Mit Björn Hombergs von Schattenwolf

Drei Tage in der Wildnis - Survivaltraining in Fesenfeld

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Björn Hombergs gibt Lars und Stefan Langer (v.l.) Überlebenstipps

Bassum - Von Detlef Voges. Lars (11) sucht im Waldgelände etwa ein Meter lange Äste. Sein Vater Stefan Langer hilft ihm dabei. Beide schichten sie etwas schräg stehend an einen dickeren Ast. „Nicht so flach, damit das Wasser ablaufen kann und ihr nicht so viel Laub zur Abdeckung benötigt“, sagt Björn Hombergs.

Lars und Stefan bauen im Wald einen einfachen Unterstand. Er soll an diesem Abend ihre Schlafstätte werden. Vater und Sohn nehmen an einem Überlebenstraining mit minimaler Ausrüstung in Fesenfeld teil. Anbieter ist die Wildnisschule Schattenwolf, ihr Leiter der ehemalige Lehrer Björn Hombergs.

Seine neue Form der Schule hat sich bereits herumgesprochen. Weitere Seminare in Mutter Natur sind schon ausgebucht. Was macht den Reiz dieses Wildnistrainings aus, wer nimmt daran teil?

Im Alltag sind sie Produktionsleiter oder Geschäftsführer von Unternehmen, Kopfarbeiter, die dem gesteigerten Tempo des Business folgen. Im Schattenwolf-Land streifen sie all das ab. Sie sind auf den entschleunigten Spuren des Ursprünglichen und eins mit der Natur. Sie suchen in der Natur das Einfache.

Wie Lars und Stefan, Timo Schaawe (37), Karsten Perkuhn (28), Leon (15), Jürgen (54), Luc Kaouane (17), Anna Jordan (34), Kai Rothe (38), Marcel Renaud (29) und Laura Fehling (24).

Drei Tage frei von Technik

Sie waren drei Tage, frei von Technik und WLAN, im Fesenfelder Wald. Sie kamen unwissend und gingen wissend. Stolz im Gefühl, in der Wildnis überleben zu können – nicht allein, aber in der Gruppe. Sie können Feuer ohne technische Hilfsmittel erzeugen und aus „Unkraut“ eine herzhafte Suppe zubereiten.

Anna Jordan und Kai Rothe bauen einen Unterstand.

Karsten Perkuhn arbeitet im Öffentlichen Dienst in Osnabrück. Er hat sich für das Survivaltraining beworben, um aus dem Alltagstrott herauszukommen. „Ich bin erstaunt, welche Pflanzen man essen kann. Sonst habe ich sie bislang immer übersehen“, sagt der 28-Jährige, der das Motto von Schattenwolf begrüßt, die Natur als Freund zu betrachten.

Er besinne sich bei dem Projekt auf das Wissen der Vorfahren, auf das, „was unsere Großeltern kannten“, erklärt Hombergs. Deshalb gehört eine Wanderung immer zum Auftaktprogramm. Dann zeigt der Schattenwolf-Chef den Teilnehmern, dass nicht nur Himbeeren genießbar sind, sondern auch Brennnesseln oder Wegerich. 

Dass Moos antiseptisch ist und Wunden heilt, Birkenrinde sich gut zum Feuermachen eignet und Kamille sich für eine Waschung anbietet. „Wir haben eigentlich in der Natur alles, was wir brauchen. Wir müssen es nur wissen“, betont Hombergs.

Survival zum Geburtstag geschenkt bekommen

Lars hat erstmals in seinem Leben Sauerklee gegessen. „Schmeckt zum Schluss sauer, ist aber lecker“, erklärt der Elfjährige, der das Camp als Geburtstagsgeschenk bekommen hat.

„Ich habe gelernt, wie man in der Natur ohne Technik überleben kann“, freut sich Leon. Der 15-Jährige räumt aber ein, dass ihm das Fehlen von WLAN und Smartphone schon schwer gefallen sei. Sein Vater Jürgen, der sich sonst als Physiker mit Telekommunikation und künstlicher Intelligenz beschäftigt, liebt die Entschleunigung des Survivaltrainings und den Weg zurück zum Ursprünglichen.

Stadtmensch Anna Jordan, die von sich sagt, sonst nie eine ruhige Kugel zu schieben, genießt es, ihre „Komfortzone“ in Göttingen für drei Tage gegen ein Wildnistraining eingetauscht zu haben und abschalten zu können. Freund Kai Rothe sieht das Projekt als Reflexion und Beschäftigen mit sich selbst. „Ich muss mich der Umgebung anpassen“, sagt er.

Wie wenig der Mensch doch braucht

Musiktherapeut Marcel Renaud ist verwundert darüber, wie wenig der Mensch eigentlich zum Überleben benötigt. Hier im Wald bekomme er den Kopf frei vom Alltag, so der 29-Jährige. Freundin Laura Fehling fühlt sich ohnehin wohl in der Natur. Die Forensische Psychologin liebt das Einfache. Sich von Dingen abhängig zu machen, ist nicht ihr Ding.

Hombergs weiß, dass jeder Survivalteilnehmer etwas anderes mitnimmt. Wichtig ist dem Schattenwolf-Leiter neben dem Wissen um die Natur und deren Vorgänge auch die Gruppenerkenntnis der Teilnehmer. „Allein kann man in der Wildnis nicht überleben, in der Gruppe schon“, sagt er.

Der Name Schattenwolf hat übrigens einen realen Hintergrund. Er leitet sich ab von den Shadow Wolves. Dabei handelt es sich um Indianer im US-Polizeidienst, die, ausgebildet im alten Wissen ihrer Vorfahren, dieses beim Kampf gegen Schmuggler anwenden.

Wer an einem Survivaltraining teilnehmen möchte, kann sich bei Hombergs unter 04241/971384 anmelden oder über info@schattenwolf-wildnisschule.de. Näheres gibt es auch über Facebook und der Internetseite.

www.schattenwolf-wildnisschule.de

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