsleiter Martin Kreienhop erklärt. Diese Flächen befinden sich in Albringhausen und an der Landesstraße 776 in Richtung Harpstedt.

„Die alten Anlagen dürfen bleiben, denn sie haben Bestandsschutz. Die Besitzer entscheiden, wie lange sie sie noch betreiben wollen.“ Stühren fällt also raus, genauso wie Nordwohlde und Ringmar, wo ebenfalls Einzelanlagen stehen.

„Es ist schade“, findet Iburg. „Schade und enttäuschend, dass die alten Anlagen so wenig wertgeschätzt werden. Immerhin will Deutschland in ein paar Jahren aus der Atom-Energie aussteigen und keiner weiß, woher dann der ganze Strom kommen soll. Da könnte man den Strom aus den Anlagen, die ohnehin schon da sind, doch gut nutzen.“

Und wer jetzt denkt: „Na ja, was kann so eine kleine Anlage schon leisten?“, der unterschätzt sie. „Meine Anlage schafft etwa 700 000 Kilowatt im Jahr. Damit können – grob gerechnet – 233 Haushalte, in dem zwei Personen leben, versorgt werden“, sagt Iburg.

1996 begann er mit den Planungen für zwei kleine Anlagen, erkundigte sich auch bei einem Betreiber in Nordwohlde, wo schon eine 30-KW-Anlage stand. Da 1997 die Zuschüsse wegfielen, wären sie jedoch nicht mehr rentabel gewesen. So stellte Iburg einen Bauänderungsantrag und durfte 1998 statt der 150- eine 600-KW-Anlage errichten. Vier Jahre später kam die zweite Anlage hinzu.

Anfangs bekam er 18 Pfennig pro erzeugtes Kilowatt (KW). 2021 werden es unter vier Cent sein, schätzt Iburg.

Noch heftiger ist der Preisverfall während der Pandemie. „Der ist unter einen Cent gefallen.“ Im März war Iburg mit einem Stromabnehmer in Bremen im Gespräch, bei dem er 3,9 Cent bekommen hätte. Doch das Geschäft kam wegen Corona nicht zustande.

Iburg hat vor zwei Jahren ein Betriebsgutachten von seinen Anlagen machen lassen, dass ihm bestätigt, dass sie noch fünf Jahre laufen dürfen. Danach müsste ein weiteres Gutachten erstellt werden. Das kostet Geld. Ebenso wie Wartung, Versicherung und Reparaturen. Wobei Iburgs Anlagen nicht so anfällig sind wie die modernen mit ihrer sensiblen Technik. „Die sind gebaut wie Eisenschweine, hat der Gutachter gesagt“, erzählt Iburg und lacht. Zwar ist diese Technik anfälliger, aber dafür auch effektiver. „Sie produzieren günstiger Strom, für den man fünf bis sechs Cent pro KW bekommt.“

Iburg blickt nun auf den Herbst, in dem die Bundesregierung hoffentlich mitteilen wird, wie es mit den alten Anlagen weitergehen soll. „Denn 2021 fallen sie aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz raus.“ Das regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz und garantiert den Erzeugern feste Einspeisevergütungen. „Wir haben keine Planungssicherheit“, bedauert Iburg.

Von Julia Kreykenbohm

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