Der Unmut bleibt in der Halle

Ehemaliger Bundesligist plant Ringer-Sparte beim TSV Bassum

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Nachdem er mit 17 Jahren aus seiner Heimat Armenien nach Deutschland geflüchtet ist, schaffte Lernik Vanjan es bis in die Bundesliga. Nun möchte er den Sport anderen vermitteln.

Bassum - Von Janna Silinger. Beim Ringen geht es darum, überschüssiger Energie ein Ventil zu bieten. Zu kämpfen, ohne jemandem wehzutun. Lernik Vanjan, der an der Industriestraße in Bassum das Geschäft „Felix Autokosmetik“ leitet, war mal Profi darin. Von 2001 bis 2011 hat der heute 36-Jährige in der Bundesliga gerungen, bis er der Liebe wegen nach Bassum gekommen ist, wo es bislang keine Ringer-Sparte gibt. Das könnte sich jedoch bald ändern.

Lernik Vanjan hat sich vor drei Jahren selbstständig gemacht und leitet die Aufarbeitungswerkstatt „Felix Autokosmetik“, wo er gut zu tun hat. Tag für Tag. Für sein Hobby, Ringen, nimmt er sich nur nach Feierabend und am Wochenende Zeit. Dann aber nicht zu knapp.

Vanjan hat als kleiner Junge in seiner Heimat Armenien mit dem Ringen angefangen. „Ich war acht Jahre alt“, sagt er lächelnd. Und dann hat er einfach nicht mehr damit aufgehört. Auch nicht, als er mit 17 Jahren alleine sein Land verlassen hat, um nach Deutschland zu kommen. „Ich bin geflüchtet und habe zunächst viele Jahre in Bayern gelebt“, erzählt er. Dort habe er bei einer Bäckerei als Aushilfe gearbeitet, um über die Runden zu kommen.

Lernik Vanjan hat in der Bundesliga gerungen. Nun setzt er sich in Bassum für eine Ringer-Sparte beim TSV ein.  J Foto: Silinger

Mit dem Ringen lief es aber umso besser. Er sei in die Bundesliga aufgestiegen und habe zehn Jahre für verschiedene Vereine gekämmt, erzählt er stolz. Damit war es allerdings vorbei, als es ihn nach Bassum verschlug. „Ich habe meine Frau kennengelernt. Die wohnte hier, also kam ich auch her“, erzählt er. In Niedersachsen ist der Ringer-Sport nicht so verbreitet, kein Verein in der Umgebung ist in der Bundesliga vertreten.

Dennoch suchte er sich seine Nischen. „Ich trainiere manchmal in Nienburg, und samstags fahre ich nach Bonn zum Turn- und Kraftsportverein Duisdorf.“ Das reicht dem 36-Jährigen zwar nicht, aber wegziehen ist keine Option: „Ich habe hier mein Haus, meinen Job, meine Familie.“ Und deshalb plant er, sein Hobby nach Bassum zu holen und über den TSV anzubieten. Noch ist nicht ganz klar, ob dieses Vorhaben gelingt. Vanjan ist optimistisch. Viele Menschen hätten Interesse an dem Kampfsport. In erster Linie zählen dabei Kraft, Konzentration und Taktik. Aber auch Ausdauer müsste entwickelt werden. Den großen Vorteil gegenüber anderen Kampfsportarten sieht Vanjan darin, dass die Verletzungsgefahr geringer sei. Schläge seien beispielsweise verboten. Und wenn einen der Gegner zu Fall bringe? „Dann landet man wenigstens auf einer Matte.“

Infoabend am 8. August

Trotzdem bleibe ein Restrisiko, wie bei allen Sportarten. Er selbst habe sich das Ohr bei einem Kampf verletzt, ansonsten sei ihm aber nichts Schlimmes passiert. Deswegen habe er auch kein Problem damit, dass sein siebenjähriger Sohn auch mit dem Ringen anfangen möchte. Im Gegenteil: „Für viele junge Leute ist das eine sehr gute Möglichkeit, die überschüssige Energie, bei einigen auch Aggressionen, kontrolliert und bewusst rauszulassen.“ Und der Unmut bleibt dann in der Halle und wird nicht mit auf die Straße genommen.

Da seine Tochter erst eineinhalb Jahre alt sei, stelle sich die Frage noch nicht, ob das Ringen für sie in Frage käme. Das müsse sie später selbst entscheiden. Wobei er betont, dass es durchaus Frauen gibt, die diesen Sport betreiben. Diese sehen das aber eher als Selbstverteidigung und weniger als Wettkampf.

Der TSV plant für den 8. August um 19 Uhr im neuen Vereinsheim am Petermoor einen Informationsabend, zu dem Interessierte eingeladen sind.

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