Expertenrat

Stress an Weihnachten muss nicht sein: Wünsche offen kommunizieren

Die Weihnachtszeit soll möglichst harmonisch sein. Dadurch steigt die Erwartungshaltung.
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Die Weihnachtszeit soll möglichst harmonisch sein. Dadurch steigt die Erwartungshaltung.

Bassum – Das Essen planen, das Familientreffen organisieren, Geschenke besorgen und dekorieren. Zu den Feiertagen gibt es viel zu bedenken, damit zu Weihnachten alles perfekt ist. Mit dem Fest sind hohe Erwartungen verbunden, die nicht immer erfüllt werden. „Es kann immer etwas aus dem Ruder laufen“, weiß Gaby Hübner. Die Diplom-Religionspädagogin sowie Ehe-, Familien- und Lebensberaterin rät, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, was Weihnachten für einen persönlich bedeutet und seine Vorstellungen und Bedürfnisse zu kommunizieren.

Kleine Missgeschicke nicht zur Katastrophe machen

An sich sei das Leben zum Jahresende nicht anders als an allen anderen Tagen, verdeutlicht Hübner. „Aber wir messen den Feiertagen eine höhere Bedeutung bei und packen all unsere Sehnsüchte hinein.“ Alles solle festlich, friedlich und harmonisch verlaufen. „Das sind menschliche Bedürfnisse, aber sie machen die Zeit um Weihnachten und den Jahreswechsel konflikthafter“, sagt die Expertin und verdeutlicht: „Wenn an der Festtafel ein Glas umfällt, ist das eine kleine Katastrophe. Aber warum reagiert man nicht wie sonst auch?“ „Durch die Medien formt sich eine Vorstellung von perfekten kommerziellen Weihnachten“, so Hübner. Habe sich diese in den Köpfen festgesetzt, steige die Erwartungshaltung. Wer sich jedoch rechtzeitig überlege, was dem Frieden unterm Baum dient, könne sich entsprechend vorbereiten. „Für einen gehören Lieder und ein Gottesdienstbesuch unbedingt zu Weihnachten“, sagt die Expertin von der psychologischen Beratungsstelle mit Standorten in Bassum und Sulingen. „Jemand anderes möchte vielleicht lieber Spaghetti statt Gänsebraten.“

Wenn der Stress steigt, ist Selbsthilfe gefragt: Rückzugsmomente helfen

„Kündigen Sie rechtzeitig an, wenn neue Formen gewünscht werden“, rät Gaby Hübner. Überhaupt sei Kommunikation wichtig, um heikle Situationen zu vermeiden. „Wenn der Stresslevel steigt, ist Hilfe zur Selbsthilfe gefragt“, so Hübner und erklärt: „Jeder braucht etwas anderes, um herunterzukommen.“ Helfen könnten beispielsweise eine Tasse Tee, ein Spaziergang oder eine Sporteinheit. Auch solle man nicht erwarten, dass die gesamte Familie dauerhaft gemeinsam etwas erleben müsse. „Gemeinschaft muss man dosieren. Da helfen vor allem Rückzugsmomente.“

Insbesondere bei der zweiten Corona-Weihnacht sei das große Familienfest von flexiblen Plänen abhängig. „Wer Alternativen entwickelt, kann nötige Sicherheitsvorkehrungen einhalten und trotzdem ein schönes Fest feiern“, ermutigt Hübner, neue Wege zu gehen. Sie habe beobachtet, dass etwa digitale Treffen oder ein Familiengrillen im Freien für schöne Stunden sorgen können. „Wer seinen Anspruch herunterfährt und in kleineren Untergruppen zusammenkommt, erlebt sicherlich schöne Festtage“, so Hübner.

Den Heranwachsenden Freiräume lassen

Nicht zuletzt sollten die Wünsche des Nachwuchses zu Weihnachten berücksichtigt werden. „Jüngere Kinder brauchen eine vernünftige Struktur zur Orientierung“, stellt die erfahrene Familienberaterin heraus. Feste Essenszeiten könnten das nötige Gerüst bilden. Bei Jugendlichen hingegen sei die Flexibilität der Eltern gefragt. „Man sollte den Heranwachsenden Freiräume lassen und auf keinen Fall Druck ausüben“, ergänzt Hübner.

Die psychologischen Beratungsstellen in Bassum und Sulingen sind nach Absprache unter Telefon 04241/ 1003 erreichbar. Über die Feiertage ist das Büro jedoch nicht besetzt, die Fachkräfte melden sich zurück, wenn Anliegen auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden. Wer akuten Unterstützungsbedarf hat, kann sich kostenlos an die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 unter oder an überregionale Familienmediatoren (www.bafm-mediation.de/mediation/friedliche-feiertage-trotz-corona/) wenden.

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