Kostenlose Beratung für Landwirte

Gewässerschonende Boden-Bewirtschaftung: Henning Böse aus Bassum profitiert

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Landwirt Henning Böse (links) aus Bramstedt und Sebastian Biere vom Büro Ingus nehmen auf einem abgeernteten Schlag Bodenproben aus unterschiedlichen Bodentiefen.

Landkreis/Bassum - Von Ulf Buschmann. Wenn es um den Einsatz von Dünger geht, lässt sich Henning Böse ganz gerne in die Karten schauen. Und das freiwillig. Davon nämlich profitiert der Landwirt aus Bramstedt. Böse ist einer von 84 Betrieben, die sich seit dem Jahr 2010 beraten lassen. Ziel ist es, die Belastung des Grundwassers mit Nitrat zu senken, wie in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRR) vorgegeben. Bezahlen müssen Böse und seine Kollegen für die Beratung nicht, das Geld dafür kommt zu gleichen Teilen von der Europäischen Union und dem Land Niedersachsen.

Sebastian Biere vom Ingenieurbüro Ingus in Hannover und Henning Böse stehen auf einem erst vor Kurzem abgeernteten Feld. Wie überall in Norddeutschland, ist auch dieser Schlag knüppeltrocken. Doch dafür interessieren sich der Landwirt aus Bramstedt und sein Besuch aus Hannover an diesem Vormittag eher am Rande. Biere holt einige Stangen und jeweils eine rote, blaue sowie eine grüne Schale aus dem Wagen.

Etwa in der Mitte des Feldes nimmt er Bodenproben – aus 30, 60 und 90 Zentimetern Tiefe. Er zeigt auf die unterschiedliche Beschaffenheit der Erde. In 30 Zentimetern ist es wie an der Oberfläche trocken. Der Boden weist eine bröselige Struktur auf. Die zweite Probe ist schon etwas grobkörniger, und in der dritten Probe aus 90 Zentimetern finden sich sogar feine Steine. Diese jeweils unterschiedlichen Bodenstrukturen geben Fachleuten wie dem studierten Agraringenieur Bieren und seinen Kollegen Aufschluss darüber, wie schnell Nähstoffe vom Grundwasser ausgeschwemmt werden – und wie hoch der Einsatz von Stickstoff bei der nächsten Aussaat sein muss.

„Wir müssen düngen, wir müssen es aber nicht übertreiben“, sagt Biere. Böse nickt und stimmt zu: Durch die Beratung und Begleitung durch Biere und seine Kollegen könne er seinen notwendigen Düngereinsatz von Jahr zu Jahr optimieren. Denn alleine schon die Düngung mit Stickstoff falle jedes Jahr anders aus. Und noch einen Vorteil sieht Landwirt Böse: „Man wird dafür sensibilisiert.“ Er sei nun schon seit 2010 dabei.

Rund 1200 Messstellen zur Überprüfung der Wasserqualität gibt es nach Angaben des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in ganz Niedersachsen. Hintergrund ist die Belastung der Oberflächengewässer durch Nährstoffe. Darin spiegelt sich nach Auskunft von Biere und Böse der allzu sorglose Umgang mit Gülle und Mineraldünger in den vergangenen zehn bis 30 Jahren wieder. Die Beratung der Landwirte soll dazu dienen, in der Zukunft die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

Die genommenen Bodenproben kommen in verschiedenfarbige Eimer.

Dabei setzen das Land der NLWKN und alle anderen Beteiligten auf einen sogenannten Kooperativen Ansatz statt die Daumenschrauben bei den Landwirten anzusetzen. Dies geschieht in elf sogenannten Beratungsgebieten – das hiesige heißt „Mittlere Weser“. Dort lassen sich nach Angaben des NLWKN 84 Betriebe beraten. Das Prinzip der Beratung ist in einer Mitteilung beschrieben: „In jedem Jahr beginnt die einzelbetriebliche Beratung mit einer Erfassung der Nährstoffströme, die alle eingesetzten Düngerarten und -mengen registriert und anhand der Produkterzeugnisse die Höhe des Nährstoffüberschusses ermittelt. Daraus wird vor Beginn der Vegetation eine exakte EDV-gestützte Düngeplanung für jeden Schlag erstellt, die alle Nährstoffe umfasst, sich an den jeweiligen Ertragserwartungen orientiert und sämtliche Rechtsvorgaben berücksichtigt.“

Dabei gibt es so etwas wie eine doppelte Buchführung. Denn vor der digitalen Erfassung notiert Landwirt Böse alle Angaben in seiner eigenen Kartei. So lässt sich nach Angaben von Biere exakt ermitteln, wie es dem Boden auf jedem Feld geht. Danach werde berechnet, wie viel mineralischer Stickstoff eingebracht werden muss. Laut Biere und Böse wird nur so viel gedüngt, wie die Pflanze aufnehmen kann.

„Ich war anfangs skeptisch“

Im nächsten Schritt nehmen Biere und seine Kollegen Proben nach der ersten Vegetationsphase. Sollten die Messungen ergeben, dass Gerste und Co. Nährstoffe benötigen, düngen die beteiligten Landwirte nach. Tendenziell, erläutert der Bramstedter, sind zwei Düngungen notwendig: „Gülle im Frühjahr und mineralische Stoffe bei Vegetationsbeginn.“ Böse verhehlt dabei nicht die Schwierigkeiten: „Uns machen die extremen Wetterlagen zu schaffen.“

Sind die Felder abgeerntet, zieht Biere wieder eine Probe. Dann muss die Frage geklärt werden, ob alles gut gelaufen ist in Sachen Erträge. Er weist dabei auf die inzwischen engen Grenzen hin, die laut neuer Dünge-Verordnung insbesondere für Raps, Gerste und Zwischenfrüchte beziehungsweise Feldgras gelten. Eine letzte Probe zieht Biere im Herbst bei „stehender Vegetation“.

Nach nunmehr acht Jahren zieht Böse eine positive Bilanz. „Ich war anfangs skeptisch, aber ich würde es immer wieder machen“, sagt der Bramstedter. Denn die Teilnahme an der Beratung hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt. Auch sein Portemonnaie schont Böse. Durch die häufige Beprobung hat er das Düngeniveau bei Mais und Rüben senken können. Weniger Einsatz von Dünger bedeutet auch geringere Kosten.

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