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Bassumer Landfrauen feiern am 11. April ihr 75-jähriges Bestehen

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Von: Frauke Albrecht

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Corinna Laging, Hannelore Vogt und Birgit Meyer-Borchers.
Trinken nicht nur Kaffee und essen Kuchen: Die Landfrauen um Corinna Laging (v. l.), Hannelore Vogt und Birgit Meyer-Borchers streichen Bänke für eine Aktion zum Jubiläum. © Ute Schiermeyer

Eine starke Gemeinschaft. Heute zählen die Landfreuen in Bassum rund 600 Mitglieder. Darüber freut sich die erste Vorsitzende Birgit Meyer-Borchers und berichtet über kommende Vorhaben.

Bassum – Wer am 11. April durch Bassum fährt, wird sich verwundert fragen, was die gelben Ballons bedeuten, die vor vielen Häusern an Zäunen, Gartentoren und Büschen hängen. Wer etwas genauer hinguckt, kann den Schriftzug „75 Jahre Landfrauenverein Bassum“ erkennen. „Wenn alle mitmachen, und davon gehen wir aus, dann hängen an dem Montag 1 773 Ballons in Bassum“, sagt die Vorsitzende Birgit Meyer-Borchers und kann es kaum erwarten.

Die Luftballons sind Teil einer Überraschung, die sich der Vorstand, allen voran Meyer-Borchers, Corinna Laging und Hannelore Vogt, für die 591 Mitglieder ausgedacht hat. Spätestens am heutigen Montag erhält jede Landfrau eine kleine Tüte mit einem Frühlingsgruß, den drei Ballons und einem Schreiben. Darin bedankt sich der Vorstand für die „vielen schönen Begegnungen und Veranstaltungen der vergangenen 75 Jahre. Und er fordert dazu auf, am 11. April, die Ballons aufzupusten und aufzuhängen – als sichtbares Zeichen einer starken Gemeinschaft.

Damit nicht genug: In den vergangenen Tagen haben die Ortsvertreterinnen Bänke individuell bemalt und sie in den Bassumer Ortsteilen aufgestellt. Gefeiert wird am 11. April im Hotel Zur Post. Mit vielen Überraschungen, unter anderem einem Auftritt des Instant Impro Theaters aus Bremerhaven.

Nicht nur Kaffee und Kuchen

Zu einem Geburtstag gehört auch eine Rückschau. „Die hat uns selbst überrascht“, erzählt Hannelore Vogt. Sie sei beeindruckt gewesen von der Vielzahl der Aktivitäten.

Dass Landfrauen nur Kaffee trinken und Kuchen backen ist ein Vorurteil, dass die Landfrauen seit ihrer Entstehung begleitet. Und die ist mittlerweile 124 Jahre her. Doch weder damals noch heute traf beziehungsweise trifft das Vorurteil zu. „Ja, wir trinken auch Kaffee. Aber wir machen noch viel mehr“, sagt Corinna Laging. In den vergangenen Jahrzehnten gab es kaum ein Thema, dem sie sich nicht gewidmet hätten – Drogen, Trauer, Aids, Integration, Gesundheitspflege, Ernährungsfragen, Politik, Marktwirtschaft und immer wieder ging und geht es darum, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen zu verbessern.

„Das war bereits 1898 die ursprüngliche Motivation für die Gründung des ersten landwirtschaftlichen Hausfrauenvereins“, erklärt Birgit Meyer-Borchers. Diesen rief die Gutsfrau Elisabet Boehm ins Leben. Durch ihre Initiative wurden damals Verkaufsstellen für landwirtschaftliche Produkte gegründet. „Das muss man sich mal überlegen, wie innovativ das war“, staunt Meyer-Borchers. Die Produkte wurden mit einem Bienenstempel versehen, der für Qualität stehen sollte. Die Biene ist übrigens bis heute das Erkennungszeichen der Landfrauenvereine.

Auch in Bassum gab es einen Hausfrauenverein, der 1934 unter der Herrschaft des Nationalsozialismus aufgelöst wurde. 1946 begann der Wiederaufbau. In Bassum gründete Fräulein Meyer-Hartwig den Verein. „Den Vornamen haben wir leider nicht rausgekriegt“, so Meyer-Borchers. Gründungsmitglieder waren Anna Holtz aus Eschenhausen, Grete Knief aus Wichenhausen, Henny Cordes aus Hallstedt, Marie Heusmann aus Nienstedt, Anni Meyer-Dierks aus Apelstedt, Anni Eickhorst aus Gr. Hollwedel und Fräulein Meyer-Hartwig aus Bassum.

Der Verein wuchs innerhalb des ersten Jahres auf 100 Mitglieder an und zählt heute fast 600.

Besondere Projekte gab es zuhauf. „Als die Bauern 1994 durch die Schweinepest und die Keulung aller Tiere bis an den Rand des Ruins gebracht wurden, demonstrierten die Landfrauen in großer Zahl und mit Plakaten vor den Arbeitsämtern und meldeten sich dort arbeitslos“, erinnert sich Meyer-Borchers. Viele suchten nach Möglichkeiten, sich etwas hinzuzuverdienen. Dann kam das Angebot der Ländliche Erwachsenenbildung (LEB): Frauen wurden zu Tagesmüttern qualifiziert, in häuslicher Pflege und Altenpflege geschult, PC-Lehrgänge und eine Ausbildung zur Gästeführerin angeboten.

Wir haben Power. Und wir sind viele. Achtet mal auf die gelben Ballons, es ist erstaunlich, wo überall Landfrauen wohnen.

Birgit Meyer-Borchers, Vorsitzende der Landfrauen

„1995 trat dann auch die Bäuerin-Rente in Kraft für die sich der Landfrauenverband stark gemacht hatte. Von da ab mussten die Bauern ihren Ehefrauen ein Drittel ihrer landwirtschaftlichen Altersrente abtreten“, blickt Hannelore Vogt zurück. Das zeigte: „Als Gemeinschaft kann man viel erreichen.“

Ein ganz besonderes Projekt, das allen in Erinnerung geblieben ist: „KonTakT – ein sozialintegratives Tanz- und Bewegungstheater“. Im Jahr 2008 standen die Landfrauen mit Kindern, Jugendlichen und Senioren auf der Bühne – 120 Tänzer und die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Ziel war es, Mauern zwischen den Generationen, zwischen Vereinen, Schulklassen, zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen einzureißen.

Andere Projekte machten auf das Ehrenamt, auf die Auswirkungen des demografischen Wandels oder auf weibliche Armut aufmerksam. Jährlich gibt es Aktionen zum Equal-Pay-Day. So vielfältig die vergangenen 75 Jahre waren, so vielfältig soll es weitergehen. Dass ihnen das gelingt, daran hat die Vorsitzende keinen Zweifel. „Wir haben Power. Und wir sind viele. Achtet mal auf die gelben Ballons, es ist erstaunlich, wo überall Landfrauen wohnen.“

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