Ehemaliger Friedhof an der Bassumer Stiftskirche

Knochen unter grünem Rasen

Unter dem Rasen an der Stiftskirche dürften noch viele Knochen liegen.
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Unter dem Rasen an der Stiftskirche dürften noch viele Knochen liegen.

Vor Kurzem wurden bei Erdarbeiten an der Stiftskirche Bassum menschliche Knochen gefunden. Sie stammen von einem ehemaligen Friedhof am Gotteshaus. Doch wann wurde dieser aufgegeben und warum?

  • Der ehemalige Friedhof an der Stiftskirche Bassum wurde wegen Überfüllung geschlossen.
  • 1847 wurde der heutige Friedhof ausgewiesen.
  • Knochen liegen bis heute unter dem Rasen.

Bassum – Es ist das Jahr 1808. Auf den Stirnen der Kirchenvorsteher, der Äbtissin und vielleicht noch weiterer Würdenträger Bassums bilden sich Sorgenfalten, wenn sie auf den Kirchhof blicken. Der umgibt zu einem großen Teil die Stiftskirche und wird vom Stiftshof durch eine Mauer getrennt. Der Kirchhof ist auch gleichzeitig der Friedhof, der, wie zu dieser Zeit üblich, im direkten Umfeld des Gotteshauses liegt.

In Gemeinden wie Schwarme ist das noch heute so. Das Problem der Bassumer: Es wird immer schwerer, freie Grabstellen zu finden.

Offenbar wächst die Einwohnerzahl Bassums zu dieser Zeit. Und damit ist nicht nur das Kerngebiet gemeint. Auch Anwohner der Ortschaften wie Bramstedt bringen ihre Toten dorthin. Die Verantwortlichen denken deswegen darüber nach, einen neuen Friedhof anzulegen.

Warum dieses Vorhaben nicht sofort in Angriff genommen wird, bleibt Spekulation. Vermutlich hat es damit zu tun, dass 1811 Napoleons Truppen einmarschieren und das Stift vorübergehend auflösen. Bassum hat also ganz andere Sorgen.

1847 wird der neue Friedhof ausgewiesen

Knapp 30 Jahre später wird das Problem dann aber so akut, dass gehandelt werden muss. Und so schließen die Verantwortlichen 1847 den Friedhof an der Kirche wegen Überfüllung und weisen ein Gebiet am Rande des Fleckens Bassum als neuen Gottesacker aus. Am 12. Dezember 1847 wird bereits der Boden des heutigen Friedhofs geweiht.

Dort wird unter anderem eine Gruft für die Toten des Damenstifts errichtet. Für die umliegenden Dörfer habe es eigene Ecken gegeben, so dass beispielsweise die Menschen aus Eschenhausen alle im selben Bereich lagen. „Es muss damals sehr beengt gewesen sein“, vermutet Äbtissin Isabell von Kameke. Heute habe man hingegen reichlich Platz, weil die Beerdigungskultur sich so gewandelt habe: Mehr Urnen statt Särge.

Die Gräber an der Kirche werden nicht angetastet, um die Totenruhe nicht zu stören. Die Grabsteine werden im Laufe der Zeit abgetragen. Die Gebeine verbleiben hingegen im Boden – wo sie noch heute sind. Und so kam es, dass kürzlich bei Erdarbeiten an der Stiftskirche einige Knochen gefunden wurden (wir berichteten). „Die waren mindestens 170 Jahre alt“, sagt von Kameke.

Noch viele Gebeine liegen unter dem Rasen

Und das war nicht der erste Fund. „Als das Gemeindehaus gebaut wurde, sind wir auch auf Gräber gestoßen. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, in dieser geringen Tiefe welche zu finden“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzender Knut Laemmerhirt.

Er und auch von Kameke sind sicher, dass noch viele Gebeine unter dem grünen Rasen an die Stiftskirche liegen.

Auch im Stiftshof dürfte noch etwas zu finden sein, auch wenn dort nur Kapitularinnen beigesetzt wurden, während bedeutende Personen, so wie beispielsweise die Äbtissin, bis 1840 ihre letzte Ruhe in der Kirche selbst fanden.

Barckhausen-Denkmal steht noch heute

Wann der ehemalige Friedhof angelegt wurde, können Laemmerhirt und von Kameke nicht sagen. „Unser Stift wurde 858 gegründet. Da gab es bereits eine Kirche. Nicht die Stiftskirche, die wir heute kennen, sondern eher ein Holzbau. Aber wann man damit begann, die Menschen im Umfeld der Kirche zu bestatten, wissen wir nicht. Die heutige Stiftskirche wurde um 1230 errichtet, da gab es den Friedhof in jedem Fall schon. Er existierte also viele Jahrhunderte“, weiß von Kameke.

Sie und Laemmerhirt schätzen, dass die Meierkampstraße und die Straße Am Kirchhof die Grenzen des Friedhofes markierten.

Was von dem alten Friedhof noch existiert, ist das Barckhausen-Denkmal, das an eine Familie erinnert, aus der mehrere Bassumer Pastoren hervorgegangen sind, unter anderem Stiftsprediger Johann-Hermann Barckhausen.

Das Barckhausen-Denkmal steht noch.

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