Fans sind textsicher und singen mit / Torfrock rocken die Bassumer Sporthalle

Dresscode: Wikingerhelm, Felljacke und Bier

Zupfte am Sonnabend den Bass in Bassum: Volker Schmidt (Foto links). Die Stimmen von Torfrock: Raymond Voß (links) und Klaus Büchner. - Fotos: Wolfgang Defort

Bassum - Torfmoorholm, diese Persiflage bunten Landlebens, ist überall – auch in Bassum. Deshalb hat es am Sonnabend in der Sporthalle auch mächtig gekesselt, als die Kultband Torfrock unter dem Motto „Volles Rohr voraus“ die alten Bagaluten (Rüpel) wie Presslufthammer BBBB-Bernhard präsentierte und das Publikum nach dem erfolgreichen Gastspiel 2014 erneut in ausgelassene Party-Stimmung versetzte.

Es ist die eigentümliche Atmosphäre, die jedes Konzert von Torfrock so besonders macht. Als Grundlage dient ein dicker Musikteppich aus solidem Rock, der in die Beine geht. Darauf platziert die Band einen erfrischenden Mix aus vielen skurrilen Figuren wie Baggerführer Hannes Kabeltod und Jörg vom Butterwerk sowie humorvolle Geschichten um das ersonnene, typisch norddeutsche Dorf Torfmoorholm sowie die Wikingersiedlung Haithabu und deren Helden Rollo und Renate.

Es gehört deshalb zum Dresscode der Torfrock-Konzerte, dass die harten Fans in Felljacke und mit Wikingerhelm auf dem Kopf erscheinen und Bölkstoff (Bier) konsumieren. In der Bassumer Sporthalle sah es am Sonnabend wie bei einem Treffen im Wikingerdorf Haithabu aus. Helme konnten die Besucher im Foyer erwerben. Durch den Saal wanderten kernige Mannsbilder in schwarzem Leder und mit Wikingerkopfbedeckung. Torfrock spricht aber offenkundig nicht nur Männer an. In der Halle waren auch viele Frauen, die zum Feiern gekommen waren und dies auch ausgelassen umsetzten. Volle Granate, Renate, eben.

Als es um 21 Uhr hieß: „Seid Ihr bereit für Torfmoorholm-Gebrauchsrock?“ musste kein Funke mehr überspringen. Der Saal war vorgeglüht. Es konnte losgehen mit Klassikern wie „He Joe“ (Jimi Hendrix) und „Summertime Blues“ (Eddie Cochran), die Torfrock neu arrangiert und getextet hat.

Am Anfang der Geschichte von Torfrock Ende der 1970er-Jahre stand ja die Idee, Klassiker der Rockmusik plattdeutsch umzutexten. Dabei sind Lieder der Band heute längst selbst zu Rockklassikern geworden, stets auch gefordert von den Fans. „Volle Granate, Renate“, „Presslufthammer BBBB-Bernhard“ oder „Beinhart“ gehören einfach zum Pflichtprogramm. Die Halle tobte.

Die Fans erwiesen sich dabei als textsicher und sangen mit. Für Hans aus Bassum, ein treuer Fan seit über 20  Jahren, ist Torfrock unverfälschte Musik und eine Erinnerung an früher: „Die Musik ist solider Rock, und die Texte sind witzig, ironisch.“

Die Band kreuzt musikalisch auf allen Weltmeeren. Wenn Torfrock aber die Auswüchse der Freizeitgesellschaft aufs Korn nimmt, kommt besondere Freude auf. Die „Sonntagsjäger“, die „Butterfahrt“ und „Wir unterkellern Schleswig-Holstein“ sind herrliche Real-Satire. Selbst das Lied vom „Boxer“ („Hau mir doch bitte nicht mehr auf die Lippe“) lässt schmunzeln beim Anblick des unbedarft dreinschauenden Sängers Klaus Büchner. Beim Song „Trunkenbold“ darf Gitarrist Raymond Voß zeigen, dass unter seinem Hut und hinter seiner schwarzen Brille eine ziemlich kernige Stimme zu Hause ist.

Torfrock präsentiert sich als Quartett. Von den Gründungsmitgliedern sind noch Klaus Büchner und Raymond Voß dabei. Deren Wiege stand im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater, wo sie Texte von Edgar Allan Poe vertonten. Volker Schmidt und Stefan Lehmann ergänzen die Band.

Torfrock in Bassum

Das musikalische Repertoire ist bemerkenswert. Büchner, Lead-Sänger, spielt auch mehrere Holzblasinstrumente sowie Harmonika und trägt launige Gedichte vor. Voß beherrscht mehrere Gitarren und übernimmt vokal den dunklen-rauchigen Part. Schmidt ist neben Voß zweiter Gitarrist und Bassist in der Gruppe. Druckvolle und groovende Bassläufe hält der Schlagzeuger Stefan Lehmann bereit. Vereint rocken sie ungehemmt auf der „gute Laune-Spur“.

Von Detlef Voges

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