1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Bassum

Ein Denkmal erwacht zum Leben

Erstellt:

Von: Anika Seebacher

Kommentare

Berufsmüller Florian Butt kümmert sich in erster Linie um die Technik, unter anderem den Walzenstuhl.
Berufsmüller Florian Butt kümmert sich in erster Linie um die Technik, unter anderem um den Walzenstuhl. © Seebacher, Anika

Die Restaurierung der Wassermühle Neubruchhausen schreitet voran. Ziel ist es, irgendwann einmal in dem Denkmal Mehl zu produzieren.

Neubruchhausen – Wenn er über die Funktionsweise der Motoren im Maschinenhaus der Wassermühle spricht, kommt Georg Schröder ins Schwärmen – und Theorie wird lebendig. Leidenschaftlich erklärt der Berufsschullehrer, wie der alte Dieselmotor sowie künftig auch ein kleiner Elektromotor die Transmissionsriemen in Bewegung bringen und wie am Ende eine Mehlproduktion in dem Neubruchhauser Denkmal möglich sein soll. Bis dahin ist noch einiges zu tun, aber der Vorstand des Mühlenvereins ist sich sicher, dass bis zum Frühjahr 2023 ein Großteil fertig sein wird.

„Das Ganze hat ein gutes Tempo angenommen“, sagt Florian Butt. Der auf Mühlentechnik spezialisierte Berufsmüller ist zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis und erklärt, dass der Verein, der sich für die Restaurierung der Wassermühle einsetzt, im Vergleich zu anderen schon viel erreicht habe. „Schließlich war hier keinerlei Mühlentechnik mehr vorhanden“, erinnert sich Butt.

Als ihm Vereinsvorsitzender Holger Rullhusen vor einigen Jahren erstmalig die Wassermühle am Mühlenteich präsentierte, war sein erster Gedanke: „Das kann man alles nur noch abreißen. Alles war voller Müll und Ungeziefer.“ Das ist heute nur noch schwer vorstellbar, denn dank des ehrenamtlichen Engagements zahlreicher Vereinsmitglieder sowie weiterer Helfer erwacht die historische Anlage allmählich wieder zum Leben.

Der Bergmann-Motor, auf dem Georg Schröder hier sitzt, soll künftig den Dieselmotor ergänzen.
Der Bergmann-Motor, auf dem Georg Schröder hier sitzt, soll künftig den Dieselmotor ergänzen. © Seebacher, Anika

Zusammen mit dem Hotel und Restaurant Zum Mühlenteich, das von Familie Lau betrieben wird, bildet die Mühle ein sehenswertes Ensemble mitten im Ort und ist ein Anziehungspunkt für Bewohner und Gäste.

Fast täglich trifft man Georg Schröder und Florian Butt in oder an der Mühle. Sie verbringen einen Großteil ihrer Freizeit dort, um die Technik im Inneren des Gebäudes funktionstüchtig zu bekommen. „Die Mühle ist stets dem technischen Wandel gefolgt“, sagt Florian Butt mit Blick auf die Motoren, die in der Anlage die Naturkraft des Wasserantriebs ersetzen. Bereits um 1860 sei eine erste Turbine als zusätzlicher Antrieb eingebaut worden. Im Frühjahr 2019 tuckerte schließlich mit dem Herforder Motor, Baujahr 1934, erstmals wieder ein Dieselmotor im Maschinenhaus – ein Meilenstein bei der aufwendigen Restaurierung.

Es soll möglichst alles original sein.

Bei allen Maßnahmen achten die Vereinsmitglieder darauf, den Zustand der Mühle um 1920 herzustellen. „Es soll alles möglichst original sein“, sagt Butt und zeigt auf die alten Lampen und Lichtschalter, die noch funktionstüchtig sind. Moderne Gegenstände werden laut Butt nur dort verwendet, wo es vorgeschrieben ist – etwa beim Feuerlöscher oder dem Schaltschrank. Doch die alte Version ist ebenfalls erhalten und hängt seinem modernen Nachfolger im Maschinenhaus gegenüber.

Als nächstes Projekt steht laut Georg Schröder die Ergänzung durch einen Elektromotor an. Der Bergmann-Motor von 1933 steht schon bereit und muss nun von den Ehrenamtlichen angeschlossen werden. Zum Antrieb erklärt Müller Butt: „Wir müssen es langsam angehen lassen, um die Maschinen zu schonen.“ So sei es nicht möglich, beide Motoren gleichzeitig zu starten.

