DRK-Ortsverein Bassum

Kein schöner Abschied: Ingrid Heithoff-Rajf hört nach fast 30 Jahren als Vorsitzende auf

Ingrid Heithoff-Rajf, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins
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Ist knapp 30 Jahre Vorsitzende des DRK-Ortsvereins gewesen: Ingrid Heithoff-Rajf

Bassum – Ein paar Monate noch, dann wären es 30 Jahre gewesen. Nun kommt Ingrid Heithoff-Rajf „nur“ auf 29,5. So lange hat sie sich ehrenamtlich im DRK-Ortsverein Bassum engagiert. Viele Jahre hat sie den Ortsverein zusammengehalten. Nun hört sie auf. Ihren Abschied hat sie sich ein bisschen anders vorgestellt. Aber darüber möchte sie eigentlich nicht reden.

„Ich bin aus persönlichen Gründen ausgetreten. Das reicht, wenn Sie das schreiben“, sagt sie. Eigentlich wollte sie auch gar kein Interview geben. Doch dann hat sie sich überreden lassen. Nach der langen Zeit des Engagements wollte die Redaktion ihr Wirken würdigen.

Beim Gespräch und dem Blick zurück sagt Ingrid Heithoff-Rajf immer „meine Senioren“. Die werden ihr fehlen. Doch auch darüber möchte sie nicht reden. Dennoch: Die Enttäuschung ist ihr anzumerken.

Ingrid Heithoff-Rajf hatte bereits 2019 gesagt, dass sie nicht mehr kandidieren möchte. Auch ihre Stellvertreterin Christel Kirchberg fand es Zeit, andere ran zu lassen. Der Vorstand warb um Nachfolger.

Durch Corona verzögerten sich die Wahlen. Vor Kurzem nun folgte die Versammlung. Als Vorsitzende hatte Ingrid Heithoff-Rajf die Sitzung vorbereitet – Ursel Born ist ihre Nachfolgerin. Heithoff-Rajf selbst hätte sich vorstellen können, in zweiter Reihe, also als Stellvertreterin, im Verein zu bleiben. Sie wurde auch gewählt, erlebte aber eine Überraschung bei den Wahlen. Es gab nämlich Gegenkandidaten, ohne, dass sie es wusste. Sie fühlte sich vor den Kopf gestoßen. Als es dann zum Abschied weder Blumen noch eine große Laudatio gab, formulierte sie einen Tag später ihren Rücktritt und brachte diesen persönlich im DRK-Haus vorbei.

So enttäuschend das Ende für sie ist, wenn sich die 72-Jährige an die Zeit als Vorsitzende erinnert, beginnen ihre Augen zu leuchten. Dann fallen wieder die Worte „meine Senioren“. 1992 hat sie beim DRK-Ortsverein angefangen. „Ich bin von meiner Vorgängerin Hedwig Mecklenborg angesprochen worden. Wir kannten uns. Sie wollte aufhören und hat mich überredet.“

Eine Weggefährtin von damals, die noch immer regelmäßig zu den Treffen komme, sei Hildegard Wassmann, erzählt Heithoff-Rajf. Damals hätte der Verein noch viel mehr unternommen. Es gab Fahrten, Vorträge, Versammlungen, „zum Teil kamen 80 Personen in Müllers Bauerndiele zusammen“, erinnert sich die ehemalige Vorsitzende. Ob Sitzgymnastik, Lesungen, gemeinsames Singen, Basteln, Handarbeiten, Ingrid Heithoff-Rajf dachte sich stets neue Aktionen für „ihre Senioren“ aus. Schon damals trafen sich die Mitglieder jeden Donnerstag zum Klönen. „Das waren lebhafte Treffen.“ Die 72-Jährige kann sich ein Lachen nicht verkneifen. „Erna, sie war schon über 90 Jahre, konnte wunderbar Witze erzählen. Auch anzügliche waren dabei. Das kam vor allem bei Frau ... nicht gut an. Sie saß dann immer daneben und verzog die Mundwinkel.“

Solche Erinnerungen hat die Bassumerin viele. Aber es gab auch traurige Momente. „In den vergangenen Jahren habe ich bestimmt 60 bis 70 Personen auf den Friedhof begleitet.“ Mit der Zeit seien es immer weniger Mitglieder geworden.

Zwar kommen heute nicht mehr so viele wie früher, – im Schnitt sind es 20 bis 30 Personen, ausnahmslos Frauen –, aber für die, die kommen, ist es oft die einzige Abwechslung im Alltag. Jeden Donnerstag wird im DRK-Haus an der Querstraße Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und seit einiger Zeit Bingo gespielt. „Bingo“ ist für die meisten ein Muss, sagt Heithoff-Rajf. Sie könnte sich durchaus auch mal was anderes vorstellen. Aber Bingo werde gewünscht. Und die Älteren trainieren damit ihr Gehirn.

Diese Nachmittage müssen vor- und nachbereitet werden. Auch das hat die Vorsitzende in den vergangenen Jahren immer gemacht. Sie war Mädchen für alles, war sich für nichts zu schade. Aufräumen, Kaffee kochen, Kuchen organisieren, Spülen, sogar das Toilettenputzen hat sie übernommen. Und als Corona alles lahmgelegt hatte, bastelte sie zu Weihnachten noch 40 Weihnachtsgrüße und verschickte sie. Umso mehr trifft es sie, dass ihr Abschied mehr als lieblos war.

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