Belasteter Boden wird ausgetauscht

Firma GAR erstattet Selbstanzeige: „Ein Mitarbeiter hat Scheiße gebaut“

Betriebsleiter Jens Blume vor einem der vier Löschteiche, die Teil des neuen Löschwasserrückhaltekonzeptes sind.
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Betriebsleiter Jens Blume vor einem der vier Löschteiche, die Teil des neuen Löschwasserrückhaltekonzeptes sind.

Bassum – Die GAR in Kastendiek lässt den belasteten Boden auf ihrem Grundstück im Wald austauschen. Das teilt Betriebsleiter Jens Blume in einem Gespräch mit kreiszeitung.de mit. Damit gibt Blume zu, dass die GAR für die Lache verantwortlich ist. „Wir haben das nie bestritten. Bereits am Tag des Fundes haben wir der Polizei gegenüber Selbstanzeige gestellt.“ Aber da es sich um laufende Ermittlungen gehandelt habe, sei ihm geraten worden, zumindest in der Öffentlichkeit vorerst keine Angaben zu machen.

„Salopp gesagt: Ein Mitarbeiter hat Scheiße gebaut“, sagt Blume. Er stellt sich allerdings vor seinen Angestellten. Es sei von ihm keine böse Absicht gewesen. Der Mann sei davon ausgegangen, dass es sich um unbelastetes Wasser gehandelt habe.

„Wir hatten eine neue Kanalisation gebaut, die mit einer Kamera untersucht werden sollte. Der Feuerlöschteich auf dem Gelände war bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Das kontaminierte Wasser war bereits in einen Tank abgepumpt worden“, so Blume. In dem Teich sei also neues Oberflächenwasser gewesen. Anstatt das Wasser für die Untersuchung abzufahren, habe es der Mitarbeiter in den Wald gepumpt. „Ich habe von der Aktion erst erfahren, als die Polizei auf das Grundstück gerollt kam“, so Blume.

GAR erstattet Selbstanzeige an mehreren Stellen

Er hätte es selbst kaum glauben können, sah dann aber die Leitung. „Wir haben auch beim Landkreis und beim Gewerbeaufsichtsamt Selbstanzeige erstattet.“ Gemeinsam hätten sich alle Beteiligten darauf verständigt, ein unabhängiges Institut mit der Untersuchung des Bodens zu beauftragen – das Institut für Umweltanalyse in Bielefeld. Deren Experten hätten Boden- und auch Wasserproben genommen und analysiert. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Diese Lache haben Mitglieder der Bürgerinitiative im Juni in einem Wald in Kätingen, nahe der GAR, entdeckt. Außerdem Rohre, die zum Teil zugewachsen scheinen.

Was Blume ärgert ist, dass er erst am Dienstag mit Vertretern des Gewerbeaufsichtsamtes (GAA) und des Landkreises zusammengesessen und das weitere Vorgehen besprochen habe. „Wir haben gesagt, dass wir den Boden sanieren.“ Warum der Leiter des GAA, Bernd Reese, am Mittwoch in einem Gespräch mit der Zeitung gesagt habe, man werde sich mit dem Landkreis beraten wollen, irritiert ihn. „Wozu sitzen wir hier am Dienstag?“

Von Anfang an habe die Firma signalisiert, dass sie die Verantwortung für den Schaden übernehmen werde. „Wenn ich was in den Wald schmeiße, ist es selbstverständlich, das auch wieder zu entfernen.“ Blume betont aber auch, dass von dem Boden keine Gefahr ausgehe.

„Was gefunden worden ist, erfordert keinen Handlungsbedarf“

„Dass, was da im Wald gefunden worden ist, erfordert keinen Handlungsbedarf. Ja, es sind erhöhte Werte festgestellt worden. Aber ich zitiere das Ergebnis des Gutachtens: Es liegt keine Gefährdung vor, es gibt keine Rechtssicherheit für eine behördliche Ordnungsverfügung oder Anordnung.“

Festgestellt worden seien erhöhte PAK-Werte, unter anderem Naphtalin. Blume: „Ja, wir liegen über dem Richtwert für Kinderspielplätze und für Park- und Freizeitflächen. Aber wir sind kein Kinderspielplatz und auch kein Freizeitpark.“

Auch wenn kein Handlungsbedarf vorliege, werde die Firma also den Boden vorsorglich entsorgen – und zwar unter Aufsicht des Gutachters, der vorher die Fläche definiert.

Wie sich Blume die Belastung erklärt, wo sich doch unbelastetes Wasser in dem Löschteich befunden habe? „Möglicherweise gab es Rückstände vom Beckenrand.“

GAR-Leitung im Wald bei Bassum bereits zurückgebaut

Die Leitung im Wald sei bereits rückgebaut worden. Laut Blume sei dieser Vorfall der erste und einzige gewesen. Dass es in dem Waldstück Rohre gab, die laut Bildmaterial der Bürgerinitiative regelrecht eingewachsen schienen, vermag er nicht zu beurteilen. „Ich bin seit Februar 2018 hier, und seitdem ist mir derartiges nicht bekannt.“

Das Antwortschreiben des Landkreises auf den Fragenkatalog der Kreisgrünen (wir berichteten) kannte der Betriebsleiter bis Donnerstag nicht. „Da sind Fehler drin“, stellt er nach dem Lesen fest. So steht dort unter anderem, dass in den Brandschutzkonzepten und den Genehmigungen eine Löschwassermenge von mindestens 300 Kubikmeter gefordert werde. „Was dort nicht steht, wir halten ein X-faches vor. – Übrigens kommt das Löschwasser nicht von den Dachflächen, wie der Landkreis behauptet. Das dürfen wir nicht einleiten. Es handelt sich um das Oberflächenwasser der Außenlagerflächen.“

Ebenfalls fehlerhaft sei die Aussage, dass die Auffüllung des Standorts der GAR (es handelt sich um einen Altlastenstandort) zwei bis fünf Meter betrage. „Tatsächlich sind es fünf bis acht Meter.“

Das vom Landkreis geforderte Löschwasserrückhaltekonzept stehe kurz vor der Inbetriebnahme. Künftig werde es vier Löschteiche geben. Der letzte werde im Brandfall als erstes entleert, damit dort das kontaminierte Wasser hinein geleitet werden kann.

GAR will sich Nachspiel für Mitarbeiter und Unternehmen stellen

Alle Teiche seien miteinander verbunden, können aber auch separiert werden, sodass dann kein kontaminiertes Wasser wiederverwendet werden müsse. Die GAR habe in der Vergangenheit gut eineinhalb Millionen Euro in den Brandschutz investiert. Blume: „Alle brandschutzrechtlichen Maßnahmen und Forderungen überschreiten wir bei Weitem.“

Dass die Angelegenheit für den besagten Mitarbeiter und auch für die GAR ein Nachspiel haben wird – schließlich ermittelt die Staatsanwaltschaft – ist Blume klar. Dem werde man sich stellen.

Anmerkung der Redaktion: Welche Stoffe, in welcher Höhe im Boden genau gemessen worden sind, liegt uns nicht vor. Weder das GAA noch die GAR haben die Analyse herausgegeben. Eine Nachfrage beim Umweltinstitut in Bielefeld blieb gestern unbeantwortet.

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