Freuen sich auf den Mühlenmarkt an der Wassermühle in Neubruchhausen: (v.l.) Florian Butt, Georg Schröder, Tanja Dymale und Holger Rullhusen.
Freuen sich auf den Mühlenmarkt an der Wassermühle in Neubruchhausen: (v.l.) Florian Butt, Georg Schröder, Tanja Dymale und Holger Rullhusen. © Seebacher

Alle Vorstandsmitglieder bringen ihre Arbeitskraft regelmäßig an der Mühle ein. Einmal im Monat steht ein Arbeitsdienst an, bei dem „jeder das macht, was er kann“, so Tanja Dymale. Sie ist Beisitzerin und für Veranstaltungen zuständig. Bis die Mühle sich überhaupt wieder präsentieren konnte, war eine Menge Vorarbeit nötig. Nicht nur das Innenleben musste auf Vordermann gebracht werden. „Wir sind mit einer Vision gestartet“, erinnert sich der stellvertretende Vorsitzende Maik Dannemann an das Jahr 2015 zurück, als Holger Rullhusen die restaurierungsbedürftige Wassermühle im Namen des Vereins Wassermühle Neubruchhausen erwarb. „Als erstes musste ein neues Dach her. Dann haben wir uns um die Fenster und Gefache gekümmert“, gibt Dannemann eine Zusammenfassung der Arbeiten am Gebäude, die inzwischen abgeschlossen sind. „Wir haben allein 100 000 Euro in die Hülle investiert“, sagt der zweite Vorsitzende. Umso mehr freut sich der Vorstand, dass inzwischen das Geld für die Sanierung der Mühlentechnik zusammengekommen ist: Laut Dannemann beläuft sich die Summe auf 65 000 Euro. Seit Beginn des Jahres dreht sich im Inneren alles um den Einbau der Maschinen. „Uns wird nicht langweilig“, betont Dymale, dass stets etwas zu tun sei.

Müller Florian Butt: Das historische Müllerhandwerk erhalten.

Wenn die alte Technik wieder vollständig ist, soll in der Neubruchhauser Mühle zu Schauzwecken Mehl gemahlen werden. „Es soll nicht nur ein Museum sein“, unterstreicht Florian Butt, „mir ist es wichtig, das historische Müllerhandwerk lebendig zu erhalten“.

Dazu hat der Vorstand jüngst einen neuen Mühlenstein bestellt, da im alten Bodenstein ein Riss entdeckt wurde. „Mit dem neuen Stein ist vor allem sichergestellt, dass wir auch langfristig Mehl produzieren können“, sagt Florian Butt.

Neben dem Stein befindet sich im ersten Obergeschoss der Mühle noch ein Walzenstuhl und somit eine modernere Version des Mahlgangs. Dazwischen steht der sogenannte Elevator, der den Schrot in den Spitzboden befördert. Während sich dort derzeit noch der Lagerraum mit diversen historischen Geräten befindet, soll später ein Schauraum Einblicke in die Mühlentechnik geben.

Wer einen Eindruck vom aktuellen Stand der Restaurierungsarbeiten bekommen möchte, kann beim Mühlenmarkt einen Blick ins Innere des Denkmals werfen (siehe Infokasten).

Mühlenmarkt am 6. Juni

Am Pfingstmontag, 6. Juni, lädt der Verein zum Mühlenmarkt an der Wassermühle Neubruchhausen ein. Von 11 bis 17 Uhr können Interessierte dann einen Blick in das Denkmal werfen und es soll Motorenvorführungen geben. Beim Kunsthandwerkermarkt im Innenhof des Ensembles präsentieren diverse Aussteller unter anderem Floristik, Schmuck, selbst gemachte Marmeladen und Co. Auch für die Kinder gibt es dem Vorstand zufolge Angebote, etwa Kerzengießen. Auf dem Mahlboden gewährt eine Fotoausstellung von Carsten Lucht aus Stuhr einen Überblick über Mühlenstandorte im Landkreis. Darüber hinaus wird das Buch über die Geschichte der Wassermühle verkauft.

Auch interessant

Kommentare